Rennrad Training in der Schwangerschaft

Das DGD Racing Team hat Ende des Sommers ein Junior-Mitglied bekommen:  Rosalie ist am 16. September während der Corona bedingt verschobenen Tour de France gekommen. Während der Schwangerschaft wollte ich natürlich weiterhin Rennrad fahren und fit bleiben, aber es gab erstaunlich wenig Material online, deswegen wollte ich an dieser Stelle ein bisschen meine Recherchen zusammen tragen und die Technik-Upgrades, die wir in der Zeit durchgeführt haben, um mein Rad an meine Bedürfnisse anzupassen.

Basics

Es gibt tatsächlich erstaunlich wenig aktuelle Forschung zum Thema Sport & Schwangerschaft. Es ist nicht lange her, dass man allen Frauen noch empfohlen hat „sich auszuruhen“ und quasi komplett auf körperliche Aktivität zu verzichten. Bei einer Risikoschwangerschaft kann das natürlich trotzdem stimmen, aber wenn man eine „normale“ Schwangerschaft hat und Ärztin/Hebamme einverstanden sind, kann man durchaus weiter trainieren und hat tatsächlich viele gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind.

Ein gutes Portal mit wissenschaftlich fundierten Informationen bietet die Sporthochschule Köln. Von dieser Seite habe ich mir auch meine Grundpfeiler für mein Training zusammen gesucht:

  • Auf den Körper hören und sich eine Pause gönnen, wenn nötig. Kein „Wettkampf“-style Training, dafür die Belastungen/Strecken fahren, auf die man Lust hat.
  • 7x pro Woche max. 60 Minuten Training.
  • Pulsbereich: 125-145 für Radfahren.

Es gibt natürlich viele Situationen, in denen man gefahrlos auch härter trainieren hätte können, aber dies schien mir eine gute Referenz. Die mich betreuende Hebamme konnte mir zwar zu sportlicher Aktivität raten, konnte mir aber nicht Näheres zu den Radsport bzw. Ausdauersport-Spezifika sagen, weswegen ich meine eigene Recherche betrieben habe.

1. Trimester (Januar-März)

Im ersten Trimester (also die ersten drei Monate) hatte ich noch keine „sichtbare“ körperliche Veränderung, hatte aber mit viel Müdigkeit und Dehnungsschmerzen zu kämpfen. Von der großen Schwangerschaftsübelkeit bin ich weitestgehend verschont geblieben.

Moderates Rollentraining

Vor der Schwangerschaft waren wir mitten im Winter-Rollentraining mit Sufferfest (ca. 15€/Monat) mit Fokus auf kürzere, harte Trainingseinheiten (45min-60min) ergänzt durch längere Grundlageneinheiten. Da die ersten zwölf Wochen als kritische Phase gelten, in der der Körper noch problemlos die Schwangerschaft abbrechen kann, falls irgendetwas mit dem Embryo oder dem Gesundheitszustand der Mutter nicht stimmt, wollte ich kein großes Risiko eingehen, und habe meine Trainingsintensität entsprechend den Basics oben herunter gefahren, obwohl ich mich noch genauso leistungsstark wie vorher gefühlt habe.

 

Yoga

Als super angenehm habe ich unser fast tägliches Yoga Training empfunden. Moritz und ich sind große Fans von Yoga with Adriene und haben während des Lockdowns die verschiedenen „30 days of Yoga“-Serien aneinander gereiht (gratis). Insbesondere die Hüftbeuger-Übungen haben für meine akuten Schmerzen sehr geholfen. Im ersten Trimester ohne Bauch gab es auch noch keine Einschränkungen.

2. Trimester (April-Juni)

Während des zweiten Trimesters war bei mir weiterhin nicht viel von einem Baby-Bauch zu erkennen. Mitte/Ende Juni, also so um die 25. Woche hatte mein Bauch ungefähr die Größe wie nach einem ordentlichen Buffet-Abend nach einem Trainingslager Tag auf Mallorca. Meine Gewichtszunahme hielt sich auch noch sehr stark in Grenzen (ca.+3.5kg).

