L’Alsacienne 2023

Die Vorbereitungen auf den Ötzi laufen weiterhin auf Hochtouren. Als nächstes Vorbereitungsrennen stand am vergangenen Sonntag die Langdistanz der Alsacienne auf dem Programm: 195 km mit 4850 Höhenmetern mit Start und Ziel am Lac de Kruth-Wildenstein bieten sogar einen etwas härteren Höhenmeterquotienten als der Saisonhöhepunkt. Für das Rennen waren Daniel, Heiko, Moritz und Sven schon 2020 gemeldet. Die diversen Absagen des Events in der Zwischenzeit konnten stets für Mini-Trainingslager in der Region genutzt werden, sodass das Team heuer mit nahezu kompletter Streckenkenntnis anreisen sollte. Daniel hatte die komplizierteste Anreise-Strategie unter Zuhilfenahme drei verschiedener Transportmittel ausgetüftelt, war aber zu Mitte der Woche nicht fit und entschied sich vernünftigerweise, nichts zu riskieren im Hinblick auf den Ötzi. Der Rest reiste aus dem Rhein-Main-Gebiet mit dem Auto an.

Auf der Einrollrunde am Samstagnachmittag wurden die ersten 30 km des Rennens Probe gefahren. Zum Glück, denn hinter dem ersten Anstieg (Col d’Oderen) wartete nach einer Zwischenabfahrt ein rechtwinkliger Abzweig auf einen Wirtschaftsweg, der im Renntempo ohne Streckenkenntnis gefährlich geworden wäre, genau wie die sehr rumpelige Abfahrt Richtung Bussang nahe der Moselquelle.

Moritz konnte schließlich die anderen beiden überzeugen, am Sonntagmorgen bereits zur Öffnung der Startaufstellung um 6h45 vor Ort zu sein, um für den Start um 7h30 gut positioniert zu sein.

Hektik war zu erwarten, denn alle 3 Strecken (119/145/195) starteten gemeinsam, mit der Möglichkeit, sich unterwegs noch umzuentscheiden. Das war aufseiten des DGD Racing Teams nicht geplant, wurde aber doch genutzt (Spoiler). Den vom Vortag bekannten Anstieg fuhren alle deutlich über FTP, um in den schnelleren Gruppen auf dem nachfolgenden Flachstück mit rollen zu können. Das gelang mehr als nur gut! Der erste Härtetest war dann der schmale und komplett neu asphaltierte Anstieg von Geishouse auf den Grand Ballon. In Zukunft soll dieser einen weiteren Anreiz für die Organisatoren der Tour de France bieten, die Rennentscheidung in den Vogesen zu suchen. Letzte Woche war die Alsacienne das erste Rennen überhaupt, das diesen Abschnitt befahren durfte.

Es folgten dann wohlbekannte Abfahrten und Zwischenanstiege bis zur Verpflegungsstelle bei Kilometer 81. Das Rennen war knapp 3h alt und natürlich rechneten alle Fahrer damit, die Flaschen mit neuem isotonischen Getränk füllen zu können. Leider gab es aber nur Wasser mit ordinärem Getränkesirup für (schlechte) Cocktails. Salze und Mineralstoffe Fehlanzeige. Die bekam nur die Konkurrenz mit privat organisierten Verpflegungsstellen. Dass sich das rächen würde war irgendwie klar, aber noch war es nicht so weit. Zunächst folgte mit Firstplan, Petit Ballon und Platzerwasel mit Rückkehr auf den Grand Ballon der härteste Abschnitt des gesamten Rennens. Dank Katies SMS-Service wusste Moritz, dass er in der Abfahrt vom Petit Ballon auf Platz 32 geführt wurde, 25 Minuten hinter der Spitze. Heiko folgte 16min dahinter, Sven weitere 20min, sodass alle drei sehr gut in ihrem Rennen lagen.

In der Abfahrt hinab zu Start/Ziel brach dann (wie schon im Training vor zwei Jahren) Heikos Berk-Leichtbausattel an der Nase. Hier stellte sich nun die Möglichkeit, spontan die Strecke zu wechseln als Segen heraus, denn Heiko konnte nach der 15 km langen Abfahrt einfach links abbiegen und in 5h41 sein Rennen (nun) auf der 145km-Strecke auf einem sehr starken 31. Platz beenden.

