Rennrad Training in der Schwangerschaft

Das DGD Racing Team hat Ende des Sommers ein Junior-Mitglied bekommen:  Rosalie ist am 16. September während der Corona bedingt verschobenen Tour de France gekommen. Während der Schwangerschaft wollte ich natürlich weiterhin Rennrad fahren und fit bleiben, aber es gab erstaunlich wenig Material online, deswegen wollte ich an dieser Stelle ein bisschen meine Recherchen zusammen tragen und die Technik-Upgrades, die wir in der Zeit durchgeführt haben, um mein Rad an meine Bedürfnisse anzupassen.

Basics

Es gibt tatsächlich erstaunlich wenig aktuelle Forschung zum Thema Sport & Schwangerschaft. Es ist nicht lange her, dass man allen Frauen noch empfohlen hat „sich auszuruhen“ und quasi komplett auf körperliche Aktivität zu verzichten. Bei einer Risikoschwangerschaft kann das natürlich trotzdem stimmen, aber wenn man eine „normale“ Schwangerschaft hat und Ärztin/Hebamme einverstanden sind, kann man durchaus weiter trainieren und hat tatsächlich viele gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind.

Ein gutes Portal mit wissenschaftlich fundierten Informationen bietet die Sporthochschule Köln. Von dieser Seite habe ich mir auch meine Grundpfeiler für mein Training zusammen gesucht:

  • Auf den Körper hören und sich eine Pause gönnen, wenn nötig. Kein „Wettkampf“-style Training, dafür die Belastungen/Strecken fahren, auf die man Lust hat.
  • 7x pro Woche max. 60 Minuten Training.
  • Pulsbereich: 125-145 für Radfahren.

Es gibt natürlich viele Situationen, in denen man gefahrlos auch härter trainieren hätte können, aber dies schien mir eine gute Referenz. Die mich betreuende Hebamme konnte mir zwar zu sportlicher Aktivität raten, konnte mir aber nicht Näheres zu den Radsport bzw. Ausdauersport-Spezifika sagen, weswegen ich meine eigene Recherche betrieben habe.

1. Trimester (Januar-März)

Im ersten Trimester (also die ersten drei Monate) hatte ich noch keine „sichtbare“ körperliche Veränderung, hatte aber mit viel Müdigkeit und Dehnungsschmerzen zu kämpfen. Von der großen Schwangerschaftsübelkeit bin ich weitestgehend verschont geblieben.

Moderates Rollentraining

Vor der Schwangerschaft waren wir mitten im Winter-Rollentraining mit Sufferfest (ca. 15€/Monat) mit Fokus auf kürzere, harte Trainingseinheiten (45min-60min) ergänzt durch längere Grundlageneinheiten. Da die ersten zwölf Wochen als kritische Phase gelten, in der der Körper noch problemlos die Schwangerschaft abbrechen kann, falls irgendetwas mit dem Embryo oder dem Gesundheitszustand der Mutter nicht stimmt, wollte ich kein großes Risiko eingehen, und habe meine Trainingsintensität entsprechend den Basics oben herunter gefahren, obwohl ich mich noch genauso leistungsstark wie vorher gefühlt habe.

 

Yoga

Als super angenehm habe ich unser fast tägliches Yoga Training empfunden. Moritz und ich sind große Fans von Yoga with Adriene und haben während des Lockdowns die verschiedenen „30 days of Yoga“-Serien aneinander gereiht (gratis). Insbesondere die Hüftbeuger-Übungen haben für meine akuten Schmerzen sehr geholfen. Im ersten Trimester ohne Bauch gab es auch noch keine Einschränkungen.

2. Trimester (April-Juni)

Während des zweiten Trimesters war bei mir weiterhin nicht viel von einem Baby-Bauch zu erkennen. Mitte/Ende Juni, also so um die 25. Woche hatte mein Bauch ungefähr die Größe wie nach einem ordentlichen Buffet-Abend nach einem Trainingslager Tag auf Mallorca. Meine Gewichtszunahme hielt sich auch noch sehr stark in Grenzen (ca.+3.5kg).

Rennrad Training

Nach Beendigung unseres Lockdowns konnten wir ab Mai nun endlich wieder draußen fahren. Allerdings war die 1h-Bedingung etwas fies, da dies die Streckenwahl im Ballungsgebiet doch schon stark einschränkt. Ich habe je nach Gefühl dann gewisse Touren auch einmal bis auf zwei Stunden verlängert, wenn die Woche sehr ruhig war, aber dann akribischer auf die Puls-Richtlinien geachtet.

