Mit dem inzwischen traditionellen Zwischenstopp beim Holländer in Berwang waren Stefan und Daniel bereits kurz nach 9 in Bozen beim Decathlon und um 10:00 mal wieder im Günzelgut in Lana. Kurz danach kam Heiko, dieses Mal auch direkt aus Darmstadt angereist. Die Egert Family macht in der ersten Woche einen separaten Urlaub am Fuße des Nigerpasses, mit weniger Radsportfokus. Ganz klassisch wurde der Track aus 2015 aus dem Repertoire gezogen. Am Vorberg nach St. Pauls musste jedoch noch eine neue Rampe nach Missian gefahren werden – Straßensperrung explizit auch für Radfahrer. Der Mendelpass wurde dann komplett ab der Straße in Angriff genommen. Geplant waren z.T. Intervalle, aber keiner der Fahrer wollte oder konnte diese wirklich umsetzen. Oben gab es dann einen neuen Strudel in der „neu“ eröffneten Bar gleich rechts hinter dem Passschild. Zum Gampenpass wurde gemütlich pedaliert, die Abfahrt war frei, es gab lediglich ganz oben und kurz vor Lana eine Baustellenampel. Dann ging es in den schön gestalteten Pool vom Nachbarhotel (legal!) und ein sehr ungefährdeter Pedersen Sieg kam bei der Tour.
Erstmalig wurde im Elsass ein weiteres Rennen (Cyclosportive) ausprobiert, direkt mit 5 Teilnehmern des DGD Racing Teams. Katie und Moritz ließen ihren Töchtern ein freies Wochenende und somit konnten beide beim gleichen Event starten. Stefan wurde als zukünftiger Ötztalteilnehmer mitgenommen und Daniel sollte endlich nach zig Absagen aus diversen Gründen sein erstes Vogesen Rennen fahren. Heiko hatte nach dreiwöchigem radlosen Urlaub nicht die allerbeste Vorbereitung, aber allemal gutes Training. Halb sieben waren Sport-1 im ersten Startblock, Stefan stand einen Block weiter hinten und Katie fuhr den Mediofondo aus Block 4 – konnte somit auch etwas später abfahren. Die ersten 13 km wurden recht zivilisiert neutralisiert gefahren. Heiko kam dabei recht weit vor, Daniel ließ sich ein wenig zurück spülen. Am ersten „Feldweg“ Anstieg konnten Daniel und Moritz wieder zusammen pedalieren, wie geplant etwas zügiger, weil es der erste Anstieg war. Die Abfahrt wurde vom Veranstalter spontan neutralisiert, was bei der schmalen Hubbelpiste eine gute Idee war. An der ersten Verpflegung klatsche Moritz alle Helfer kurz ab, denn er war der erste Besucher – alle besser positionierten Fahrer hatten anscheinend Materialwagen auf der (nicht-gesperrten) Strecke. Heiko konnte im Flachen nochmals aufschließen und ein paar Führungen fahren. Hinauf zum Dach der Tour auf den Markstein und Grand Ballon konnte Moritz eine große Gruppe komplett von vorne hochziehen, sehr gleichmäßig. Erst 100 m vorm Gipfel attackierten dann einige Leute, aber ohne nennenswert wegzukommen. Nach der Verpflegung wurde im Wesentlichen auf das DGD Duo gewartet, um wieder die Pace zu machen. Auf der langen Abfahrt gab es am Ende eine weitere lange Neutralisation, wegen einer Baustellenampel und einer Ampelkreuzung unten im Ort. Dort bildete sich eine sehr große Gruppe, wo aber natürlich wieder keiner die Pace machen wollte. Der nächste Zwischenanstieg war top asphaltiert und dem Team bekannt, auch da wurde von vorne gefahren. Die nächste Verpflegung bei 135 km wurde hinten in der Gruppe angesteuert, mal Kraft sparen zur Abwechslung. Hinauf zum Col d’Alsace gab es zur Temperatur unterschiedliche Auffassungen, Daniel war es eher zu warm und Moritz zu kalt. Daniel fuhr sein avisiertes 250 W Tempo bis oben durch, Moritz musste sich sammeln und konnte nicht mitgehen. Die Abfahrt war dann recht einsam, aber ließ sich hervorragend fahren – bis unten der Gegenwind kam. Es sammelte sich zum Glück eine Vierergruppe, die sich dann mit drei Leuten an die 8er Gruppe herangearbeitet hat. Auf dem Weg zur Schlussrampe, der Planche des Belles Filles konnte sich Daniel im Windschatten erholen und wie geplant die letzte Verpflegung überspringen. Dann war der Ofen aber aus, die letzten 50 m vor dem Ziel waren dann wirklich der Tod für die Beine. Moritz konnte sich auf der Abfahrt erholen und kam mit den 5 Minuten Rückstand vom vorletzten Anstieg ins Ziel, traf sogar noch Heiko, der im Flachen noch Gas gab, aber dann bei der finalen Verpflegung nochmal kurz pausierte. Stefan fuhr insgesamt ein recht einsames Rennen, er hatte am Anfang sinnvollerweise einen konservativen Pacingansatz. Um Energie zu sparen waren auch die Abfahrten gemütlich, und an den Verpflegungsstationen war ein Stückchen Kuchen drin. Sein allererstes Rennen dieser Dimension lief dennoch gut, natürlich war am Ende der Ofen aus – die Schlussrampe ist einfach bitter. Katie konnte zwei der Anstiege im Mediofondo fahren, den ersten, vorletzten und logischerweise auch den Schlussanstieg, und erwartete im Ziel oben die anderen DGD Fahrer. Als Belohnung und wegen langer Wartezeit gönnte sie sich oben noch eine kostenlose Massage. Das Teilnehmerfeld war ähnlich stark besetzt wie beim Ötztaler, daher gab es keine Top 100 Platzierungen.
