Rad am Ring 2011: Vorgeplänkel

Da man ja die Woche vor dem Mainevent nicht trainiert, bleibt genug Zeit für die Vorbereitungen. Sonntag wurden die Räder der Günzels grundlegend gereinigt. Bei Stefans hinterem Laufrad machte das Lager der Nabe seit Südtirol mahlende Geräusche. Also ging es ab zur Generalüberholung mit verbindlichem Termin Mittwoch Abend. Stefans Rad erfuhr noch ein Last-Minute-Upgrade, das betagte Schaltwerk aus dem Jahr 2007 wurde durch ein neues XTR (RD-M970) ersetzt. Dieser Wechsel verlief absolut reibungsfrei. Die Dual-Control Trigger (LX) sollten ebenfalls auf XT umgebaut werden. Dies bedeutete jedoch einen Gewichtsnachteil von 2x38g und eine nicht mehr stimmige Optik des Cockpits – also wieder abgeschraubt und die alten, technisch einwandfreien Trigger wieder dran. Montag konnte immerhin Daniels Rad komplett rennfertig fotografiert werden: (mehr siehe Teamseite).

Nachdem im Vorjahr durchaus größere Einkaufmaßnahmen nötig waren (Backsteine, Vorzelt, Beleuchtung usw) musste dieses Jahr nur ein 2m breiter 5fach Fahrradständer gekauft werden.

Trainingslager Südtirol: Bilanz

Zuerst gibt es ein Special, coole noch nicht veröffentlichte Bilder inbegriffen:

Große Diashow

Nach 2 Wochen Trainingslager in Südtirol ist es Zeit für eine Bilanz. Gefahren wurden in der ersten Woche in Lana 5 Pässe und eine Rundtour die zusammen 311km und 8617 Höhenmeter für die Statistik lieferten. Woche zwei lieferte 7 Pässe, eine Rundtour und 4993 Höhenmeter auf 162km verteilt. Der geneigte Rechenfreund wird jetzt schon sicher gemerkt haben, dass dies insgesamt 13,61 Höhenkilometer auf 473km sind. Die Anzahl der prognostizierten Flachstücke schwankte zwischen „fast an jedem Pass eins“ (Daniel oder Moritz) und „im gesamten Trainigslager genau eins“ (Stefan). Einen trainingstechnischen Fun-Fact liefert die Tatsache, dass Daniel und Moritz an keinem Tag mehr Kilometer (80) als am planmäßigen Ruhetag in der ersten Woche fuhren. Eine Bilanz zur überholten Rennradlern wurde nicht geführt,was sowohl auf die mangelnde Motivation als auch die unzureichende Beherrschung des Zahlenraums über 100 zurück zu führen ist.

Klar ist, dass der Wettergott auf der Seite des Teams war: nur bei einer Tour (Mendelpass) wurde im Regen gefahren und das Racing Team hatte des öfteren mehr Glück als Verstand. Eigentlich hörte der Regen, falls er denn überhaupt mal angefangen hatte, immer auf, wenn das Racing Team plante, das Haus zu verlassen.

Aus kulinarischer Sicht ist vor allem das Restaurant Picknick hervorzuheben. Der „Meister“ in der Küche bereitete dort wirklich großartige Gerichte von der täglich wechselnden Speisekarte zu. Außerdem wurden Apfelstrudel von verschiedensten Anbietern getestet und außer den Kollegen auf dem Stilfser Joch war auch jeder dieser Anbieter in der Lage, den bestellten Apfelstrudel auch tatsächlich zu servieren. Wer gerne richtig Kalorien tanken möchte, bestellt auf dem Mendelpass aber besser das gefühlt 1kg schwere Stück Sachertorte und macht das, was Stefan immer ankündigt, wenn er keine Lust mehr auf Radfahren hat: „Ich geh ein Stück Butter essen“.

Abschließend noch ein Geheimtipp: Mal „Trainingslager Südtirol“ zu googeln 😉

Trainingslager Südtirol: Prato Piazza (Plätzwiesen)

Zum Abschluss des Trainingslagers in Südtirol stand heute der „Geheimtipp“ Prato Piazza auf dem Programm. Aus dem Pustertal führen 14,3km Straße bis auf 2000m Höhe hinauf. Besonders die letzten 6km sind vernünftig steil (der letzte Kilometer mit Spitzen von 16% und durchschnittlich 11% sogar richtig steil). Stefan setzte heute alles auf eine Karte und attackierte aus dem Hauptfeld heraus bereits am ersten steileren Stück nach 12 Minuten. Dabei war die Abmachung, dass Moritz erst eine halbe Stunde später das Tempo verschärfen darf; es entwickelte sich also eine klassische Rennsituation wie sie der Tour de France Zuschauer aus unzähligen Bergetappen kennt.