Generell konnte ich schon feststellen, dass meine Leistungsfähigkeit deutlich abgesunken war und mein Puls bei gewohnten Streckenabschnitten deutlich weiter nach oben schiessen wollte. (Größenordnung -25% Strava-Watt).   

Technik Tuning

Obwohl mein Bauch noch nicht sehr groß war, habe ich doch schon bemerkt, das meine Position auf dem Rad etwas unkomfortabler geworden war: Mein Bauch hat etwas an meinen Oberschenkel geschabt. Um mir etwas Luft zu verschaffen, haben wir als erste Maßnahme erst einmal meinen Vorbau (Canyon V13 6° 80mm) umgedreht um schon einmal die Neigung von 8° nach unten in eine Neigung von 8° nach oben zu tauschen. 

Yoga Training

Ab dem zweiten Trimester wird empfohlen auf folgende Positionen zu verzichten: 

  • Bauchlage und Rückenlagen;
  • Übungen, bei denen der Bauch komprimiert wird;
  • Bauchmuskelübungen (zB Crunches – Stabilisationsübungen wie Planks habe ich weiterhin gemacht)

Wir haben weiter gemeinsam die Yoga with Adriene-Videos gemacht und ich habe einfach die entsprechenden Übungen durch weitere Cat/Cows oder Hüftbeuger-Übungen ersetzt. 

3. Trimester (Juli-September)

Spätestens im 3. Trimester haben es viele auch mit den Vorwehen (eine Art Muskeltraining des Körpers für die Geburt) zu tun. Bei mir äußerte sich das in den letzten drei Monaten hauptsächlich durch kurzzeitiges, normal schmerzfreies Hartwerden des Bauchs. Normalerweise hat dies keine Auswirkungen auf die Schwangerschaft, kann aber durchaus den Muttermund schon weiten und zu einer verfrühten Geburt führen. Aus diesem Grund war ich zumindest immer sehr vorsichtig, wenn dies beim Sport passiert ist.

Technik Tuning

Um meinem größer werdenden Bauch gerecht zu werden, musste ein neuer Vorbau her. Die Idee war einen ultra-aggressiven Vorbau (17° Neigung) wieder „falsch herum“ zu montieren um maximal viel Winkel nach Oben zu erzeugen um mir eine möglichst aufrechte Sitzposition zu ermöglichen.

Meine doch sehr eng sitzenden Trikots waren endgültig zu eng und so war ich auf Leihgaben aus dem Team angewiesen (danke nochmal!). Moritz‘ Unterhemden habe ich mir auch gerne geliehen, da sie deutlich länger waren als meine.  

Umstieg auf die Rolle

Im Juli fand auch dieses Jahr das traditionelle Trainingslager Südtirol statt, allerdings für mich ohne Passhighlights (zumindest nicht mit dem Fahrrad). Ich bin in diesem Sommer nur im Tal gefahren – Im Etschtal auch sehr schön! 

(Bild: Etschtalradweg – man sieht: mein Bauch lässt sich trotz 8. Monats noch sehr gut im großen Trikot verstecken)

Nach dem Trainingslager war aber selbst die neue Vorbau-Variante nicht mehr genug. Wieder zuhause angekommen, haben wir mein Fahrrad direkt wieder auf die Rolle gestellt, sodass ich immer noch ein bisschen rollen konnte ohne zwangsläufig die ganze Zeit an den Lenker greifen zu müssen. Hier haben sich zusammengerollte Handtücher als weitere Lenker-Erhöhung gut gemacht.

Da Rosalie es ja sehr eilig hatte, bin ich noch zwei Tage vor ihrer Geburt eine kleine Session gefahren.

Yoga

Yoga haben wir weiterhin bis zur Geburt fast täglich gemacht und ich habe mich immer sehr erfrischt und locker gefühlt nach unseren Einheiten.

Zu Fuß

In den letzten Wochen hat man auch nicht mehr unendlich Lust auf Sporteinheiten, da ja doch immer irgendetwas ziept. Bei mir war es insbesondere Sodbrennen, was ich vermehrt auch auf der Rolle hatte. Als weitere Empfehlung gilt weiterhin einfach viele entspannte Spaziergänge zu machen.

Nach der Geburt

Generell ist nach der Geburt erst einmal piano angesagt, was Sport angeht. In Frankreich gilt die Richtlinie sechs Wochen lang keinen Sport zu machen außer Spazieren gehen. Danach muss man erst einmal mit Beckenbodenübungen anfangen (wenn nicht schon vorher getan!) bevor die Muskulatur wieder bereit ist für anderen Sport.

