Das Wetter regnete planmäßig zwar nur nachts, aber die Straßen waren um 8 noch recht nass und der 1. April war endlich vorbei. Daher wurde schon am Vorabend die Reihenfolge der Routen getauscht, es ging erst um 10 Uhr los in Richtung Randa. Mal wieder konnte Rückenwind genossen werden. Bei einer Unterführung versuchte Sebastian seine Sprinterbeine zu zeigen, für sein Linkes Klickpedal mit zuviel Power, ein Sturz konnte zum Glück verhindert werden. Es gab aber kurz nach dem Espressostopp eine Zwangspause aufgrund eines Plattens. Dieser wurde in der Sonne fachmännisch von Heiko repariert, mit gutem Equipment ging das auch recht zügig. Erstmalig sollte der offizielle Anstieg (wobei das offizielle Strava Segment zu früh anfängt und auch erst fast in der Klostermauer endet) zum Puig de Randa gefahren werden. Diverse Strategien wer wie schnell und warum fahren würde, wurden am Vorabend bereits besprochen. Sebastian änderte seine Meinung dann sogar kurz vorher, er würde mittelschnell fahren wollen. Daniel konnte (auch dank schlechtem Wind) geradeso Moritz‘ Hinterrad halten, Heiko folgte kurz danach. Stefan war auch zügig unterwegs und Conny hatte sogar trotz 15 Minuten Segment einen neuen 20 Minuten Bestwert erzielen können – es gab Lob! Florian schonte sich ein wenig und Sebastian hatte sich auch angestrengt. Das Mittagessen war im sehr schönen und hoch gelegenen Ortskern von Montuiri, mit diversen Tapas ohne Hektik serviert ging es dann weiter zur Erstbefahrung des Hausbergs von Petra. Heiko machte im Flachstück einen 2:20 Leadout, bei dem Moritz, Daniel und Stefan folgten. Zur Überraschung von Moritz attackierte Stefan im ersten steilen Teil, um dann wenig später merklich rauszunehmen. Daniels Beine hatten dabei zu viel Laktat drin und kurz danach musste die Vereinzelung der Fahrer komplettiert werden. Zurück zum Hotel ging es dann gemütlich mit unterschiedlichen Konstellationen an der Feldspitze – trotz der 40 % Standzeit wurde die Sauna entspannt erreicht. Matthias musste sich leider weiterhin auskurieren, Detlef fuhr fast die gleiche Runde aber viel schneller und Heidrun rollte nach Betlem.
Beim abendlichen Studium der Wind- und Wetterkarten auf Heikos Handy fiel auf, dass sich die mittelfristige Prognose stündlich verschlechterte. Grund ist der anhaltende Mistral, der nach einem kurzen (Aber entschiedenen) Rückzug am heutigen Mittwoch ab Donnerstag Regenwolken vom französischen Festland auf die Balearen bläst und den Rest des Trainingslagers vermutlich ins Wasser fallen lässt. Damit war die Idee geboren, heute spontan die Strecke des bekannten Radmarathons Mallorca 312 unter die Räder zu nehmen. Natürlich auf der langen, namensgebenden Strecke von 312km.
Zum Start um Punkt 6 Uhr fanden sich neben den sieben Fahrern, die aus den Artikeln der vergangenen Tage bekannt sind, auch Heidrun und Detlef mit ihren gemieteten Aerorädern ein. Für beide sollte es jeweils die bisher längste Radstrecke in ihrem Leben werden. Mit Hinblick auf allem, was bevorstand, wurde der Coll de Femenia bei mistralem Rückenwind von 110km (im Schnitt pro Stunde, Anmerkung Stefan) im Gruppeto gefahren, mit Ausnahme einer Attacke des Bergflohs im letzten Flachstück, die ihm die verdienten ersten Bergpunkte des Tages einbrachte. Unerwartet innerlich Aufwärmen konnte man sich an der Pop-Up-Espressobar direkt am Passschild:
Nach dem ersten, planmäßigen Frühstücksstopp an der Tankstelle dann Worst-Case-Szenario an Moritz‘ Rad: platter Hinterreifen (ja, es erwischt eben immer den Hinterreifen, wie ein jeder weiß) und die Dichtmilch tat nicht, wozu sie da ist. Wobei sich bei genauer, fachmännischer Begutachtung durch Stefan herausstellte, dass im Reifen überhaupt keine Dichtmilch drin war. Die hatte der Besitzer des Rades bei der Reifenmontage am Ersatzlaufradsatz wohl vergessen. Clever. In Ermangelung besserer Ideen wurde mit Heikos Spezialgetränkemischung ein Konzentrat mit 480g Carbs pro Liter (nicht pro Stunde, aber sehr wohl im Schnitt) angerührt und diese fachgerecht in den platten Reifen gefüllt. Mit der Standpumpe an der Tankstelle dann das Wunder: Der Sirup dichtete, der Reifen hielt die Luft und Moritz sollte tatsächlich in der Lage sein, zu Ende zu fahren.