Rennrad Training

Nach Beendigung unseres Lockdowns konnten wir ab Mai nun endlich wieder draußen fahren. Allerdings war die 1h-Bedingung etwas fies, da dies die Streckenwahl im Ballungsgebiet doch schon stark einschränkt. Ich habe je nach Gefühl dann gewisse Touren auch einmal bis auf zwei Stunden verlängert, wenn die Woche sehr ruhig war, aber dann akribischer auf die Puls-Richtlinien geachtet.

Generell konnte ich schon feststellen, dass meine Leistungsfähigkeit deutlich abgesunken war und mein Puls bei gewohnten Streckenabschnitten deutlich weiter nach oben schiessen wollte. (Größenordnung -25% Strava-Watt).   

Technik Tuning

Obwohl mein Bauch noch nicht sehr groß war, habe ich doch schon bemerkt, das meine Position auf dem Rad etwas unkomfortabler geworden war: Mein Bauch hat etwas an meinen Oberschenkel geschabt. Um mir etwas Luft zu verschaffen, haben wir als erste Maßnahme erst einmal meinen Vorbau (Canyon V13 6° 80mm) umgedreht um schon einmal die Neigung von 8° nach unten in eine Neigung von 8° nach oben zu tauschen. 

Yoga Training

Ab dem zweiten Trimester wird empfohlen auf folgende Positionen zu verzichten: 

  • Bauchlage und Rückenlagen;
  • Übungen, bei denen der Bauch komprimiert wird;
  • Bauchmuskelübungen (zB Crunches – Stabilisationsübungen wie Planks habe ich weiterhin gemacht)

Wir haben weiter gemeinsam die Yoga with Adriene-Videos gemacht und ich habe einfach die entsprechenden Übungen durch weitere Cat/Cows oder Hüftbeuger-Übungen ersetzt. 

3. Trimester (Juli-September)

Spätestens im 3. Trimester haben es viele auch mit den Vorwehen (eine Art Muskeltraining des Körpers für die Geburt) zu tun. Bei mir äußerte sich das in den letzten drei Monaten hauptsächlich durch kurzzeitiges, normal schmerzfreies Hartwerden des Bauchs. Normalerweise hat dies keine Auswirkungen auf die Schwangerschaft, kann aber durchaus den Muttermund schon weiten und zu einer verfrühten Geburt führen. Aus diesem Grund war ich zumindest immer sehr vorsichtig, wenn dies beim Sport passiert ist.

Technik Tuning

Um meinem größer werdenden Bauch gerecht zu werden, musste ein neuer Vorbau her. Die Idee war einen ultra-aggressiven Vorbau (17° Neigung) wieder „falsch herum“ zu montieren um maximal viel Winkel nach Oben zu erzeugen um mir eine möglichst aufrechte Sitzposition zu ermöglichen.

Meine doch sehr eng sitzenden Trikots waren endgültig zu eng und so war ich auf Leihgaben aus dem Team angewiesen (danke nochmal!). Moritz‘ Unterhemden habe ich mir auch gerne geliehen, da sie deutlich länger waren als meine.  

Umstieg auf die Rolle

Im Juli fand auch dieses Jahr das traditionelle Trainingslager Südtirol statt, allerdings für mich ohne Passhighlights (zumindest nicht mit dem Fahrrad). Ich bin in diesem Sommer nur im Tal gefahren – Im Etschtal auch sehr schön! 

(Bild: Etschtalradweg – man sieht: mein Bauch lässt sich trotz 8. Monats noch sehr gut im großen Trikot verstecken)

Nach dem Trainingslager war aber selbst die neue Vorbau-Variante nicht mehr genug. Wieder zuhause angekommen, haben wir mein Fahrrad direkt wieder auf die Rolle gestellt, sodass ich immer noch ein bisschen rollen konnte ohne zwangsläufig die ganze Zeit an den Lenker greifen zu müssen. Hier haben sich zusammengerollte Handtücher als weitere Lenker-Erhöhung gut gemacht.