Generell soll man aufpassen mit Bauchmuskelübungen (für die Hartgesottenen mal „Diastasis recti“ Google Bilder suchen) und Sport vermeiden, wo man viel „hin und her hüpft“ wie bspw. Laufen gehen, da zwar die Gebärmutter relativ schnell wieder auf Ursprungsgröße zurück schrumpft, die Bänder anscheinend noch recht viel länger brauchen um sich wieder auf Normalgröße zu verkürzen.

Ich habe relativ bald wieder mit Yoga angefangen (minus Bauchmuskel-Übungen) und nach sechs Wochen habe ich den Sufferfest 6 Wochen „Transition“ Trainingsplan angefangen, der mit recht kurzen Rad Sessions, aber auch mit einigen Krafteinheiten wieder gut für Stabilität sorgt.

(Meine Fitnesstest Resultate vom „Half Monty Test“/ Sufferland am Anfang des Transitionplans)

Die ersten Rad-Einheiten waren sehr holprig und insbesondere eine gute Sitzposition zu halten war sehr schwierig, aber das hat sich relativ schnell verbessert.

(Full Frontal Fitness Test Resultat nach Transition Trainingsplan: MAP +14, FTP +21) 

Jetzt, über 3 Monate nach Rosalies Geburt, bin ich wieder in mein normales Wintertraining eingestiegen was die Intensität betrifft. Lange Grundlagen-Sessions fallen allerdings flach, da das Baby weiterhin alle 2-3h gestillt werden möchte. Aus diesem Grund fahre ich aktuell einen Intermediate Trainingsplan (ca. 6h/ Woche) von der Sufferfest App.

 

 

 

Gravelbike Upgrades

Nachdem aktuell das Pendeln ins Office in Vergessenheit gerät dank 100% Homeoffice, kann das Stevens Prestige mehr in Richtung Offroad und weniger als Winterrennrad genutzt werden. Das Zeitfahrrad dient als Rollenrad, sodass auch im Winter ein Rennrad zur Verfügung steht. Da das Bessere des Guten Feindes ist und man natürlich immer etwas zum Schrauben sucht, stand fest dass man den Fahrkomfort durch eine Carbongabel (statt Alu) verbessern könnte. Recherche ergab einen fast nicht existenten Markt mit Gabeln die auch passen, als dann genau das Modell als B-Ware im Sale war wurde nicht lange gezögert. Einbau mit Kürzen, Bremse entlüften (in der Gabel verlegt im Gegensatz zum Original) und neuem Expander (statt Gabelkrall) wurde vom Teampartner Bertl (bike-innovations) erledigt. Durch den etwas längeren Radstand hat sich die Geometrie zudem verbessert, aber die Hauptsache ist der gestiegene Komfort – es nicht natürlich keine Federung aber auch kein Kruppstahl mehr. Als nettes Schmarkerl wurde 400g Gewicht eingespart (498g ungekürzt die neue Gabel), soviel hätte keiner der Beteiligten erwartet. Die vorhandenen Schutzbleche müssen noch umgerüstet werden, denn das Loch mittig unten existiert nicht, aber eine Schraube an der Gabelrückseite bietet die Möglichkeit der Schutzblechmontage weiterhin.
Nach der überstandenen Versuchung auf die neue Campagnolo Ekar Gruppe umzurüsten (geil, aber zu hochwertig für das Rad) reifte jedoch der Entschluss auf 1-fach zu gehen. Die extremen Gänge sind zwar gut (31/32 und 48/11) aber schneller als 40-50km/h fährt man mit den Stollenreifen nicht und sehr oft hängt man bei mittleren Geschwindigkeiten zwischen den Blättern. Es wurde also eine 1-fach Kurbel mit 42 Zähnen, ein neues Schaltwerk (ist nicht nur der Käfig länger) und ein XT Ritzel mit 11/40 geordert und montiert. Zwar ist jetzt der niedrigste Gang etwas zäher, aber das Fahrerlebnis ist einfach deutlich entspannter, man hat auch wegen der nicht so vielen Abstufungen schlicht deutlich weniger zu schalten. Die Auflistung hier ist für alle Leichtbaufreaks interessent, denn durch das Ritzel spart man insgesamt überraschend wenig Gewicht, fahrfertig also inkl. Halter und Pedale wiegt das Rad jetzt ca. 9,3kg – nicht schlecht für Alu 🙂

KurbelFC-RX-810 1-fach 42Z 170mm653g
FC-RX-810 2-fach 48/31Z 170mm723g
KassetteCS-M8000 11-40Z411g
CS-R8000 11-32Z281g
SchaltwerkRD-RX812 medium cage274g
RD-RX810250g
UmwerferFD-RX810120g
Schelle für Montage Anlöt SM-AD1531g
Schaltzug20
1fach Ersparnis87g