Nach dem Zwischenfall verlief die Weiterfahrt auf der Küstenstraße, in für alle Fahrer:innen ungewohnten Richtung reibungslos und harmonisch und schneller als geplant befand man sich (nach zwei weiteren Stopps) in der Abfahrt nach Andratx am entgegen gesetzten Ende der Insel. Am Ortseingang lauerte dann eine eher unangenehme Überraschung: die ortsansässigen Polizisten kontrollierten tatsächlich, ob alle Rennradfahrer:innen ordnungsgemäß mit Vorder- und Rücklicht unterwegs waren. Aus der DGD Gruppe erwischte es Sebastian, der nur ein defektes Tölz-Produkt ohne Batterie im Trikot hatte. 120€ Strafe. Bam. Daniels hochprofessionelle Konstruktion mit einem Minilicht im Kabelwirrwarr wurde zwar als disfunktional, aber den Regeln entsprechend durchgewunken. Darüber wurden Heidruns obligatorischer Rucksack sowie Connys Weste konfisziert mit dem Hinweis, dies sei eigentlich noch viel schlimmer als ohne Licht zu fahren.
Erleichtert (in mehrfachem Sinne) drehte die Route dann zurück nach Osten, wobei mit dem Anstieg nach Galilea und dem Col d‘Es Grau gleich zwei neue Anstiege anstanden. Zur Belohnung gab es nach schneller Abfahrt nach Bunyola eine gigantische Portion Reis in und mit Ananas zur Stärkung und die freudige Erkenntnis, dass der Wetterbericht recht hatte und der Wind tatsächlich eingeschlafen war.
Dennoch verlief der Rückweg mit nun schon über 200km in den Beinen zäher als gedacht und die Verlockung war hoch, die Schleife durch das wellige Hinterland bei Arta auszulassen. Motiviertester Fahrer zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt des Marathons war eindeutig Sebastian, der sich berechtigte Hoffnungen auf Calamar Relleno in San Llorenc machte. Gestärkt durch dieses, wie immer exzellente Menü in der Bar Can Colom, wurden auch die letzten Kilometer auf der Küstenstraße irgendwie geschafft, obgleich verschiedenste, an Halluzination grenzenden Ideen zeigten, dass diese Tour alle an ihre Grenzen brachte (Matthias überlegte laut, ob er nicht ein wenig Dichtmilchersatz aus Moritz‘ Hinterrad trinken könne, während Heiko sinnierte, wie er beim Rollen im Supertuck am Besten den Triggerpunkt zur Adrenalinfreisetzung im kleinen Finger aktivieren könnte.)
Eckdaten der Tour: 312km, 4675Hm, 25,4er Schnitt (11:50 Fahrzeit).
Die innovative Tourenplanung setzte sich fort. Der Küstenklassiker wird wieder komplett aber erstmals gegen den Uhrzeigersinn gefahren und daher wurde eine neue Etappe aus dem Hut gezaubert. Flach und mit Rückenwind durch die Gärten in Richtung Westen ging es zu sechst los. Die Wolken waren recht tief und sahen bedrohlich aus – entgegen der Wetterprognose vom Vortag. Auf Heikos Schulter machte sich eine Wespe bequem, die Sebastian fachmännisch mit einer Luftpumpe entfernte.
Der Espresso wurde nach 38 km in einer einheimischen Lokalität in Santa Maria del Cami eingenommen, wo am Vorabend der Bär steppte – zumindest war noch viel Geschirr auf allen Tischen verteilt. Stefan musste aufgrund einer Kniereizung umdrehen, es waren also nur noch fünf. Auf einer Streckenerstbefahrung nach Valldemossa ging es dann weiter, es war nur überraschend viel Verkehr. Heiko nutzte die moderate Pace zu einem kurzen beruflichen Call, Conny konnte seine filmografischen Künste (Zusammenschnitt folgt noch) in Szene setzen. In der Gastronomie im Port de Valldemossa musste drinnen der Kuchen verspeist werden, die Wellen waren dafür sehenswert. Moritz wärmte die Beine schonmal an, die anderen vier fuhren Sebastians Bummeltempo die schmale Stichstraße wieder hoch. Mittagspause gab es in einem echten Hipster Café in Deia. Gut, langsam und nicht günstig, dafür gut besucht – die Gerichte bedurften jedoch auch eine gewisse Zubereitungszeit. Der Trubel in Soller wurde damit geschickt eingespart, dazu konnte Mallorcas Hauptanstieg erstmalig vollständig bezwungen werden.
Sebastian passierte das untere Schild als erster, mit dem Vorsatz sehr gemütlich zu fahren und kam damit als vorletzter am Treffpunkt (Kiosk) an – es wurde am Ende dann noch zügiger. Moritz und Daniel pedalierten zusammen hoch, Daniel übernahm auf den flachen Stücken die Führungsarbeit (es war Gegenwind) und versicherte auch oben nicht vorbeizufahren – es wurde zügig aber nicht am Limit gepaced. Heiko machte sein eigenes Tempo knapp dahinter, er holte eine Rennradlerin ein, die dann aber eine harte Attacke lancierte. Die sonstigen Radfahrer waren eher touristisch unterwegs, trotz Begleitfahrzeugen. Conny musste sich aufgrund des heimgekehrten Pacemakers auf sein Gefühl verlassen, und machte aufgrund seiner hohen Felgen auf der windigen und sehr kalten Abfahrt ruhig. Am Kiosk wurden nicht ganz günstige dafür aber heiße Heiße Schokolade getrunken. Die Windböen blieben danach aus, es war aber weiterhin kühl. Die Abfahrt nach Caimari wurde durch einen Reisebus blockiert, nur Sebastian konnte per Max Verstappen Manöver vorbeistechen.