Die Technik-Abteilung fuhr ein sehr starkes Rennen und baute ihren Vorsprung von Beginn an aus, so dass schon bald klar war, dass der Etappensieg am Prato Piazza für die drei im Hauptfeld verbliebenen Fahrer außer Reichweite geraten war. Dennoch fuhr Moritz, als das Rennen 4,3km vor dem Ziel endlich freigegeben war, einen Bergsprint amAnschlag und konnte die verbliebenen 370 Höhenmetern in 16:57 bewältigen. Den Etappensieg sicherte sich Stefan in 56:48 vor Moritz (59:00). Daniel begleitete Jonas in 1:08:07 ins Ziel.

Oben angekommen regnete es zwar für kurze Zeit recht ordentlich – wie sich das für das Racing Team gehört aber ausschließlich während des obligatorischen Apfelstrudels im Hotel auf den Plätzwiesen. Auf der Abfahrt sorgte Jonas mit einer Vorderradpanne für zusätzliche Action; nach kurzer Reperaturpausewar das Problem aber behoben.

Trainingslager Südtirol: Kiener Alm

Aufgrund des begrenzten Internetzugangs in der Pension (ab 22 Uhr) wegen der Strahlenbelastung gibt es heute gleich zwei Artikel zum Lesen. Der Startpunkt der Tour ist Mühlbach, direkt an der gut befahrenen Pustertalstraße gelegen. Moritz unguter Erinnerung an diesen Berg zum trotz gingen alle vier gut gelaunt in den Berg. Dieser präsentierte sich in perfektem Wetter, fast keine Wolke zierte den Himmel. Gleich vom Parkplatz weg ging es mit 10% Steigung los, was sich auf den ersten vier Kilometern wenig änderte. Es gab wie in der offiziellen Tourbesprechung beim Frühstück angekündigt ein kurzes Bergab-Flachstück in Meransen. Ab der Seilbahnstation wurde die Straße zum asphaltierten Feldweg, welcher jedoch nach 2 Rampen in die überraschend (für die Teammitglieder natürlich jetzt nicht mehr überraschend) breite Straße, welche nur zur Kiener Alm führt. Diese Änderung des Untergrundes wurde wie besprochen zur freien Fahrt genutzt, es ging schließlich noch 2,3km mit 214Hm unter die Räder zu nehmen. Wie zu erwarten war, versuchte Daniel das Moritzsche Hinterrad zu halten. Dieses Mal sollte es aber keine taktischen Tricks geben, die beiden fuhren nebeneinander den Berg hoch. Das Tempo war untypischerweise am Anfang nicht gleich „Anschlag“, wurde jedoch in mehreren Verschärfungen immer weiter gesteigert. Um nicht sinnlos kaputt zu sein einigten sich die Bergspezialisten kurz vorm Ziel darauf keinen Zielsprint zu fahren. Die Zeit (9:45) war ca. eine Minute unter der Vorjahreszeit dieses Bergabschnitts. Stefan und Jonas fuhren mit knapp 5 Minuten Rückstand gemütlich ins Ziel. Die Abfahrt war erfreulich verkehrsarm (keine Autos) und aussichtsreich (Blick aufs Pustertal).

 

Eckdaten: 13,2km 1000Hm, Garmin Daten Daniel

 

Trainingslager Südtirol: Sellaronda

Heute ging es los auf die Königsetappe der zweiten Woche vom Trainingslager in Südtirol. Dem DGD Racing Team bot sich fast komplett wolkenloses Wetter, bei allerdings recht frischen Temperaturen. Startpunkt der bekannten Runde ist Corvara, gelegen auf über 1500m über Meereshöhe.

Der erste Pass war der Campolongo; der belesene Leser merkt bereits jetzt dass die Sellarunde im Uhrzeigersinn (klassische Richtung) gefahren wird. Viel passierte nicht, man genoss das gute Wetter und die Landschaft und der Teamchef fuhr ein für alle Teammitglieder akzeptables Tempo.