Als unverbesserlicher Campagnolo Fan – die 12-fach Gruppe ist seit 2019 am Stevens Comet – war Daniel beim Erscheinen 2023 der 12-fach Wireless Gruppe traurig. Denn die Optik und der fehlende Daumenhebel überzeugten nicht, der Preis war extrem hoch angesiedelt. Ein Jahr später folgte eine „günstige“ Version, die natürlich schwerer war. Da der Absatz beider Varianten wohl selbst für Campa Verhältnisse schwach war, wurde schon 2025 eine neue 13-fach Gruppe vorgestellt. schicker, „günstiger“ und mit Daumenhebel. Nach dem Umbau von Stefans Xenon Disc von mechanischer auf elektronische Schaltung (jeweils Japanware) war Daniel klar, wenn es eine neue Gruppe gibt, muss dafür ein neuer Rahmen her.
Die Eckdaten für den Rahmen nach Priorität absteigend: bessere Aerodynamik, keine Kabel sichtbar, leichter als vorher (< 895 g), gerade Sattelstütze, geschraubtes Tretlager, UDH kompatibel (zukunftssicher und Ersatzteilsicher)
Stevens hat leider nur den schnellen aber zu schweren Arcalis Rahmen im Programm, war also raus. Nach dem Besuch der Eurobike 2025 kam als erster China-Rahmen das sehr gut lackierte Seka Spear infrage, sogar mit einem Händler in Kassel. Inklusive Stütze und Lenker, dafür ohne UDH Kompatibilität war der Kaufpreis 3500 Dollar. Weitere Recherchen ergaben den Incolor Speedster SR Rahmen, etwas schwerer und mit 3200 Euro (Händler in Belgien) etwas günstiger. Damals, ohne wirklichen Europa-Distributoren, war noch der Avenger Shuttle SL Rahmen interessant, es gibt dazu aber überhaupt keine verlässlichen Tests oder Quellen. Lambda-Racing hatte die Rahmen mal im Programm, aber setzen jetzt auf eine andere Rahmenmarke – und verkaufen keine Rahmensets einzeln.
Eine der Hauptquellen für derlei Recherchen ist das Weightweenies Forum. Dort bekam das Evolve Cima ab September 2025 einen eigenen Thread, in dem aber fast jeder über den sinnfreien Spruch auf dem Unterrohr diskutierte. Die Marke ist zwar neu, aber von den Gründern von Elite Wheels und dem bereits von diversen Leuten gekauften Aero-Lenker Kreuza nicht unbekannt. Bis auf den Spruch waren alle Kriterien erfüllt, der Hersteller sicherte per Mail zu, bald eine Variante ohne ebendiesen zu veröffentlichen. Bis dahin wurden noch diverse weitere Lackierungen vorgestellt und es gab ein Hambini Video zum Rahmen. Der Preis war günstiger als die vorher genannten Alternativen mit 2500 USD inkl. Versand und Zoll. Die Farbe wurde letztlich passend zu den vorhandenen Laufrädern gewählt; geschadet hat nicht, dass das damals die leichteste Lackierung war.
