Skoda Velotour Eschborn-Frankfurt 2021

Der 1. Mai war dieses Jahr am 19. September, zumindest aus der Sicht des Jedermannrennens mit Start und Ziel in Eschborn. Für das DGD Racing Team waren Daniel und erstmals seit 2014 wieder Moritz am Start. Überraschend unproblematische gestalteten sich diesmal die traditionellen Risikofaktoren der Veranstaltung: Beide Fahrer wurden sinnvollerweise in den ersten und knapp 700 Rahmensets umfassenden Startblock gesteckt und das Wetter versprach einen Sonnen-Wolken-Mix im Temperaturfenster zwischen 10 und 20 Grad. Um die anfängliche Hetzjagd durch die Frankfurter Innenstadt möglichst kraftsparend absolvieren zu können, reihten sich beide Fahrer ganz ganz vorne ein, direkt hinter den großen Teams Strassacker und Rheinhessen (Stichwort Ziehharmonika-Effekt). Ein weiterer Pluspunkt des frühen Aufschlagens an der Startlinie: Eine volle Stunde Gebabbel des norddeutsche Streckensprechers, der diverse Male beschwor, dass irgendwer oder irgendetwas „heiß wie Frittenfett“ sei. Bevor ein Trinkspiel draus werden konnte, ging es los. 

Die knapp 30km bis Oberursel verliefen dank gutem Auf-Position-Fahrens unaufgeregt. Nach einem kurzen Pavé-Intermezzo am Marktplatz von Oberursel setzten sich zwei Fahrer ab. Auf leicht ansteigender Straße, aber noch vor dem offiziellen Beginn des Feldberges, sprangen vereinzelte Fahrer nach und das DGD Racing Teams ließ es sich nicht nehmen, mit einer Doppelspitze kurzzeitig die Nachführarbeit zu organisieren. Eine kleine Kraftverschwendung für die Sponsoren von der ein Bild geil wäre (leider unwahrscheinlich). So bekam man auch live mit, wie in einer taktischen Besprechung der Strassackerfahrer entschieden wurde, die Gruppe zurück zu holen (O-Ton: „Ist zu groß“) und das eigentliche Rennen begann. Dabei verloren sich Daniel und Moritz alsbald außer Augen und der Rest des Berichtes erfolgt getrennt aus unterschiedlicher Erzählperspektive. 

Moritz: Am Saisonabschluss habe ich beschlossen, nicht vernünftig zu fahren, sondern einfach vorne dranzubleiben und in Kauf zu nehmen, frühzeitig komplett einzugehen. Das Tempo ist zunächst gleichmäßig, ab der langen Kehre wechseln sind kurze Tempoverschärfungen mit gefühltem Leerlauf und auf den letzte 3 Kilometern folgen diverse Attacken. Irgendwann sehe ich 520W auf meinem Wahoo. Egal, ich gehe mit und komme ganz hinten in einer Perlenkette von 20 Fahrern über die Passhöhe. Später stellt sich heraus, dass ich den Anstieg in 25:33 hochgefahren bin, schneller als jemals zuvor. Nach nicht UCI-legaler Abfahrt läuft die Gruppe im ersten Gegenhang wieder zusammen. Im weiteren Verlauf schließen weitere 10 Fahrer auf. Der Ruppertshainer, bei meiner letzten Teilnahme vor 7 Jahren noch die letzte Möglichkeit zur Attacke am Berg, wird schnell aber nicht super schnell hochgefahren, genau wie eine überraschende Rampe in Kelkheim auf eher unterdurchschnittlichem Belag, und alles konzentriert sich auf den Showdown in Mammolshain. In der berüchtigten Rampe fahre ich erstmals nach Wattmesser und nehme in Kauf, einige Positionen zu verlieren, um Didi hautnah bewundern zu dürfen, aber vor allem um auf dem nachfolgenden flachen Bergaufkilometer einfach auf dem Gas bleiben zu können. Das habe ich dieses Jahr unzählige Male trainiert und heute zahlt es sich aus: an den ersten Gegnern fliege ich gefühlt vorbei, komme dann langsam an den deutschen Meister von 2006, Dirk Müller (radroo Team), und zwei weitere Fahrer heran, die ich mit meinem gleichmäßigen Tempo langsam an die vorausfahrende Gruppe heranziehe. In der Abfahrt wechseln wir uns vorbildlich ab. In einer Rechtskurve verschätzt sich ein Konkurrent und steht plötzlich auf einem 20cm hohen Bordstein, von dem er nicht mehr runterkommt. Wir anderen schaffen den Anschluss an, was sich als erste Gruppe hinter 3 Ausreißern herausstellen sollte. Es geht also mit 22 Mann im Sprint um Platz 4. Eigentlich bin ich vor der letzten Kurve gar nicht schlecht platziert, lasse mich dann aber doch kurz abdrängen, komme kurz aus dem Konzept und werde 17. Eines meiner besten Jedermannrennen. Was will man mehr. Ein perfekter Saisonabschluss 😇