Da Rosalie es ja sehr eilig hatte, bin ich noch zwei Tage vor ihrer Geburt eine kleine Session gefahren.

Yoga

Yoga haben wir weiterhin bis zur Geburt fast täglich gemacht und ich habe mich immer sehr erfrischt und locker gefühlt nach unseren Einheiten.

Zu Fuß

In den letzten Wochen hat man auch nicht mehr unendlich Lust auf Sporteinheiten, da ja doch immer irgendetwas ziept. Bei mir war es insbesondere Sodbrennen, was ich vermehrt auch auf der Rolle hatte. Als weitere Empfehlung gilt weiterhin einfach viele entspannte Spaziergänge zu machen.

Nach der Geburt

Generell ist nach der Geburt erst einmal piano angesagt, was Sport angeht. In Frankreich gilt die Richtlinie sechs Wochen lang keinen Sport zu machen außer Spazieren gehen. Danach muss man erst einmal mit Beckenbodenübungen anfangen (wenn nicht schon vorher getan!) bevor die Muskulatur wieder bereit ist für anderen Sport.

Generell soll man aufpassen mit Bauchmuskelübungen (für die Hartgesottenen mal „Diastasis recti“ Google Bilder suchen) und Sport vermeiden, wo man viel „hin und her hüpft“ wie bspw. Laufen gehen, da zwar die Gebärmutter relativ schnell wieder auf Ursprungsgröße zurück schrumpft, die Bänder anscheinend noch recht viel länger brauchen um sich wieder auf Normalgröße zu verkürzen.

Ich habe relativ bald wieder mit Yoga angefangen (minus Bauchmuskel-Übungen) und nach sechs Wochen habe ich den Sufferfest 6 Wochen „Transition“ Trainingsplan angefangen, der mit recht kurzen Rad Sessions, aber auch mit einigen Krafteinheiten wieder gut für Stabilität sorgt.

(Meine Fitnesstest Resultate vom „Half Monty Test“/ Sufferland am Anfang des Transitionplans)

Die ersten Rad-Einheiten waren sehr holprig und insbesondere eine gute Sitzposition zu halten war sehr schwierig, aber das hat sich relativ schnell verbessert.

(Full Frontal Fitness Test Resultat nach Transition Trainingsplan: MAP +14, FTP +21) 

Jetzt, über 3 Monate nach Rosalies Geburt, bin ich wieder in mein normales Wintertraining eingestiegen was die Intensität betrifft. Lange Grundlagen-Sessions fallen allerdings flach, da das Baby weiterhin alle 2-3h gestillt werden möchte. Aus diesem Grund fahre ich aktuell einen Intermediate Trainingsplan (ca. 6h/ Woche) von der Sufferfest App.

 

 

 