Cube Aerium Zeitfahrrad

Getreu dem Vorbild von GCN hatte sich Daniel im Sommer überlegt, sich mal wieder ein neues Rad zu organisieren – aber eben günstig und gebraucht. Nach bisherigen Testfahrten mit geliehenen Zeitfahrrädern war der grundsätzliche Spaßfaktor auf jeden Fall schon da. Nachdem zigfachen hin-und-her mit einem Münchner Verkäufer eines BMC Rahmens mit Ultegra Gruppe, gab es in Okriftel eine Kleinanzeige mit dem jetzt gekauften Rad. Für sehr faire 800€ konnte ein 2012er Cube Aerium der Größe M erworben und vor Ort ausgiebig probegefahren werden – vielen Dank an den sehr freundlichen Vorbesitzer. Steffen konnte noch ein paar passende SRam Red Carbon Bremsgriffe beisteuern, Moritz hatte noch einen fast neuwertigen Sattel anzubieten. Schnellspanner wurden aus Gewichtsgründen erneuert und die Flaschenhalter mussten natürlich sein. Nach einem kurzen Besuch bei der Fahrradbiometrie war auch klar – der TT Aufsatz muss mangels Verstellmöglichkeiten weg. Der vorhandene Lenker+Aufsatz+Vorbau konnte für 40€ weiterverkauft werden – da die Lenker/Vorbaubreite von 26mm recht exotisch war wurde auf zeitgemäße 31.8mm umgerüstet, mit neuem Profile Design Aufsatz für 50€ aus ebay. Das Ritzel war im Original 12/28 was umgehend auf 11/25 gewechselt wurde, denn wirkliche Berge sollen damit nicht gefahren werden. Nachdem auf dem Gebrauchtmarkt keinen sinnvollen Carbon Clincher Laufräder zu finden waren, wurde bei AliExpress der günstigste Satz für 240€ mit 60mm Höhe bestellt. Nach 6 Wochen Lieferzeit war die Ware endlich da, schön breit nur das Felgenwand war keineswegs in Tubeless Qualität verlegt, aber egal es sollten Schläuche drauf. Damit der sehr gute Aluradsatz weiterhin benutzbar ist, kamen noch fast neue Grand Prix TT (45€ das Paar) dazu. Die Räder sind steif, schwer (877+1016g) und von der Höhe genau richtig – das super fahrstabile Rad ist damit noch ziemlich Seitenwindtolerant.
Fahren im Flachen macht damit einfach richtig Laune, gerade bei gutem Wind fährt man gerne mal 45-50km/h im Aufsatz und die SRam-Red Trigger lassen keinerlei Elektronik vermissen. Mit den mitgelieferten Bremsbelägen kann man im Trockenen auch sehr vertretbar bremsen, ein Test mit Anstiegen < 20km/h machte aber klar – Aero ist eben nicht alles und nur wenn man auch im Aufsatz fahren kann ist man damit auch schnell. Zeitfahren beim Riderman 2021 kann also kommen.

RahmenCube Aerium HPC Teamline (M) 2012
LaufräderCarbon Clincher 60mm Chinabomber
ReifenContinental Grandprix TT 23c
SchnellspannerBBB WheelFixed
SchaltwerkSRam Red 10-fach
UmwerferSRam Red Double
BremsenSRam Red
KurbelFSA Neo carbon, Rotor 53/38 Kettenblätter
KassetteSRam 11/25 10-fach
PedaleShimano SPD A600
SattelSelle Italia SLR TT Titanium
FlaschenhalterElite Kit Time Trial / Crono CX
AufsatzProfile Design Sonic Ergo 50a
LenkerVision TriMax Alloy UCI 31,8mm / 40cm
VorbauProcraft PRC ST 2 90mm (6 Grad)