Daniel fuhr im Pulk am Feldberg vor der großen Serpentine die Eröffnung der zweiten Gruppe, die Pace ganz vorne erschien zu hoch. Alsbald kam eine ca. 20 Mann starke Gruppe oben an, Daniel konnte dort ohne größere Probleme mitfahren. Ein Fahrer schwenkte nach der Bergwertung noch in die Stichstraße zum Gipfel aber sonst gab es keine Vorkommnisse. Auf der Abfahrt gab es ein paar riskante Fahrmanöver von Fahrern des Sebamed Teams, und das Glück ließ keinen weiteren Fahrer mehr von hinten kommen, sodass Daniel am ersten Gegenhang eine 100m Lücke zufahren musste. Oben am Rupertshainer wurde Stephan K. noch begrüßt und für die Sponsoren die Gruppe von vorne in die Abfahrt geführt. Im Flachen bei Gegenwind lief die Gruppe nur mäßig, keiner wollte sich vor dem Schlussanstieg verausgaben. Das Steilstück vom Mammothainer (23%) fuhr Daniel dank Streckenkenntnis nicht am Limit, sodass beim weiteren Steigungskilometer im vorderen Drittel der Gruppe gefahren werden konnte. Lediglich fünf Leute kamen ein wenig weg, aber die konnten im Flachen (5km) ohne weiteres gestellt werden. Da es um nichts mehr ging, wurde auf einen Zielsprint verzichtet, Platz 31 war zu vergeben und Daniel konnte mit dem 41. eine gute Platzierung erreichten – mehr wäre nicht gegangen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es auch schonmal besser lief, aber es wird auch keiner jünger.

Stravadaten von Daniel (37km/h) und Moritz (38km/h)

Tour of Sufferlandria 2021 – Stage 2

Für die zweite Etappe hatte Grunter von Agony einen echten Klassiker auf den Streckenplan geschrieben. Direkt vom Start weg begab man sich in das berüchtigte Tal der neun Hämmer, aus dem man nur unter höchsten Schmerzen und mit geschlossenen Augen lebend zurückkommen kann. Ob es in der anschließenden Diskussion in der Chatgruppe der aktiven Fahrer um den modulierten Widerstand des eigenen Rollentrainings oder doch den Konsum beim Whisky Tasting am Abend zuvor ging, überlassen wir den rätselfreudigen Bloglesern…

Strava Links Daniel Heiko Moritz Sebastian.

 

 

Tour of Sufferlandria

Pandemie-bedingt schwebt über dem traditionellen Trainingslager und den Jedermannrennen im Frühjahr auch dieses Jahr ein großes Fragezeichen. Die Saisonplanung erfordert also erneut einiges an Kreativität und als ein erstes, sicher durchführbares Event wurde die Tour of Sufferlandria in den Kalender aufgenommen. Tour of Suffer what? Tja, wer von der neben den drei Grand Tours angeblich härtesten Landesrundfahrt noch nie gehört hat, der wird sicher auch nicht vom legendären Schleifer Sir Neal Henderson durch den Winter gequält.