Gravelbike Upgrades

Nachdem aktuell das Pendeln ins Office in Vergessenheit gerät dank 100% Homeoffice, kann das Stevens Prestige mehr in Richtung Offroad und weniger als Winterrennrad genutzt werden. Das Zeitfahrrad dient als Rollenrad, sodass auch im Winter ein Rennrad zur Verfügung steht. Da das Bessere des Guten Feindes ist und man natürlich immer etwas zum Schrauben sucht, stand fest dass man den Fahrkomfort durch eine Carbongabel (statt Alu) verbessern könnte. Recherche ergab einen fast nicht existenten Markt mit Gabeln die auch passen, als dann genau das Modell als B-Ware im Sale war wurde nicht lange gezögert. Einbau mit Kürzen, Bremse entlüften (in der Gabel verlegt im Gegensatz zum Original) und neuem Expander (statt Gabelkrall) wurde vom Teampartner Bertl (bike-innovations) erledigt. Durch den etwas längeren Radstand hat sich die Geometrie zudem verbessert, aber die Hauptsache ist der gestiegene Komfort – es nicht natürlich keine Federung aber auch kein Kruppstahl mehr. Als nettes Schmarkerl wurde 400g Gewicht eingespart (498g ungekürzt die neue Gabel), soviel hätte keiner der Beteiligten erwartet. Die vorhandenen Schutzbleche müssen noch umgerüstet werden, denn das Loch mittig unten existiert nicht, aber eine Schraube an der Gabelrückseite bietet die Möglichkeit der Schutzblechmontage weiterhin.
Nach der überstandenen Versuchung auf die neue Campagnolo Ekar Gruppe umzurüsten (geil, aber zu hochwertig für das Rad) reifte jedoch der Entschluss auf 1-fach zu gehen. Die extremen Gänge sind zwar gut (31/32 und 48/11) aber schneller als 40-50km/h fährt man mit den Stollenreifen nicht und sehr oft hängt man bei mittleren Geschwindigkeiten zwischen den Blättern. Es wurde also eine 1-fach Kurbel mit 42 Zähnen, ein neues Schaltwerk (ist nicht nur der Käfig länger) und ein XT Ritzel mit 11/40 geordert und montiert. Zwar ist jetzt der niedrigste Gang etwas zäher, aber das Fahrerlebnis ist einfach deutlich entspannter, man hat auch wegen der nicht so vielen Abstufungen schlicht deutlich weniger zu schalten. Die Auflistung hier ist für alle Leichtbaufreaks interessent, denn durch das Ritzel spart man insgesamt überraschend wenig Gewicht, fahrfertig also inkl. Halter und Pedale wiegt das Rad jetzt ca. 9,3kg – nicht schlecht für Alu 🙂

KurbelFC-RX-810 1-fach 42Z 170mm653g
FC-RX-810 2-fach 48/31Z 170mm723g
KassetteCS-M8000 11-40Z411g
CS-R8000 11-32Z281g
SchaltwerkRD-RX812 medium cage274g
RD-RX810250g
UmwerferFD-RX810120g
Schelle für Montage Anlöt SM-AD1531g
Schaltzug20
1fach Ersparnis87g

Cube Aerium Zeitfahrrad

Getreu dem Vorbild von GCN hatte sich Daniel im Sommer überlegt, sich mal wieder ein neues Rad zu organisieren – aber eben günstig und gebraucht. Nach bisherigen Testfahrten mit geliehenen Zeitfahrrädern war der grundsätzliche Spaßfaktor auf jeden Fall schon da. Nachdem zigfachen hin-und-her mit einem Münchner Verkäufer eines BMC Rahmens mit Ultegra Gruppe, gab es in Okriftel eine Kleinanzeige mit dem jetzt gekauften Rad. Für sehr faire 800€ konnte ein 2012er Cube Aerium der Größe M erworben und vor Ort ausgiebig probegefahren werden – vielen Dank an den sehr freundlichen Vorbesitzer. Steffen konnte noch ein paar passende SRam Red Carbon Bremsgriffe beisteuern, Moritz hatte noch einen fast neuwertigen Sattel anzubieten. Schnellspanner wurden aus Gewichtsgründen erneuert und die Flaschenhalter mussten natürlich sein. Nach einem kurzen Besuch bei der Fahrradbiometrie war auch klar – der TT Aufsatz muss mangels Verstellmöglichkeiten weg. Der vorhandene Lenker+Aufsatz+Vorbau konnte für 40€ weiterverkauft werden – da die Lenker/Vorbaubreite von 26mm recht exotisch war wurde auf zeitgemäße 31.8mm umgerüstet, mit neuem Profile Design Aufsatz für 50€ aus ebay. Das Ritzel war im Original 12/28 was umgehend auf 11/25 gewechselt wurde, denn wirkliche Berge sollen damit nicht gefahren werden. Nachdem auf dem Gebrauchtmarkt keinen sinnvollen Carbon Clincher Laufräder zu finden waren, wurde bei AliExpress der günstigste Satz für 240€ mit 60mm Höhe bestellt. Nach 6 Wochen Lieferzeit war die Ware endlich da, schön breit nur das Felgenwand war keineswegs in Tubeless Qualität verlegt, aber egal es sollten Schläuche drauf. Damit der sehr gute Aluradsatz weiterhin benutzbar ist, kamen noch fast neue Grand Prix TT (45€ das Paar) dazu. Die Räder sind steif, schwer (877+1016g) und von der Höhe genau richtig – das super fahrstabile Rad ist damit noch ziemlich Seitenwindtolerant.
Fahren im Flachen macht damit einfach richtig Laune, gerade bei gutem Wind fährt man gerne mal 45-50km/h im Aufsatz und die SRam-Red Trigger lassen keinerlei Elektronik vermissen. Mit den mitgelieferten Bremsbelägen kann man im Trockenen auch sehr vertretbar bremsen, ein Test mit Anstiegen < 20km/h machte aber klar – Aero ist eben nicht alles und nur wenn man auch im Aufsatz fahren kann ist man damit auch schnell. Zeitfahren beim Riderman 2021 kann also kommen.