Saisonabschluss Schwarzwald

Da leider auch der Riderman dieses Jahr nicht stattfinden konnte, wurde schon früh überlegt den eingereichten Urlaubstag am Freitag zu einem langen Radsportwochenende im Schwarzwald zu nutzen – natürlich nur wenn das Wetter mitspielte. Heiko fand in Örtchen Lauf (zwischen Achern und Bühl) ein super Zimmer für 3-4 Personen, stornierbar bis zum Anreiseabend. Weil Sven seinen Japanauffenthalt noch nicht antreten konnte und Christian am Wochenende Zeit hatte, konnte die kostengünstigste Belegung des Autos und der Unterkunft erreicht werden.
Am Freitag wurde der längste Anstieg des Nordschwarzwaldes gewählt, welcher schon eine gute Vorschau auf die lokalen Berge bot – immer wieder steile Abschnitte mit 10-12%. Christians Plan seinen niedrigsten Gang (36/28) für die nächste Saison zu ändern wurde dadurch bekräftigt. Trotz des Wochentages war oben am Mummelsee und auf dem Gipfel viel Tourismus – die Schwarzwälder Kirschtorte schmeckte dennoch hervorragend. Auf dem Rückweg wurde vom Tourenplaner mit Hilfe von Komoot noch ein steiler Abstecher über hervorrangende Feldwege auf den Sohlberg hinzugefügt. Eckdaten: 70km, 1660Hm
Die Königsetappe basiert auf der längsten in Komoot befindlichen Route im Nordschwarzwald, mit sehr vielen versteckten kleinen Sträßchen, die man nie und immer selbst geplant hätte – Chapeaux. Vormittags ging es wirklich nur steil hoch und wieder hinunter, bis auf den zweiten Berg war der Verkehr recht harmlos, die meisten Motorradfahrer besitzen zum Glück ein gewisses Resthirn. Die Mittagspause wurde auf dem vierten Berg kurz nach Peterstal bereits 11:30 Uhr eingenommen, nach dem Motto was man hat, hat man. Aus einer Hütte verkaufte eine alte Dame Würstchen mit Kartoffelsalat und zu jedem Getränk gab es ein Duplo. Beim nächsten Anstieg hab es ein Schild mit 9,5km zum Parkplatz, wieder auf einem Feldweg und es gab nicht einmal 500Hm zu überwinden. Zu Christians Freude wurden diese aber schon nach 6km absolviert, wo man bei einem sehr langsam (1l/5min ) laufenden Brunnen die Flaschen füllen konnte (beim MIttag gab es keine fließend Wasser). Die Abfahrt nach Oberwolfach war erstmalig belagtechnisch nicht ganz auf der Höhe des perfekten Wetters (3 Tage Sonne und 20 Grad). Am Ortsausgang beschloss das Quartett dem mathematischen Institut des gleichnamigen Ortes einen Erstbesuch abzustatten, damit hatten alle ein obligatorisches Foto vor der Skultur. Der nächste Anstieg in Richtung Freudenstadt bot Rückenwind und ging flach los, Daniel hatte nach dem kurzen Sprint zum Fotopoint frische Beine, während sich Heiko nicht mehr frisch fühlte und Christian um Anschluss kämpfte. In Zwieselberg gab es dann Kuchen, der aber weder in der Qualität noch in der Größe mit dem Vortag mithalten konnte. Um etwas flotter vorwärts zu kommen, wurde durch und nach Baiersbronn die Bundesstraße gewählt anstelle des Radwegs. Kurz vor Mitteltal rächte sich das, denn die Route führte wieder über einen Feldweg zur Schwarzwaldhochstraße – es hieß Abkürzen über diverse Dorframpen. Es folgten zwei flache Wellen auf der Hochstraße, die die letzten Körner mobilisierten. Eckdaten: 165km 3700Hm


Am Sonntag beschloss Christian ein wenig flach zu rollen und erst im Biergarten zu dem Trio zu kommen. Grundlage der Tour ist der Anstieg von Bühl nach Sand, der sehr gleichmäßig aber ohne landschaftliche Highlights verläuft. Als Heiko unten bereits etwas von „eigenem Tempo“ erzählte, beschloss Daniel die Pace zu verschärfen, trotz müder Beine wurde ein guter Rhythmus gefunden, sodass die Steigleistung von 1400Hm/h auf dem 500Hm Segment beachtlich war. Beide Möllers folgten 5 Minuten später und es ging direkt weiter leicht bergab. Um ein paar zusätzliche Höhenmeter zu fahren, gab es einen Abstecher zu einem Parkplatz in Biberach ohne besondere Aussicht – die Dorframpe zur Kirche war jedoch den Umweg in die Sackgasse wert. Die Abfahrt nach Sasbachwalden war im Gegensatz zum Samstag frei und so konnten sich die vier pünktlich 12:30 am Biergarten treffen. Eckdaten: 65km 1550Hm
Résumé: neben der zum Teil unumgänglichen Schwarzwaldhochstraße bietet der nördliche Schwarzwald erstaunlich viele rennradtaugliche Strecken fast ohne Verkehr – lohnt sich also 🙂

Trainingslager Südtirol 2020 – Bergtouren Special

Wie in diversen Artikeln bereits angeteasert, wurden durch Sebastian in diesem Jahr auch diverse Bergtouren durchgeführt. Insgesamt gab es vier Wanderungen, da die erste mangels ausreichender Planung keinen richtigen Gipfel enthielt, soll sich hier auf drei Touren beschränkt werden.