Moritz und Sven blieben von Ermüdung zumindest beim Material verschont und bogen rechts ab. Dort gab es nach wenigen Kilometern eine erneute Sirup-Tankstelle, bei Moritz‘ Stopp war auch noch reichlich Wurst vorhanden, die dann aber irgendeiner der nachfolgenden Fahrer aufgefuttert haben muss, denn bei Svens Stopp beklagte sich manch Konkurrent. Ein Blick auf das Wahoo verriet nun: noch 42km und 1100 Höhenmeter bis ins Ziel, der SMS-Service meldete Platz 19 für Moritz! Pünktlich nach 6h Rennzeit machte sich dessen Beinen der Mangel an Mineralstoffen bemerkbar — Krampf links, Krampf rechts, Krampf links,… Mit Willenskraft konnte aber verlangsamt weitergefahren werden und nur ca. 8 Minuten und zwei Plätze eingebüßt werden. Im Klartext: Platz 21 in 7h06!

Sven hatte sich seine Kräfte offenbar am besten eingeteilt und verlor auf den letzten 40km nur noch gute 5min auf Moritz. Auch deswegen stand neben einer Verdopplung der Jahreshöhenmeter ein beeindruckende 92. Platz (8h26) auf der (digitalen) Teilnehmerurkunde!

Jacuzzi in der Ferienwohnung nach dem Rennen und sensationelle Sportografenbilder am Dienstagabend versüßten den Rückblick aufs Rennen. Wir kommen nächstes Jahr wieder!

Radmarathon Rhön 2023

Mit dem Ötztaler Radmarathon als unverhofftem Saisonhöhepunkt für das Jahr 2023, wurden vermehrt auch Marathonveranstaltungen in die Saisonplanung des DGD Racing Team übernommen. Nachdem man bis jetzt nur Gutes vom Rhön-Radmarathon gehört hatte, wurde sich daher im Winter erstmalig für die Classic-Strecke C (212 km, 3700HM) der legendären Radveranstaltung des RSC’77 Bimbach angemeldet.

Bei bestem Maiwetter ging es für Daniel und Heiko – so spät wie möglich – um 5:40 nach Bimbach. Inklusive Anmeldung vor Ort reichte dies aus, um, wie geplant, pünktlich zum Ende des Startfensters um 7:30 den Radmarathon in Angriff nehmen zu können. Die sehr gute Organisation des Events zeigte sich hierbei schon bei der professionellen Parkplatzzuweisung durch die Helfer vor Ort. Dank des hervorragenden Wetters (7 Grad und Sonne am Start) konnte direkt „kurz/kurz“ losgefahren werden (Modulo Armlinge, die am ersten Kontrollpunkt eingepackt werden konnten).

Die ersten 40 Kilometer der Rundtour wurden genutzt, um sich warm zufahren, die ersten Radfahrer(innen) zu überholen und um sich eine grundlegende Tempovorgabe zu überlegen. Große Gruppen gab es nicht, dementsprechend auch keinen Windschatten. Schon beim ersten Anstieg von Schackau nach Milchburg wurde sich über die knackigen Rampen gewundert (oft über 10 %). Die angegebenen Durchschnittssteigungen der Anstiege entpuppten sich fast immer als „schöngerechnet“. Wie sich im weiteren Verlauf der Tour zeigen sollte, war der erste Anstieg bei weitem noch nicht der Steilste im Programm. Obwohl die Rhön, insbesondere durch die winterlichen Langlaufrunden, nicht gänzlich unbekannt ist, stellt sie doch fahrradtechnisch eher Neuland für das DGD Racing Team dar.

Nach der ersten Stärkung bei KP1 in Eckweisbach ging es mit konstant flottem Tempo weiter und nach einem weiteren Anstieg nach Hilders ging es bereits über die Landesgrenze von Hessen nach Thüringen. Nach 60 Kilometern kam dann mit dem Weidberg der erste richtig harte Anstieg (https://www.strava.com/segments/657703) mit 200 Höhenmetern bei im Schnitt über 10 %. Um nicht vom Rad zu fallen, wurde hier das erste Mal etwas fester in die Pedale getreten. In den knapp über 10 Minuten Anstieg fuhr man an bestimmt 50 Mitfahrer(innen) vorbei, die sich mit der steilen Bergauffahrt sichtlich schwerer taten. Nach einer kurzen Abfahrt ging es direkt wieder bergauf Richtung Frankenheim und dann auf einer rasanten Abfahrt (über 80 km/h) hinab nach Fladungen, der nördlichsten Stadt im Freistaat Bayern. Wie bei fast allen anderen Abfahrten auch wunderte man sich über die teilweise recht rudimentären Abfahrtkünste der Mitfahrenden (z.B. mit 40 km/h auf dem Mittelstreifen).

