Eine crosse Sache

Die Erkenntnis kam mir in den Wochen nach Rad am Ring: Eigentlich muss ich dieses Rad fahren wie eine gute Pommes – cross. Nach 4 Monaten harter Saisonvorbereitung im Winter und 8000 Trainings- und Wettkampf Kilometern auf der Straße merkte ich Anfang September, das meine Akkus richtig leer waren. Völlig ungewohnte Gedanken machten sich breit (eigentlich will ich heute gar nicht Fahrradfahren) und auf der Suche nach Abwechslung kam mir die Idee, mein altgedientes Rad mit geländetauglichen Reifen auszustatten und mich endlich mal wieder auf nicht-asphaltierte Wege zu wagen.

Womöglich hatte der Leser nun ein größere Überraschung als „Fahrradfahren statt Fahrradfahren“ erwartet, aber wer sich auskennt weiß, dass Straße und Gelände zwei völlig verschiedene paar Schuh sind. Um dies noch klarer zu machen fahre ich zur Zeit übrigens wieder mit meinen alten Radschuhen. Mir fällt aber gerade auf, dass man „paar“ dann mit großen „P“ schreibt. Egal.

Schon nach den ersten Touren war mir klar, dass ich zur neuen Saison nicht auf Rennradbereifung für mein Quantec SLR zurückwechseln würde. Das Rad machte sich im Gelände einfach zu gut, ist mit 9,1kg immer noch relativ leicht, sehr wendig und ich muss ganz klar zugeben, dass dieses Einsatzgebiet das natürliche für ein solches Rad ist. Aufgrund der deutlich kürzen Anfahrt auf Feld- und Waldwegen in den Odenwald gibt es auf diese Weise auch deutlich mehr Höhenmeter für kürze Runden im Herbst- und Wintertraining.

Eine Win-Win Situation. Ganz im Gegensatz zum winterlichen Drücken im Ried übrigens, was eher eine Wind-Wind Situation ist. Zur Saison 2013 werde ich dann als letztes Racing Team Mitglied auf ein Rennrad wechseln. Sobald die Rennmaschine eingetroffen ist, gibt es natürlich einen bebilderten Bericht.

In 16:47 auf den Melibokus

Ok, ein bisschen historisches Gebabbel zu Anfang muss schon sein. Als ich 2006 mit dem Radsport anfing, brauchte ich für die 4,6km/390Hm auf den Melibokus knapp unter 25 Minuten. Entsprechend dumm guckte ich, als mir die Bestenliste von quäldich.de verriet, dass so ziemlich jeder, der überhaupt eine Zeit an diesem Anstieg misst, mindestens so schnell wie ich war.

Zwei Jahre später benötigte ich dann zwar nur noch 21:30 aber das Entsetzen über die quäldich-Bestzeit von 16:58 war eigentlich sogar größer geworden. Im Jahre 2010 folgte dann eine brutale Zeitenschlacht gegen den Teamchef, die ich um 5 Sekunden verlor. Da der Spaß dabei längst auf der Strecke geblieben war, folgte ein Gentlemens Agreement. Von der damaligen teaminternen Bestzeit von 18:14 waren eigentlich alle ziemlich begeistert, nur die Technikabteilung faselte irgendetwas von „richtig gut wäre ja eine tiefe 17er Zeit“. Fortan geisterte dieses unsägliche „17tief“ in meinem Kopf herum. 2011 war das noch deutlich außer Reichweite, aber immerhin wurde die 18 Minuten Marke durchbrochen.

In diesem Jahr hielt sich die Motivation, einen erneuten Angriff auf „17tief“ zu wagen sehr in Grenzen. Nachdem im Trainingslager Südtirol aber an so ziemlich jedem Anstieg die 2011er Zeiten um mehr als eine Minute verbessert werden konnten war aber klar: Zumindest eine Zeit muss man auch 2012 in den Asphalt brennen. So wurde in klassischer „Alles oder Nichts“-Manier mit 34km/h in den Anstieg gefeuert. Für weitere Zwischensprints war keinerlei Kraft aber irgendwie schaffte ich es schlussendlich „17tief“ klar zu verfehlen – im positiven Sinne. Die bei 16:47 stehen gebliebene Uhr sichert mir die quäldich-Bestzeit, eine Steigleistung von 1420Hm/h und einen wirklich guten Grund, dieses Jahr definitiv nicht nochmal ein Zeitfahren auf den Melibokus zu veranstalten. Komme was wolle 🙂

Trainingslager Südtirol: Prato Piazza

Zum Abschluss des einwöchigen Trainingslager Südtirol ließ das Team es heute gemütlich angehen. Auf dem Programm stand der Anstieg auf die Plätzwiesen – dank einer frisch aus dem Hut gezauberten asphaltierten Straße direkt von der Pension in Olang aus. Zu Stefans größter Freude wurden direkt nach dem Start ein paar Zusatzhöhenmeter eingebaut. Da halfen die halbherzigen Beruhigungsversuche („Keine Angst, die fahren wir ja auch gleich wieder runter, bevor der eigentliche Anstieg beginnt“) der beiden anderen Teammitglieder natürlich auch nicht wirklich…

Der 14,6km lange, mit 870 Höhenmeter gespickte Anstieg wurde dann in knapp 54 Minuten ohne größere Ambitionen bewältigt. Nach einer Woche merkt man eben auch irgendwann seine Beine. Dem Apfelstrudelführer konnte noch ein neuer Eintrag hinzugefügt werden. Freunde der fruchtigen Süßspeise können auf den Plätzwiesen daher künftig dank des DGD Apfelstrudelführers ganz gezielt entscheiden, ob in der Plätzwiesenhütte oder dem Hotel „Hohe Gaisl“ gespeist wird.