RahmenCube Aerium HPC Teamline (M) 2012
LaufräderCarbon Clincher 60mm Chinabomber
ReifenContinental Grandprix TT 23c
SchnellspannerBBB WheelFixed
SchaltwerkSRam Red 10-fach
UmwerferSRam Red Double
BremsenSRam Red
KurbelFSA Neo carbon, Rotor 53/38 Kettenblätter
KassetteSRam 11/25 10-fach
PedaleShimano SPD A600
SattelSelle Italia SLR TT Titanium
FlaschenhalterElite Kit Time Trial / Crono CX
AufsatzProfile Design Sonic Ergo 50a
LenkerVision TriMax Alloy UCI 31,8mm / 40cm
VorbauProcraft PRC ST 2 90mm (6 Grad)

SuperSix Evo 2020 – Erfahrungsbericht

Als Follow-up zum Grund meines historischen Kontotiefstands Anfang Dezember kommt nun ein erster Erfahrungsbericht zu meinem Super Six Evo. Die kurze Version: Das Rad ist absolut überragend in allen Belangen, leichtfüßig bergan, steuert beeindruckend präzise in den Abfahrten, und vermittelt ein tolles Geschwindigkeitsgefühl in der Ebene. Für mich das perfekte Rad!

Die Gabel wurde gegenüber Dezember nochmal gekürzt (Die Möglichkeit, endlich diese tiefere Position zu fahren geht sicher auf das Konto von Yoga With Adriene). Die Farbe „agave“ sieht in echt viel besser aus. Das haben die Jungs im Radladen auch gesagt, denn sonst hätte ich vermutlich wie die meisten anderen ein graues, weißes oder schwarzes Farbschema bestellt.

Ein paar technische Eigenheiten und Kinderkrankheiten haben mich dann in den ersten Wochen vor dem Corona-Lockdown in Frankreich doch beschäftigt und anstelle die Maschine jetzt weiter in den sixten Himmel zu loben, will ich auf ebendiese und die gefundene Lösung eingehen.

Sattelstütze

Die D-förmige Sattelstütze bietet herausragenden Federkomfort, war aber auf den ersten Fahrten permanentes Problemkind, weil der integrierte Klemmmechanismus dem enormen Gewicht des Fahrers (71kg inkl. Winterspeck) nicht gewachsen schien. Das Absacken der Stütze um bis zu 2cm war allerdings einer Unachtsamkeit bei der Montage geschuldet. Seitdem der Betriebsanleitung kleinlichst gefolgt worden war, hält die Stütze trotz diverser (un)freiwillger Pavé-Abschnitte ihre Position perfekt. Entscheidend war, Montagepaste entlang der gesamten Stütze aufzutragen und das Anzugsmoment von 6Nm zu beobachten. In diversen Foren war zunächst von max. 5Nm die Rede. A propos Foren: viele Nutzer schreiben von furchtbarem Knarzen der Stütze, womit aber nahezu immer die Alustütze an den Einsteigermodellen gemeint ist.