KP2 in Fladungen wurde dazu genutzt, um die Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Dank des hervorragenden Apfel- und Kirschkuchens fiel dies Daniel und Heiko nicht schwer. Erstmals traf man auch auf bekannte Gesichter vom Radclub St. Pauli aus Hamburg. Danach ging es weiter zum landschaftlich schönsten Teil der Strecke Richtung „Lange Rhön“ und Biosphärenreservat. Hier kam man dann auch an der aus dem Winter bekannten Loipenquerung der Hochrhönstraße Richtung Thüringer Hütte vorbei. Nach wie vor gab es keine größeren Gruppen, weshalb Daniel und Heiko alles von vorne fuhren. Dies hatte den Vorteil, dass die überragende Weitsicht bei absolut wolkenlosem Himmel umso mehr genossen werden konnte.

Der Hochrhönstraße weiter nach Süden folgend, wurde nach 110 Kilometern KP3 in Bischofsheim erreicht. Hier gab es dann fast pünktlich zur Mittagszeit eine warme Mahlzeit (Nudeln mit Tomatensauce oder Gulasch so viel man wollte). Gut gestärkt ging es daher in die zweite Hälfte der Classic-Strecke. Diese sollte aber erstmal kein Vorteil sein. Direkt nach der Pause mussten die Fahrer nämlich direkt den knackigen Anstieg zum Schwedenwall und damit auch wieder nach Hessen erklimmen (https://www.strava.com/segments/14774394). Mit der prallen Sonne im Nacken, 27 Grad auf der Straße und etwas vollem Bauch konnte der Anstieg zu Beginn nicht genossen werden. Die anderen Fahrer stöhnten aber ebenfalls über die sommerlichen Temperaturen und quälten sich zum Schwedenwall hoch. Bei der nun folgenden Abfahrt nach Gersfeld konnte das erste Mal die winterliche Streckenkenntnis ausgenutzt werden. Von Gersfeld ging es dann weiter durch dünn besiedeltes Gebiet Richtung Westen. Nach ca. 130 Kilometern traf man dann auf einen Wahlmainzer, mit dem man bis zum KP6 unterwegs war. Geführt wurde weiterhin aber nur von Daniel und Heiko.

KP4 in Thalau wurde schnell erreicht und hinter den Fahrern gelassen. Der Mitfahrer aus Mainz erwies sich als geselliger Mitfahrer und gab den Fahrern des DGD Racing Team dann den wertvollen Tipp, bei KP5 auf schweres Essen zu verzichten, da direkt danach der schwerste Anstieg der Tour auf die Fahrer warten soll, mit Rampen bis zu 20 %. Bei KP5 in Oberzell wurde daher nur kurz gestoppt und dann der berüchtigte Anstieg auf der L3141 in Angriff genommen (https://www.strava.com/segments/1487207).  Die „nur“ 8 % im Schnitt werden der Härte des Anstiegs in keiner Weise gerecht und die Rampen taten nach 165 Kilometern nun schon ein etwas weh. Zum Glück hatten sich beide Fahrer noch Körner aufgehoben und konnten auch die 20 % Rampen sinnvoll hochfahren. Andere Fahrer waren da wenige glücklich und mussten ihr Rad zum Teil schieben oder Schlangenlinien fahren. Danach ging es mit zunehmend Gegenwind auf das letzte Viertel der Strecke Richtung Norden. Bedingt durch die kurzen Pausen und das flotte Grundtempo wurden jetzt vermehrt auch stärkere Fahrer einholt, die früher gestartet waren. Diese freuten sich über die Anwesenheit der Tempomacher des DGD Racing Team und versteckten sich im Windschatten (bis zu 10 Fahrer in der Gruppe). Vorne waren aber nach wie vor nur Daniel und Heiko. So erreichte man nach dem letzten richtigen Anstieg nach Buchenrod etwas erschöpft den letzten KP6.