Naturnser Hochwart bei Nacht

Die epischste Tour sollte direkt die „Erste“ sein. Nachdem der ersten Wanderung die Highlight-Momente fehlten, sollte direkt überkompensiert werden und es wurde eine Wanderung von Lana (300 üNN) auf die Naturnser Hochwart (2600 üNN) geplant. Die minimalen Höhenmeter suggerieren schon, dass es sich hier um eine lange Tour handeln muss. Um also zu humaner Zeit wieder zurück zu sein, wurde ein Start um 2 Uhr nachts durchgeführt, wodurch nach optimistischer Rechnung des Protagonisten der Gipfel zu Sonnenaufgang erreicht sein würde. Spoiler: Das hat natürlich nicht hingehauen, aber zumindest war die Baumgrenze überschritten, als es langsam hell wurde, was den selben Effekt erfüllte.

Nach einem guten Kilometer im Ort schraubt sich der Weg zunächst konsequent 800hm nach oben, wobei nur knapp 5 km Strecke zurückgelegt werden. Es folgt ein Flachstück über ca. 3km, auf dem man im leichten Trab etwas für den Schnitt tuen kann (oder sich auf feuchtem Gras im Downhillgerenne etwas den Fuß verdrehen kann :P). Es wird hier auch ein Bach passiert, an dem man sich seine Wasservorräte auffüllen sollte, denn danach wird es dazu überraschenderweise keine Möglichkeit mehr geben.

Ab Kilometer 9 steigt der Weg wieder stramm und es werden weitere 700hm zurückgelegt. An einer Stelle verlässt man den Wald, um parallel zu einer Weide weiter aufzusteigen. Wenn man dann unvermittelt einen Bullen auf der Weide anleuchtet (Erinnerung: es ist gerade ca. halb 5 nachts) und leuchtende Augen unter gewaltigen Hörnern als Feedback bekommt, ist ein kurzer Schreckmoment inklusive.

Kurz darauf verlässt man also den Wald und findet sich auf einem flachen Höhenweg über eine Weide wieder. Allmählich wird es hell und die Atmosphäre ist bombastisch. Vom Höhenprofil würde man denken, dass diese Passage ebenfalls genutzt werden kann, um etwas für den Schnitt zu tun, aber der Untergrund ist nicht ideal und wer diese Atmosphäre ignoriert um sich auf seine Rennerei zu konzentrieren hat den Schlag sowieso nicht gehört.

Nach wenigen Kilometern geht es eine weitere Stufe nach oben, das Terrain ist mittlerweile eindeutig ein alpines und man muss sich deutlich mehr auf die Schrittführung konzentrieren. Danach umrundet man das Naturnser Hochjoch parallel zur Höhenlinie, aber auch hier ist nichts für den Schnitt zu gewinnen. Es ist auch anzumerken, dass hier nun alles sehr exponiert für den Wind ist und man spätestens beim Abstieg auf jeden Fall wärmere Kleidung braucht.

Es folgt eine bergab Passage auf grobem Geröll, hier ist man definitiv nicht schneller als im Aufsteig. Zum Schluss folgt ein Endspurt über knapp 300hm auf sehr steilem und alpinen Gelände, die Anstrengungen sind jetzt real. Belohnt wird man mit einem tollen Ausblick in immer noch (aufgrund der Uhrzeit, die gerade halb 7 anzeigt) majestätischer Atmopshäre. Es ist allerdings auch sehr kalt und windig, sodass man nicht unbedingt zu lange verweilen will, selbst wenn man noch ein trockenes T-Shirt, Pulli und Halstuch dabei hat. Sogesehen ist es auch kein guter Plan, deutlich früher in die Tour zu starten, um am Gipfel auf den Sonnenaufgang zu warten, sofern man nicht bereit ist, sehr viel Equipment zu Erwärmungszwecken mitzuschleppen.

Der Abstieg war dann wie der Aufstieg. Bei der Rückumrundung des Jochs wurde noch halt an einer Kuhtränke (?) gemacht, um die Füße etwas zu kühlen.

Zeitweise kann man es im Absteig auch mal laufen lassen, allerdings ist die Ermüdung (gerade auch in Knien und Hüfte) irgendwann sehr stark zu spüren, sodass insbesondere die letzten steilen Höhenmeter Abstieg durch die Apfelplantagen sowie die letzten Kilometer durch den Ort sehr zäh und definitiv nicht mehr schnittbringend waren.