Worum geht es also? Zunächst einmal handelt es sich um ein Fundraising Event zugunsten der Davies Phinney Foundation, die sich seit vielen Jahren im Kampf gegen Parkinson engagiert (als Info für ein gänzlich nicht informiertes Teammitglied: bekannt auch aus dem Outro von Blender). Der sportliche Aspekt besteht darin, in 7 Tagen die entsprechenden Sufferfest Trainingsvideos durchzustehen: Manchmal sind es zwei Videos am Stück, manchmal nur eins (birgt bereits Potential sich komplett abzuschießen), und natürlich soll der Spaß im Vordergrund stehen. Ok, das letzte war glatt gelogen, denn in der „nuklearen Option“ (alle Videos auf 100% der persönlichen Leistungswerte) für die sich die Teamfahrer alle entschieden haben, wird es ein Qual sondergleichen, mit höchstwahrscheinlich jämmerlichem Ende. Zumindest für den Artikelschreiber, der sich entschieden hat, 3 Wochen vor Tourstart seine Leistungswerte mit einem Fitness Test auf den neusten Stand zu bringen. 

Für das DGD Racing Team am Start sind in alphabetischer Reihenfolge: Daniel, Heiko, Moritz und Sebastian. 

 

Start der Tour of Sufferlandria ist am kommenden Samstag um 11 Uhr MEZ. Als Vorgeschmack hier noch die offizielle Steckenvorstellung:

Trainingslager Südtirol 2020: Pässequartett

Bei molligem Südtirolwetter sollte es heuer (sprich gestern, der Artikelschreiber ist im Verzug) vom Hotel Sigmundskron ins Herz der Dolomiten gehen. Fast 120 der 168 Gesamtkilometer sollten auf überhalb 1000m Höhe verlaufen (temperaturtechnisch eine gute Idee) und 3600Hm sollten verteilt auf 4 Pässe erklommen werden. Eine Abwandlung unseres beliebten Südtiroler Pässetris also, das daher wie immer in Menüform vorgestellt wird.

Gruß aus der Küche (Truden)

Nach rückenwindbegünstigtem Einrollen entlang der Etsch nach Auer sollte der Passo San Lugano den Einstieg in die Dolomiten bilden. Da die Transitstraße aber stark befahren ist, wurde, inspiriert von der Beschreibung auf Quäldich, der Schleichweg durch das wunderschöne Naturschutzgebiet Truden gewählt. Gar wunderte man sich, warum die andere Radsportgruppe im Hotel, nicht auch auf die grandiose Idee kam die Umfahrung in „dat jute Truden“ in ihre Streckenplanung aufzunehmen. Die Antwort lag dann auf der Straße. Die im Bericht beschriebene „Rampe“ bei Steigungsprozenten von 10-18 war nämlich nicht eine kurzzeitige Abwechslung im Streckenverlauf, sondern im wesentlichen der gesamte Anstieg. Früher als geplant mussten so also einige Körner mobilisiert werden, aber immerhin konnten im Ort an einem Brunnen die Flaschen aufgefüllt werden. Die Lugano-Passstraße wurde dann — zum Gesamtbild passend — über eine Abfahrt erreicht.

Vorspeise (Passo Valles)

Vom Luganopass rollte es, immer leicht bergab und mit herrlichstem Dolomitenpanama im Augenwinkel, durchs Flamstal nach Predazzo. Unterwegs kam den beiden DGD Racing Team Fahrern das Bahrain-Merida Team in Mannschaftsstärke entgegen, ehe der Anstieg zum Passo Valles (2032m) begann. Der erste Teil ist identisch mit der Westanfahrt des Passo Rolle, der seinem Namen alle Ehre machte. Nach dem Abzweig auf die schmalere Valles Straße wurden von der Beschilderung noch 8km bis zur Passhöhe ausgelobt. Tatsächlich waren es nur 6,5km die gut zu Fahren waren, nur Daniel hatte leicht zu kämpfen, da die Spritzufuhr aufgrund einer sehr dünnen Pulvermischung am Trudener Brunnen leicht ins Stocken kam. Oben genehmigte man sich eine herzhafte Mahlzeit und beobachtete eine italienische Radgruppe, deren Anführer sich direkt an der Passhöhe eine Kippe anzündete.