Sattel

Natürlich habe ich mich von diesen Diskussionen auch beeinflussen lassen, als bei wechselnder Be- und Entlastung des Sattels ein unangenehmes Knarzen zu vernehmen war, und mit den Mechanikern von Culture Vélo Villebon die Ursache an der Klemmung der Stütze gesucht. Da das Problem aber mit einer neuen Stütze nach einigen hundert Kilometern wieder auftrat, musste die Ursache eine andere sein. Als einzige naheliegende Lösung blieb die Klemmung zwischen Stütze und Sattel. Diese wurde erneut vorschriftsmäßig (6Nm) angezogen, was für gute 2h Ruhe sorgte, bevor sich mindestens eine der beiden Schrauben erneut lockerte. Das sich das mehrmals reproduzieren ließ war klar: Schraubensicherung muss her. In diesem Fall behob das mittelfeste Fall Loctite 242 mein Problem dauerhaft. Der kurznasige Prologo Dimension NDR war übrigens die größte Überraschung am gesamten Rad. Von dem Plan, ihn gegen einen vermeintlich viel angenehmeren zu fahrenden Sattel à la Selle Italia SLR zu tauschen, habe ich weit Abstand genommen. Im Gegenteil, für die nächste Rollensaison werde ich an der Ersatzmaschine den Tausch in die andere Richtung vornehmen.

Laufräder

Überhaupt nichts zu meckern gibt es an den Knot-Laufrädern. Die überweite und 45mm hohe HED Felge rollt wunderbar und vermittelt auch bei stärkeren Windböen von der Seite kein größeres Unsicherheitsgefühl als die leichten Stan’s NoTubes an meinem alten Rad. Sorry Felix, aber daher muss die nächste Bestellung doch warten 😉

Cockpit

Natürlich klingt der Kompromiss, zu Lasten von knapp 200g Mehrgewicht auf ein semi-integriertes Cockpit mit abhnehmbarer Kabelabdeckung zu setzen, für Wartungsarbeiten sehr praktisch. Aber was wenn man sein Rad nie auseinander baut? Hat man dann leichtfertig unnötiges Zusatzgewicht herumzuschleppen? Wie ich alsbald herausfinden durfte, lautet die Antwort nein, zumindest wenn man wie ich ein Quietschen beim Einlenken auf Dauer nervig findet. Die Ursache: im Lauf der Zeit hatte sich etwas französischer Landstaub durch die Ritzen zwischen Rahmen und Gabel gequetscht und sich an den innen verlegten Zügen festgesetzt (in letzter Konsequenz sicher auf meine enorme Geschwindigkeit im Flachen zurückzuführen :-p). Dank abnehmbarer Vorbauverkleidung ließ sich das Problem leicht beheben: Züge leicht in und her wackeln, in Turbospray getunkten Tuch von oben ins Steuerrohr führen, und gut ist. Sicher nichts weltbewegendes, aber ein cooles Erlebnis allemal.

Leistungsmesser

Das vorinstallierte Powermeter von Power2Max habe ich natürlich aktiviert (499 Euro) und nachdem ich dank dem sehr reaktiven Kundenservice noch herausfand, das „Power“ ein „Feature“ ist, was man in der Smartphone-App aktivieren muss (erscheint mir unintuitiv, rein angesichts des Produktnamens aber gut), funktioniert das Produkt einwandfrei. Die Batterie habe ich nach 130h für das anstehende Trainingslager erstmals gewechselt, wobei noch 25% Ladestand angezeigt wurden. Das deckt sich also recht gut mit den versprochenen 150h Lebensdauer.

Zur restlichen Technik (Dura Ace Scheibenbremse und Schaltgruppe) wurde an anderer Stelle schon mehr als genug gesagt. Hier noch die Komponententabelle.