Der letzte Kaffee und Kuchen/Keks Stopp war dann wieder Hipster Style – dank früher Abfahrtzeit ganz locker vor Ladenschluss. Es kam für die letzten 25 km die Sonne heraus, der Wind kam dafür wieder stramm von vorne. Dank guter Ernährung, ein Dank an den Teamalchimisten, konnte aber solide zu Ende gefahren werden. Stravalink
Der Wind hatte sich für den heutige Montag vorgenommen, deutlich ruhiger zu machen, dies Vorhaben aber auf den frühen Nachmittag verschoben. Infolgedessen wurde die Siebenergruppe des Tages mit hoher Geschwindigkeit ins Landesinnere gepustet und schneller als gedacht fand man sich beim ersten Espresso-Stop des Tages ein. Das Café Can Putxet in Lloret de Vistalegre ist im Dorf zurecht sehr beliebt und 5 von 7 Fahrern entschlossen sich zur Einkehr. Matthias fühlte sich nicht ganz fit und beschloss, eine flache Sonnentour auf gleicher Strecke zurück ins Hotel zu fahren. Indessen bewachte Conny die Räder. In einem unachtsamen Moment konnte er trotzdem nicht verhindern, dass seine teure Aeromaschine entwendet werden konnte…
…allerdings nur von Moritz, der sich einen (mittelmäßigen) Spaß erlaubte. Nach dem zweiten Zwischenstopp im Cycling Planet in Alaro bereiteten sich dann alle 6 Fahrer auf die Hauptschwierigkeit des Tages vor: von Bunyola auf neuem Straßenbelag in den Orient. Am Vorabend wurde spontan und höchstprofessionell eine Pacing Strategie entwickelt, die Conny zu einer neuen 20min Bestleistung führen sollte. Diese sah vor, dass Stefan mit 250W vorne fährt und Conny das Hinterrad hält. Beides klappte hervorragend, und hier nochmal ganz offiziell: Constantin, dein neuer 20min Wert ist 257W. Du kannst ihn hier jederzeit nachlesen wenn dein Garmin (demnächst) kaputt ist.
Weiter vorne im Renngeschehen fuhr Sebastian mit 310W zur PB, genau wie Heiko, der mit einem zweigeteilten Effort (10/2/6 Minuten) in genau 18:00 oben war. Die Bergpunkte gingen in 17:23 an Daniel, der dank besserer Taktik (in Fachkreisen ‘Pennersekunde’ genannt) eben diese eine Sekunde vor Moritz lag. Umso beachtlicher sind diese Zeiten, weil dieses Jahr im Gegensatz zum Vorjahr, kein Rückenwind im Anstieg herrschte.
Als Belohnung winkte der sensationelle Kuchen von Patrick im Café Nou Dalt Montana (absolute Empfehlung!) serviert von einem Kellner in Radschuhen:
Die Rückfahrt verlief bei allerbestem Sonnenschein ereignisarm und weil der Wind inzwischen gedreht hatte, kam ganz unerwartet ein 30er Schnitt heraus.
Da die Wetterprognose überschaubar war und die Zeitumstellung noch anstand, wurde entschieden das F1 Rennen nach dem Frühstück im Relive zu schauen und sich danach mithilfe der Windkarte für eine Route zu entscheiden. Florian und die beiden Günzel Eltern enthielten sich direkt bei den Radsportambitionen – es war auch wirklich windig.
Da am Anfang der Strecke Rückenwind herrschte, wurde von vorne (Heiko und Moritz) direkt Vollgas gegeben (weil schnell fahren ja Spaß macht) und Daniel eröffnete dann bis Muro das Gruppetto. Ab dann war der Wind aus verschiedenen eher ungünstigen Richtungen – oft auch sehr böig. Getrunken werden konnte eigentlich nur innerorts, gutes Windschattenfahren wurde aber dafür auch über Gebühr belohnt. Die salzigen und süßen Speisen der sehr guten Bäckerei in Sineu konnten dann in der Sonne vor der Kirche verspeist werden, ohne dass ein Rad der Teilnehmer geklaut wurde. Zurück gab es dann nochmals viel Gegenwind und die Sonne machte sich ebenfalls rar – für die letzten Winterpokalpunkte (und damit Top 100 im Tracked Ranking) war die Tour gut – viel Spaß empfanden zumindest nicht alle Fahrer, aber eine gute Grundlage für Sauna und Buffet, dazu ein paar gute Segmentzeiten (der Begriff KOM ist hierbei irreführend).