Trainingslager Südtirol: Der Schwächste fliegt

„Also isses doch so – der Schwächste fliegt“, so verabschiedete sich Daniel K. heute morgen mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Trainingslager Südtirol. Eine starke Performance am Furkelsattel und an allen 4 Anstiegen der Sella Ronda sind radfahrerisch besonders hervorzuheben. Leider macht neben einigen, verhältnismäßig harmlosen Abschürfungen an Ober- und Unterschenkel in Folge des gestrigen Sturzes, eine tiefere Verletzung am Handballen das Radfahren zumindest in den nächsten 3-4 Tagen unmöglich.

Der Start beim 24h Rennen scheint zum jetzigen Zeitpunkt nicht gefährdet und im Team ist man sich sicher, dass Daniel K. dort eine echte Verstärkung sein wird. Allerding ist es jetzt sicherlich sinnvoller, den Heilungsprozess bestmöglich zu unterstützen und das Training auf das Ergometer zu verlegen, als sich weitere 3 Tage in Südtirol zu quälen.

Für den Rest des Teams stand heute der planmäßige Ruhetag auf dem Programm. Stefan blieb in der Wohnung während Daniel und Moritz in gemäßigtem Tempo die 13km/1000Hm von Mühlbach auf die Kiener Alm in Angriff nahmen. Die gefahrene Zeit von 59:17 war verglichen mit der (leider) legendären Vollgasfahrt im Jahre 2010 dann aber doch alles andere als gemächlich. Darauf hätte man natürlich irgendwie auch vorher wetten können…

Trainingslager Südtirol: Sella Ronda

In Olang lockt heute abend der „Standlschmauß“ – was bietet sich also besser für die Tour vorm schmaußen an,

als die legendäre Sella Ronda. Gestartet wurde wie üblich von Corvara aus mit dem Passo Campolongo. Wie vorher abgesprochen führte Daniel das Team mit einer sehr gemütlichen Pace über den Pass. Somit waren nach der kurzen Abfahrt nach Arabba alle Fahrer bestens aufgewärmt und konnten das nun folgende Bergzeitfahren auf den Passo Pordoi (8,9km, 647 Höhenmeter) in Angriff nehmen.

Daniel sprintete volles Rohr in den Berg und riss sofort eine kleine Lücke, die nur Moritz mit letzter Anstrengung an der 500m Marke schließen konnte. Der erste Kilometer wurde bei knapp 8% mit einem 23er Schnitt zurück gelegt und danach war klar: Topzeit oder Einbruch. Mit seinem harten Herausbeschleunigen trieb Daniel seinen Mitfahrer nach jeder Kehre in leichte Schwierigkeiten, weshalb sich Moritz nach 3,5km zurückgelegter Strecke entschied, selbst für das Tempo zu sorgen. Zur größten Überraschung aller Beteiligten sorgte dies dafür, das Daniel eine kleine Lücke lassen musste. So entwickelte sich auf der restlichen Strecke ein harter Zweikampf mit ständigem Sichtkontakt bei um die 100m Lücke zwischen den beiden Fahrern. Am Ende rettete Moritz seinen kleinen Vorsprung mit einer Zeit von 29:57 über die Ziellinie, Daniel folgte mit 30:17. Die Verbesserung zum Vorjahr lag somit bei 2 Minuten und auch die quäldich-Bestzeit wurde nur knapp verfehlt. Stefan fuhr ein starkes Zeitfahren und konnte seine Vorjahreszeit ebenfalls um über 2 Minuten auf 36:45 verbessern. Für viel positive Stimmung im Team sorgte dann die Zieleinfahrt von Daniel K. nach exakt 43 Minuten. Die einhellige Meinung: „So soll’s weitergehen!“.

In der ersten Kehre wurde die gute Stimmung schon wieder getrübt. Daniel K., der sonst stets zügig abgefahren ist, fuhr vor und übersah die Kieselsteine auf der Straße – zack und Sturz. Zum Glück gab es nur ein paar Abschürfungen und ein minutenlanges Selbstgespräch des Crashpiloten wie dumm er doch sei. Nachdem noch ein Verbandskasten eines deutschen Touristen geplündert wurde ging es gemäßigter und mit dem Teamchef als Pacemaker runter in Richtung dritter Pass. Das Sellajoch wurde dann mit hungrigem Magen in flottem Tempo bewältigt. Ein Rennradler älteren Semesters der sich immer am Ende des DGD Racing Team Feldes aufhielt wurde dann am Schluss des Passes noch mit 36km/h im Sprint abgezogen, etwas Show muss eben doch sein. Die Preise für Apfelstrudel und Apfelschorle schwankten um ein Euro je nach Besteller aber man ist eben nicht mehr in Südtirol sondern in Italien. Nach der Stärkung ging es im Autostau hinunter zum letzten Berg, dem Grödner Joch.

Dort hieß es für Daniel K. „nix geht mehr“ – sein Tempo wurde danach aber nicht niedriger sondern höher, das ist wahrer Kampfgeist. Die Abfahrt zurück nach Corvara war aufgrund extremen Rentnerstaus auch sehr gemütlich angegangen. Die Bilanz der Tour: 1700Hm, 54km und ca. 10 Minuten schneller als im Vorjahr.