Fazit: 9h, 40km, 2640hm. Strava

Karerpass nach Rotwand mit Klettersteig

Die erste Bergtour nach dem Quartierwechsel nach Eppan sollte auf die Rotwand in der Rosengartengruppe  gehen. Startpunkt war der auf 1750m gelegene Karerpass, der nach einer Dreiviertelstunde mit dem Auto zu erreichen ist.

Da bei dieser Tour eine Fahrgemeinschaft mit Heidrun und Katie gebildet wurde, die eine kleine Wanderung auf Passhöhe machen wollten, war ein hohes Tempo anzustreben.

Diesmal war die Tourenplanung sogar ganz professionell und wurde mit Christoph, dem Herrn des Hauses im Hotel, durchgesprochen. Es sollte zunächst vom Karerpass über einen steilen Wanderweg zur Paolina-Hütte aufgestiegen werden, welche sich auf gut 2100m befindet. Diese erste Passage kann auch per Lift zurückgelegt werden, allerdings muss der Lift (inkl. Ticketkauf und Warterei) die Zeit von 28min erstmal schlagen 😉 

Von der Paolina-Hütte führt ein Wanderweg auf 2600m, zu Beginn gibt es eine Traversierpassage, in der man etwas für den Schnitt tun kann, danach folgt ein steiler Wanderweg auf gerölligem Untergrund, der konsequent Höhenmeter macht, aber alles in allem flott passiert werden kann. Allerdings war der Weg voll wie eine Autobahn im Berufsverkehr, sodass das maximale Tempo durch zahlreiche Überholvorgänge nicht ausgeschöpft werden konnte. Trotzdem konnte sich der CR für dieses Segment auf Strava in 38min gesichert werden.

Die letzten 200m wurden durch einen Klettersteig zum Gipfel zurückgelegt. Dieser ist in der Literatur mit Schwierigkeiten A/B angegeben und folgt dem Grat des Berges. Es gilt letztendlich die Eigenverantwortung in den Bergen, jedoch konnte der Autor dieses Artikels für sich entscheiden, dass eine Passierung ohne Ausrüstung kein Problem ist. Es ist noch anzumerken, dass der Steig, obwohl es ein Gratsteig ist, nicht sonderlich ausgesetzt ist.

Nun war der höchste Punkt also nach 1,5h Aufstieg erreicht. Am Gipfel hat man eine tolle Aussicht auf die Rosengartengruppe, außerdem gibt es ein Gipfelkreuz mit Gipfelbuch, es wurde aber verpeilt sich in jenes einzutragen. Trotz größerer Höhe war es in Sachen Temperatur und Wind hier deutlich angenehmer als auf der Hochwart, trotzdem wurde for good measure ein Pulli übergezogen.


Der Abstieg wurde über die andere Seite vorgenommen. Es wurde schnell wieder ein Klettersteig erreicht, der auch runter gut zu gehen war und in einer Scharte mündete. Hier darf man sich nicht verwirren lassen, wenn man von oben kommend plötzlich den Masaré Klettersteig im Auge hat. Diesen würde der Autor definitiv nicht ohne Ausrüstung passieren wollen, die Einsteigstelle ist auch mit Schwierigkeit C ausgezeichnet.

Der Steig mündet dann also in einer Scharte, die ziemlich ätzend abzusteigen ist und schlecht markiert ist. Es bietet sich an, sich rechts am Berg zu halten, um nicht den Abzweig zu verpassen und (wie der Autor) etwas zu tief in der Scharte abzusteigen.

Der Rest ist dann leicht, es geht über gut ausgebaute Wanderwege leicht abfallend zurück Richtung Karerpass. Zwischendurch kam ein Hüngerchen auf, welches durch einen selbstgebackenen Riegel behoben wurde. Der Kauvorgang wurde im Laufen erledigt, was offenbar ziemlich doof aussah und den entgegenkommenden Verkehr irritiert hat.

20min vor Ende wurde von der Talfraktion ein Pizzabestellvorgang angeboten, der natürlich direkt angenommen wurde. So wurde also der Pass nach gut 3h inkl. Pausen wieder erreicht und 2min später wurde auch schon die Pizza serviert 🙂

Fazit: 3:20h, 13km, 1100hm. Strava.

Kaltern auf den Roen mit Klettersteig 

Als finale Tour sollte es von Kaltern auf den Roen gehen. Der Roen ist der höchste Punkt des Mendelkamms mit 2100m. Es wurde wieder eine Fahrgemeinschaft mit Heidrun gebildet, die eine Wanderung ausgehend vom Kalterer See unternehmen wollte. Um also die Tour nicht zu lange ausufern zu lassen wurde als Startpunkt der Klettergarten in Kaltern gewählt, der gegenüber dem See ein paar Kilometer und Höhenmeter spart, und gute Parkmöglichkeiten bietet.