Der Passo Pordoi stellt mit 673 Höhenmetern auf einer Streckenlänge von 9km den längsten Anstieg der Sellaronda. Wie vorher abgesprochen sollte an diesem Pass auf Bestzeitenjagd gegangen werden. Moritz legte auf den ersten 3km ein brutales Tempo vor, zeitweise wurden 19km/h bei 8% Steigung gefahren. An seinem Hinterrad fuhr Daniel die klassische Thomas-Voeckler-Taktik, sprich in einem sehr hohen Gang am Anschlag fahrend einfach dran bleiben. Im weiteren Verlauf des Passes profitierte er natürlich auch vom Windschatten, denn in der Hauptfahrrichtung herrschte ein kalter Gegenwind. Schließlich entwickelte sich auf den letzten Kilometern ein heißer Kampf um die Bergpreispunkte am Pordoi, den Daniel mit einem zweistufig gezündeten Sprint in 31:58 gegen Moritz (32:05) gewinnen konnte. Die beeindruckende Dominanz des Racing Teams in der Quäldich-Rangliste entschädigt ein wenig für die Fahrt am absoluten Limit (zweite Runde) und auch für den Trainingseffekt, den man aus dem Trainingslager in Südtirol mitnimmt, kann ein solcher Bergsprint nicht schaden. Stefan bot ebenfalls eine richtig starke Vorstellung und unterbot in 39:17 die alte Racing-Team-Bestzeit um fast 2 Minuten. Jonas hielt die nicht zu knapp anwesenden Rennraddrücker gut in Schach und bezwang den Pordoi in 45 Minuten.

Nach der doch recht frischen Abfahrt vom Pordoi durfte der Anstieg zum Sella Joch vom weiterhin schönen Wetter profitieren, welches Stefan aus seiner Jacke trieb. Als Motivation war das Sella Joch als Apfelstrudel-Station auserkoren worden, was der psychologisch ungünstigen Position als dritter Berg entgegenwirken sollte. Der Anstieg wurde vom Team fast vollständig im Formationsflug absolviert, auch wenn das von Jonas bestimmte Tempo manch andere (Moritz) teilweise zum Anziehen der Geschwindigkeit animierte. Dennoch blieb die Formation bis zur vorletzten Kehre erhalten, als Moritz und Stefan sich dazu entschlossen, die übrigen „Rennradficker“ (Zitat Stefan) auf der Strecke in Angst und Schrecken zu versetzen, indem sie sie mit unglaublichen sechsundzwanzig (26) Kilometern pro Stunde stehen ließen. Oben angekommen gab’s neben Strudel und Schorle in der Passklause ein Stelldichein mit dem Wirtshund, welcher seinen Mangel an Intelligenz leicht durch seine Fertigkeiten im Anschleichen und Erschrecken auszugleichen wusste.

Zum Ende der großen Tour ging es nach der nervigsten Abfahrt des Tages (Busse + „Stau“) erstaunlicherWeise nochmal bergauf. Daniel machte zu nächst gemütlich das Tempo. Da Stefan der einzig Vernünftige war, der auf der windigen „285°-Kelvin-Abfahrt“ mit einer Jacke aufwarten konnte aber der Team Chef es nicht einsah eine kleine Pause zu machen, um seinem Bruder die Chance zu geben auf kurzes Trikot rück zu wechseln, musste Stefan spontan einen Kurzsprint einlegen um einen entsprechend verwertbaren Zeitvorsprung heraus zu fahren. Danach fuhren wir nach chefscher Vorgabe weiter. Es passierte plötzlich etwas Unvorhergesehendes: das lang angekündigte Flachstück war das erste Mal im Trainingslager Südtirol auch tatsächlich flach, sodass wir Schnelligkeitsgeschwindigkeiten von über 8,3 m/s erreichten. Gegen Ende des Passes verdonnerte Stefan Moritz dazu doch mal einen 165er Puls zu fahren. Wie sich später rausstellte waren zu Beginn diese „Antrittes“ eher 170 auf der Uhr, jedoch konnte Stefan bis oben folgen und den Schlusssprint (37 km/h) für sich entscheiden. Daniel und Jonas kamen mit dem Hauptfeld ins Ziel.