Nächster Schritt: Rahmengröße bestimmen – ist nicht so einfach wie man denkt, denn die reinen Geometriecharts beschreiben nicht das eigentliche Bikefitting sondern immer nur die unveränderlichen Rahmenmaße. Es gibt ein sehr empfehlenswertes Tool, mit dem man 2 (leider nur 2) Räder wirklich vergleichen kann. Die Sattelstütze gibt es sogar als -5 mm Offset und der Lenker wurde mit 36 cm oben / 39 cm unten möglichst schmal konfiguriert – es gibt 21 verschiedene Lenkerkonfigurationen, die man unabhängig zur Rahmengröße wählen kann. Dann hieß es ca. 6 Wochen warten, in der Zeit konnte die Gruppe bestellt werden, dank eines 10% Corporate Rabattes bei r2-bike war das preislich noch ok. Bei Übersetzungen gibt es im Vergleich zu Shimano extrem viel Auswahl, letzlich blieb die Kurbel bei 50/34 aber die Kassette bekam ein Upgrade in beide Richtungen (11/32 zu 10/33). Die Kurbellänge wurde nur minimal verkürzt auf 170 mm, den Sprung auf 165 mm traute sich Daniel nicht. Bremsscheibensymmetrie wurde über Bord geworfen und hinten auf 140 mm verkleinert.
Der Zusammenbau lief dank vollständiger Lieferung und sehr guter Anleitung fast ohne Probleme. Lediglich die Italiener beschrieben falsch, wie man das Schaltwerk auf UDH umrüstet (links-Gewinde), das Forum + Youtube hatten die Infos aber. Das Kürzen der im sehr flachen Lenker verlegten Hydraulikleitungen bedurfte einiges an Geschick, schließlich gibt es bei der Vollintegration nicht die Möglichkeit mal +5 cm Leitung irgendwohin zu schieben. Die Carbonqualität des Rahmens war insgesamt perfekt, die Sattelstütze rutschte bis dato nie und es gab weder ein Knacken noch eine schwergängige Lenkung (Grüße nach Koblenz). Das Bikefitting beim Jens ergab, dass es kein Fehlkauf war (des Cockpits), die Hebel wurden zwar ein wenig nach oben rotiert, aber die grundsätzlichen Proportionen passten super. Mit den bekannten Laufrädern und Favero RL Pedalen lag das fahrfertige Gewicht mit 6,5 kg unter dem Bestwert des Cometen (6,8 kg).
Fahreindruck: Der vor allem oben schmalere Lenker mit den deutlich angenehmeren Griffen ist direkt auffällig – man gewöhnt sich daran sehr schnell. Beim Fahren fällt die Agilität auf, der Lenkwiderstand ist sehr gering (SLT Ceramic Lager und fachmännischer Zusammenbau) ohne instabil zu sein. Der Fahrkomfort ist wirklich extrem gut, es gibt keine Schwammigkeit, sondern einfach sanftes Fahren – mit dem richtigen Luftdruck mit 3,7/3,8 bar. Zum ersten Mal elektrisch geschaltet, auch dort muss natürlich alles sauber eingestellt werden. Danach ist besonders beim Schaltwerk extrem zackiges Wechseln der Gänge möglich – dank 3 Knöpfen je Seite auch sehr individuell konfigurierbar. Die Akkuanzeige übers Wahoo lässt auch noch >100 km Fahrt zu bei „niedrig“, dank 2 Euro USB-C-Kabel aber zur Not unterwegs ladbar vom Handy. Wie bei allem neuen, wenn man sich mal dran gewöhnt hat, geht es nicht mehr ohne. Subjektiv ist das Evolve auch einfach schnell, ein fachmännischer Aerotest lieferte konkrete Zahlen dazu. Insgesamt ein brutal gutes Preis-Leistungsverhältnis des Gesamtprojektes – wenn man jetzt noch die neu erschiene Record Gruppe verbaut hätte, sogar noch besser.
Rahmen
Evolve Cima 2025 ML – 758 g
Gabel
Evolve Cima 1 1/8“ – 1 1/4“ – 367 g ungekürzt
Steuersatz
CeramicSpeed SLT Bearing – 40.5 mm ID x 49.5 mm OD x 6.5 mm – 42g
Expander
Evolve Expander + Aheadkappe – 28g
Schaltwerk
Campagnolo Super Record 13 Schaltwerk 2×13-fach inkl. Akku 300 g
Umwerfer
Campagnolo Super Record 13 Umwerfer 2×13-fach inkl. Akku 154 g
Griffe
Campagnolo Super Record 13 Ergopower je 214 g
Bremsen
Campagnolo Super Record 13 Disc Brake Flat Mount inkl. Leitungen, Beläge 137, 145 g
Inspiriert durch ein Video auf dem bekannten Radfahrer-YouTube-Kanal „RTF“ hatten sich mehrere Athleten des DGD-Racing-Teams dazu entschlossen, beim Halbmarathon in Ingelheim anzutreten. Neben Stefan, Moritz und Heiko war überraschenderweise auch Christian am Start. Diesen traf man durch Zufall in der Schlange zum Klo. Weiterhin konnte auch Ellen zu einem Start überredet werden. Daniel fuhr mit dem Rad nach Ingelheim, um die Athleten anzufeuern.