Hauptspeise (Passo San Pellegrino)

Die Passhöhe bildete auch den Übergang vom Trentino in die Region Venezien, die für ihren räudigen Straßenbelag bekannt ist. Die Abfahrt machte dem Ruf alle Ehre und man beschloss (logischerweise), zügig zu fahren, um das Übel so kurz wie möglich zu halten. Die Abfahrt mündete direkt in eine Wand: „3km, 15%“ kündigten den Passo San Pellegrino (1918m) an, der eigentlich als Hauptschwierigkeit des Tages angedacht war. Weil man aber schon den Gruß aus der Küche in den Beinen hatte, fühlte sich alles halb so wild an, und nach nur 12km Fahrstrecke nach dem Mittagessen wurde noch eine Strudelpause eingelegt. Zu Beginn der Abfahrt durfte der Mannschaftsbus von Quick Step bewundert werden und auf halbem Weg nach Moena kam (höchstwahrscheinlich, es fehlt der Strava-Upload) Julian Alaphilippe entgegen.

Dessert (Karerpass)

Spektakulär waren sowohl die Ortseinfahrt nach Moena (180 Grad Wende am Kreisel, die aber nicht zu vermeiden ist) als auch der Radweg durch das Fassatal (unregelmäßig eingestreute 13% Rampen, teilweise auf Pavé), die zum letzten Pass des Tages führten. Bei wenig Verkehr und viel Sonne war dieser ein reinstes Vergnügen und die böse Überraschung drohte erst, als man an der Passhöhe linkerhand auf eine dunkle Wolkenwand blicken musste. Zum Glück war die Tour am Vorabend aber umgeplant worden — statt rechts den Karerpass nass herunter zu fahren, wurde links die trockene und völlig freie Nigerpassabfahrt gewählt. Unten traf man auf den sonnigen Radweg nach Bozen und das Ausrollen zurück ins Hotel verlief vollkommen trocken, wohingegen es am Karerpass nun heftig regnete. Man darf ja auch mal Glück haben 😉

Eckdaten der Tour: 168km, 3550Hm, 26,2er Schnitt.

Trainingslager Südtirol 2020 : Nigerpass und Obergummer

Bei bestem Dolomitenwetter machten sich 5 Fahrer (4x DGD Racing Team, 1x Team Rocket) zu einer neu geplanten Tour aus Bozen auf. Nachdem der gesperrte Abschnitt des Etschtalradwegs professionell umfahren wurde, bot sich die Möglichkeit zum Einrollen, ehe aus Blumau der Nigerpass erklommen werden sollte. Da alle Fahrer mit Wahoo auf ihrem Gerät die nervigen (von Komoot generierten) Abbiegehinweise deaktiviert hatten, fiel niemand auf, dass man im Tunnelwirrwar in die linke Röhre einlenken muss, um dann rechterhand auf die Passtraße zu gelangen. Bis zum Flachstück pedalierte die Gruppe gesittet bergan und nahm sich sogar die Zeit für ein erstes Trainingslager-Selfie.


Im Steilstück erhöhten Daniel und Moritz dann die Schlagzahl. Der ungleichmäßige aber schnelle Rhythmus wurde mustergültig bis zur Passhöhe durchgezogen. Im Familienduell dahinter behielt Sven knapp die Oberhand. Sebastian konnte keine Leistung abrufen, kam aber dennoch zum Fazit „schöner Pass“, was als Kompliment umso höher einzustufen ist.

Der weitere Streckenverlauf führte über den Karerpass bergab nach Birchabruck, von wo eine neue Obergummer-Variante getestet wurde. Im klassischen Gummer-Style war die Straße breit, mit bestem Belag und vielen Kehren ausgestattet und natürlich fast vollständig vom Verkehr befreit. Moritz ging, bis in die Fingerspitzen motiviert, auf Zeitenjagd und verfehlte den KOM nur um 12 Sekunden (P2 auf strava). Der Rest ließ sich nicht auf solche Spirenzien ein und kurbelte, angeführt vom wiedererstarkten Sebastian, flott gen Gummer.

Nach dem traditionellen Stopp am Gasthof Lärchenwald und einer Meinungverschiedenheit mit einem von seinem SUV überforderten Letztwähler in der Abfahrt kreuzte der Track erneut den Eissacktal-Radweg, der nun in entgegengesetzter Richtung zurück nach Bozen gerollt wurde.

Eckdaten der Tour: 100km, 2350Hm, 25er Schnitt.

Katie und Heidrun waren erstmals zusammen unterwegs und umrundeten und 35km den Kalterer See mit Start und Zielanstieg am Hotel Sigmundskron.