Stevens Prestige 2020 Disc Gravelbike

Nach dem Umzug nach Eberstadt wurde das Pendeln auf die Arbeit dank dort vorhandener Dusche auf die Agenda gesetzt. Schnell wurde die Idee mit dem Vuelta und Steckschutzblechen ad acta gelegt – es muss ein Pendelrad her. Die Schutzbleche hielten nicht gut (Gummis) und alles war dreckig. Marke ist natürlich Stevens, Schutzblechösen, Disc Brakes und 2-fach Kurbel standen im Pflichtenheft und der Preis sollte erträglich bleiben – also kam nur das Stevens Prestige in Frage. Bei der Probefahrt im Citybike Darmstadt gab es die erste Überraschung: die recht grob wirkenden Stollenreifen rollen auf Asphalt wirklich gut. Als Beleuchtung dienen die Selbstbaulichter aus den Rad-am-Ring Jahren sowie USB-ladbare Rücklichter von Lezeyne. Ein sehr kurzes Intermezzo auf Tubeless umzurüsten (zum Glück nur am Vorderrad) bewährte sich nicht, die Luft geht zwar nicht während der Fahrt aber während des Nicht-Fahrens zu schnell raus. Das Pendeln war somit wirklich super, das hohe Radgewicht (später mehr) von 10kg macht nur beim in-den-Keller-tragen etwas aus und durch die vollumfänglichen Schutzbleche wird auch nicht mehr soviel dreckig, beim normalen Pendeln ist die Kleidung sogar wirklich sauber – sehr alltagstauglich also.
An den Wochenenden wurde das Rad auch artgerechter ausgeführt, es gibt so viele gut fahrbare Wald- und Feldwege für die man kein e-Bike Fully braucht sondern ein normales Gravelbike ausreicht, immer gut am Lenker festhalten und los geht es. Bis vor ein paar Jahren hätte ich das Rad Crosser genannt, dazu würde ich aber heute maxima 33mm breite Reifen und Einfachkurbeln zählen – perfekt für Crosser (=Querfeldein) Wettkämpfe geeignet also. Für meinen Einsatz als Rennrad-MTB-Zwitter ist eine möglichst große Antriebsspreizung jedoch unabdingbar, viele lange und Steile Rampen wollen auch im Winter befahren werden. Fürs klassische Crosser fahren kann ich aber die 1-fach Konzepte verstehen, denn man minimiert Kettenblattwechsel.
Um die bereits sehr gute Range noch zu verbessern, und natürlich die einfachsten Gewichtsfauspax (0,5kg gespart) auszumerzen wurde das Rad direkt modifiziert. Es ist jetzt die komplette GRX Gruppe von Shimano verbaut, inkl. 48/31er Kurbel mit Umwerfer (musste neu da 2,5mm geänderte Kettenlinie). Das Schaltwerk besitzt einen Geländemodus, welches die Kette auf Spannung hält – MTB Technik am Gravelbike. Die Reifen sind im nassen Gelände natürlich irgendwann überfordert, kommen aber sehr gut durch Matsch und zumindest bis 35km/h rollt es auch auf der befestigten Fahrbahn gut. Insgesamt eine klare Empfehlung für alle die ihren Rennlenker lieben und auch mal Feldwege/Waldwege fahren wollen, oder einfach solide zur Arbeit fahren wollen. Auf mechanische Scheibenbremse sollte man nicht downgraden außer das Budget lässt nichts anderes zu und wie man weiß kann man auch mit Aluminium gut fahren. Last but not least, die Farbe ist deutlich greller und schöner als es alle Bilder vermuten lassen. Es gilt aber auch die n+1 Regel, n ist die Anzahl der Räder, die man besitzt 🙂

Rahmen + GabelAluminium SL 7005 – 56cm
BremsenShimano GRX 400
LaufräderFulcrum Racing 700 DB, DT Swiss Steckachsen
ReifenSchwalbe G-One Bite 35mm
KurbelShimano FC RX810 – 48/31 170mm
UmwerferShimano GRX FD-RX810
SchaltwerkShimano GRX RD-RX810
KassetteShimano 105, 11-32 11-fach
LenkerOxygen Scorpo Aero
VorbauProcraft 100mm 6°
SattelstützeProcraft PRC SP2 27,2mm
SattelBerk List oval
PedaleShimana A500 SPD