Heiko nutzte im Vorfeld einen längeren Urlaub ohne Rad als mentale Ausrede, um für den Halbmarathon zu trainieren. Zuhause wäre die Motivation dafür im Mai sonst eher gegen Null tendiert. Stefan musste nach einer Verletzung ohnehin mit dem Radfahren langsam machen. Kurioser- und wie sich zeigen sollte korrekterweise wurde ihm aber von seinem Arzt grünes Licht für Lauftraining gegeben. Gepaart mit dem Naturtalent von Moritz waren die Voraussetzungen für den Halbmarathon also gar nicht so schlecht.
Exakte Zeitvorgaben wurden im Vorfeld nicht gemacht, wohl jedoch Überlegungen angestellt, welche Pace man sinnvoll laufen kann. Stefan und Heiko hatten eine Pace von 5 angepeilt, Moritz eine von 4. Christian stapelte tief und hatte sich als Ziel eine Pace unter 6 vorgenommen.
Bei sehr wechselhaft warmem Wetter (20 Grad und 2 Platzregen) gingen Stefan, Ellen und Heiko gemeinsam direkt hinter den Tempomachern für 1 h 45 ins Rennen. Heiko wurde deren Tempo aber nach ca. 5 Kilometern etwas zu langsam, weshalb er diese dann in der ersten langen Bergabpassage überholte und von da an sein eigenes Tempo lief. Da der letzte Laufwettbewerb schon 22 Jahre in der Vergangenheit lag, wurde einfach nach Gefühl ein Tempo angeschlagen, welches sich gut anfühlte, ohne zu sehr auf die Zeit zu schauen. Diese konnte Heiko dann auch bis zum Schluss problemlos durchhalten und kam sehr zufrieden ohne Blessuren nach 01:40:40,8 ins Ziel (Strava-Aktivität). Stefan musste in der zweiten Rennhälfte etwas rausnehmen und überquerte nach 01:46:43,6 die Ziellinie (Strava-Aktivität). Ellen lief zuerst noch länger mit Stefan mit, konnte und wollte dann aber gegen Ende nochmal den Turbo zünden und kam und kam dann fast nochmal an Heiko ran. Mit einer hervorragenden Zeit von 01:41:25,6 konnte sie bei den Frauen den 15. Platz belegen.
Christian ging von etwas weiter hinten ins Rennen und verfehlte seine eigene Pacevorgabe von Beginn an komplett. In der ersten Rennhälfte lief er eine 5er-Pace und konnte dann in der zweiten Rennhälfte sogar nochmal ordentlich zulegen und eine 4:45er-Pace laufen. Am Ende reichte dies für ein super Resultat von 01:43:45,5 (Strava-Aktivität).
Moritz ging von weiter vorne in das Rennen und startete mit einer furiosen Pace von 3:45. Nach 4 Kilometern entschied er sich aber, es etwas langsamer angehen zu lassen und eine Pace um 4 anzuschlagen. Diese konnte Moritz dann bis zum Ende durchhalten und kam mit einer überragenden Zeit von 01:25:37,3 als 14. in der Gesamtwertung ins Ziel.
Bei allen Zeiten ist zu berücksichtigen, dass der Kurs für einen Halbmarathon ungewöhnlich viele Höhenmeter hat. Wenn man der Metrik „Grade Adjusted Pace“ Glauben schenkt, reden wir hier von ca. 3 Minuten Unterschied zu einer topfebenen Strecke wie zum Beipsiel in Weinheim.
Im Gegensatz zu der üblichen Berichterstattung auf diesem Kanal ist dieser Artikel nicht mehr brandaktuell. Die erste Verzögerung liegt jedoch an der Quelle – dem Rennrad Magazin. Jonas´Teilnahme beim 2024er Giro delle Dollomiti wurde ihm ja aufgrund seiner Pressetätigkeit vom Veranstalter gesponsort. Kurz vor der 2025er Ausgabe des Events erschien der Bericht dann in der Printausgabe. Der Zeitpunkt ist immer so gewählt, dass sich möglichst viele kurzentschlossene Leser noch anmelden können. Leider gibt es davon keine online Version, daher muss der Autor des Artikels kontaktiert werden oder natürlich die Ausgabe erworben werden. Bilder sind leider „Stockfotos“ des Veranstalters und zeigen nicht die Hauptprotagonisten des dreiseitigen Artikels.
Sehr lesenswert und in ausführlicher Breite wurde das sich zuspitzende Duell zwischen Daniel und dem freiberuflichen Rennradredakteur Jonas erzählt, hier knapp zusammengefasst im Team eigenen Bericht. Für die sehr gute und korrekte Berichterstattung geht nochmal ein Dank an Jonas raus – die 2024er Ausgabe des Giros wird lange in guter Erinnerung bleiben. Dieses Jahr steht der Giro nicht auf dem Programm.