Hier traf man Dario aus Darmstadt, der auf der langen Strecke von 256 Kilometern unterwegs war und für die Sonderauszeichnung „Bimbach 400“ an den Start gegangen war. Nach einem kurzen Plausch machten sich die Fahrer auf den letzten Abschnitt nach Bimbach. Normalerweise kann man ab KP6 nach Hause rollen. Doch bei mittlerweile starkem Gegenwind musste man in diesem Jahr noch etwas dafür tun. In der langgezogenen Abfahrt (-1 % im Schnitt) fuhr man mit solidem Tempo an teilweise fast stehenden Fahrern vorbei. Umso überraschender war es, als die Fahrer ca. 15 Kilometer vor Schluss das erste Mal von zwei Fahrern der 256-Kilometer-Runde überholt wurde (Ein Tempomacher, ein Passagier). Nach kurzem Sprint in den Windschatten waren Heiko und Daniel von der Leistung des Tempomachers sichtlich beeindruckt. Heiko hatte sich für den Schluss noch ein paar Körner aufgehoben und fuhr zum Schluss auch nochmal eine längere Führung, weshalb man in (Gegen)Windeseile nach Großenlüder kam. Von da ging es die letzten zwei Kilometer zurück nach Bimbach. Daniel (https://www.strava.com/activities/9157187699) und Heiko (https://www.strava.com/activities/9157094710/analysis) fuhren mit einem flotten 28er-Schnitt und 7h35 Nettofahrzeit durchs Ziel. Die Bruttofahrzeit betrug 8h40. Die Durchschnittsleistung betrug bei Daniel 172 Watt, bei Heiko 194 Watt.

Bevor man die Heimreise antrat, wurde sich auf dem Festplatz im Ziel nochmal gestärkt. Die sehr günstigen Essenspreise (Pommes 2 Euro, großes Bier 3,5 Euro) trugen zum sehr guten Gesamteindruck der Veranstaltung bei. Diese war perfekt organisiert und die Strecke hervorragend gewählt. Die Straßen waren auch im späteren Verlauf der Etappe fast ohne Verkehr und der Asphalt fast immer von guter Qualität. Eine Rückkehr im nächsten Jahr ist also mehr als wahrscheinlich.

Rad Race 120 – Sonthofen

Zur Enttäuschung des Trios landeten die drei Fahrer im Block C (letzter Block). Aufgrund einiger sehr großer (Mixed) Teams, von denen aber auch nur 3 Fahrer gewertet wurden im Prolog waren die ersten beiden Blöcke schnell voll. Zum Startschuss 6:45 fanden sich Daniel, Heiko und Matthias (sein 1. Radrennen) recht weit vorne in C zusammen. Auf den ersten flachen 10 km (6 davon neutralisiert) musste ordentlich Gas gegeben werden um auf eine sinnvolle Gruppe aufzuschließen. Das Frühstück wurde aufgrund der Uhrzeit erst im Startblock eingenommen, sollte aber ausreichen. Aus unerklärlichen Gründen gab es sehr knapp vor den drei Fahrer auf gerader Strecke einen Sturz der aber umfahren werden konnte. Bis zur ersten Abfahrt bei km 40 passierte nicht viel, außer dass die Gruppe sich vergrößerte. Alsbald passierte man die Grenze nach Österreich wo der schönste Streckenabschnitt begann, eine nur für Anwohner zu befahrende schmale Straße an diversen Kühen und deren Behausungen vorbei – sehr schön gelegen. Den Abschnitt mit 2 Anstiegen befuhr man zweimal, die Vorfreude war also schon groß. Die Gruppen waren jeweils von kurzer Dauer, mal setzen sich Fahrer auf der Abfahrt ab – Matthias musste sich erst an das schnelle/enge Fahren im Rennen rantasten – mal gab es an den zahlreichen Bergen Verschiebungen. Daniel und Heiko waren bemüht, die jeweilige Gruppe zu führen um Matthias möglichst nicht im Wind fahren zu lassen. Das Highlight der Etappe war Deutschlands einziger Alpenpass, der Riedbergpass. Daniel und Heiko fuhren dort mal jeweils alleine, um oben mit vollen Flaschen auf Matthias zu warten. Daniel war ob der Steilheit des Anstieges überrascht und wünschte sich Heikos Übersetzung. Auf den „Flachstücken“ mit 7% des ansonsten klar zweistelligen Anstieges musste man sich zwangsläufig erholen. Die Analyse zeigt, selbst Gruppen mit 20 Minuten Vorsprung im Ziel waren dort deutlich langsamer unterwegs. Die Abfahrt war sehr schnell, flachte aber in der zweiten Hälfte deutlich ab, sodass Daniel und Heiko wieder die Gruppe anführten. Dann kam der sehr schöne Dejavu-Abschnitt, wo beim letzten Hügel die Beine von allen schon schwerer wurden. Der Zielabschnitt war dann etwas winklig und endete mit einem Mini-Bergparkplatz. Dort war außer ein paar Drinks nicht viel zu holen, sodass nach kurzem Abklatschen und Verschnaufen (Platz 91 bei den Männer-Teams) der Rückweg zur noch leeren Expo auf sich genommen wurde. Es gab dort noch Pasta und Kaiserschmarrn dann ging es umgezogen aber ungeduscht zurück nach Darmstadt (5,5h Fahrzeit :/). Stravalink: 126km – 2300 Hm