Vom Parkplatz führt ein Wanderweg über 5km konsequent gut 1000hm nach oben. Der Weg liegt meist im Wald, hat guten Untergrund und ist durch Serpentinen abwechslungsreich gestaltetet. Bestes Terrain um hemmungslos hochzukloppen. Auf 1200m gibt es eine Hütte der Bergwacht, wo man die Flaschen auffüllen kann. Beim Anstieg wurde dies ignoriert, da die Flaschen noch fast voll waren, es sollte aber (wie bei den anderen Touren auch) die letzte Möglichkeit bleiben (abgesehen von den Hütten am Höhenweg, in die man aber einkehren müsste).

Nun befindet man sich also auf einem Höhenweg. Hier ist auch deutlich mehr Betrieb als auf dem Aufstiegsweg (wo sonst niemand war), die meisten sollten wohl vom Mendelpass aus kommen. Der Weg ist gut ausgebaut und breit, hier würde man vermutlich selbst mit dem Auto gute Karten haben, es kann also definitiv was für den Schnitt getan werden.

Nach 7,5km passiert man eine große Hütte, links geht es Richtung Überetscher Hütte, an der sich der Einsteig zum Roen Klettersteig befindet. Rechts geht es den Normalweg lang, gerade aus befindet sich ein enger steiler Pfad, den man auf dem Rückweg nehmen wird und fälschlicherweise für den Normalweg gehalten hat. Naja, Strecke wird es auf jeden Fall gespart haben.

Der Roen Klettersteig ist wieder mit A/B angegeben. Es gibt steilere Kletterpassagen und Traversen. Im Hotel wurde sich wieder über die Passierbarkeit ohne Ausrüstung informiert, Steinschlag ist hier ein Thema, allerdings entschied der Autor aufgrund der erwarteten niedrigen Frequentierung, dass dies am heutigen Tage vertretbar sei. Überraschenderweise traf man dann doch zwei weitere Gruppen im Steig, allerdings wurde darauf geachtet, nicht gemeinsam mit jenen sich im Hang zu befinden und ansonsten wurde schnell das Überholmanöver angepeilt, wobei sich die anderen Gruppen auch sehr kooperativ zeigten.

Alles in allem kann man sagen, dass dieser Steig nochmal deutlich mehr Spaß gemacht hat als der an der Rotwand. Allerdings sollte man sich hier schon sicher sein, dass man weiß, was man tut. Insbesondere auch bei Nässe ist der Steig ohne Absicherung definitiv nicht zu empfehlen!

Nach dem Klettersteig waren es nur noch wenige Meter bis zum Gipfel. Genauer gesagt gibt es hier eher zwei Gipfel: Einmal eine Zunge markiert mit einer orange-roten Metalmarkierung, die mit einem SVD Aufkleber noch verschönert wurde, ein paar Meter weiter gab es eine zweite Zunge auf einer Kuhweide, auf der sich auch das Gipfelkreuz befand. Der Weg durch die Kühe war eher beschwerlich, aber im dritten Anlauf konnte ein passierbarer Pfad gefunden werden. Diesmal hat der Autor auch daran gedacht, im Gipfelbuch etwas DGD Werbung zu hinterlassen.

Der Aufstieg hat insgesamt ca. 2,5h gedauert. Um Heidrun nicht zu lange warten zu lassen, wurde ein deutlich zügigerer Abstieg angepeilt, was dem Weg auch zuzutrauen war.

Der erste Abschnitt über den vermeintlichen Normalweg war eher langsam, da er eher einem Jungle glich, aber richtig Hütte konnte schon etwas Fahrt aufgenommen werden. In der Traverse auf dem Höhenweg war dann auch ein guter Trab möglich.

Der Absteig der verbleibenden gut 1000hm konnte dann, die 4h Effektivzeitmarke stets im Auge, konsequent runtergebolzt werden, was zwar anstrengend war, aber auch mächtig Laune gemacht hat. Auf 1200m wurde nochmal kurz angehalten, um Heidrun zu aktivieren und von der einzigen Wasserstelle zu profitieren.

Alles in allem kann man sagen, dass diese Tour von der Intensität wohl die anspruchsvollste war, obwohl gut eine halbe Stunde länger als die Rotwandtour, da der Weg einfach dazu eingeladen hat immer auf dem Gas zu bleiben.

Fazit: 4h, 20,5km und 1650hm, Stava.