Trainingslager Südtirol 2020: Pässequartett

Bei molligem Südtirolwetter sollte es heuer (sprich gestern, der Artikelschreiber ist im Verzug) vom Hotel Sigmundskron ins Herz der Dolomiten gehen. Fast 120 der 168 Gesamtkilometer sollten auf überhalb 1000m Höhe verlaufen (temperaturtechnisch eine gute Idee) und 3600Hm sollten verteilt auf 4 Pässe erklommen werden. Eine Abwandlung unseres beliebten Südtiroler Pässetris also, das daher wie immer in Menüform vorgestellt wird.

Gruß aus der Küche (Truden)

Nach rückenwindbegünstigtem Einrollen entlang der Etsch nach Auer sollte der Passo San Lugano den Einstieg in die Dolomiten bilden. Da die Transitstraße aber stark befahren ist, wurde, inspiriert von der Beschreibung auf Quäldich, der Schleichweg durch das wunderschöne Naturschutzgebiet Truden gewählt. Gar wunderte man sich, warum die andere Radsportgruppe im Hotel, nicht auch auf die grandiose Idee kam die Umfahrung in „dat jute Truden“ in ihre Streckenplanung aufzunehmen. Die Antwort lag dann auf der Straße. Die im Bericht beschriebene „Rampe“ bei Steigungsprozenten von 10-18 war nämlich nicht eine kurzzeitige Abwechslung im Streckenverlauf, sondern im wesentlichen der gesamte Anstieg. Früher als geplant mussten so also einige Körner mobilisiert werden, aber immerhin konnten im Ort an einem Brunnen die Flaschen aufgefüllt werden. Die Lugano-Passstraße wurde dann — zum Gesamtbild passend — über eine Abfahrt erreicht.

Vorspeise (Passo Valles)

Vom Luganopass rollte es, immer leicht bergab und mit herrlichstem Dolomitenpanama im Augenwinkel, durchs Flamstal nach Predazzo. Unterwegs kam den beiden DGD Racing Team Fahrern das Bahrain-Merida Team in Mannschaftsstärke entgegen, ehe der Anstieg zum Passo Valles (2032m) begann. Der erste Teil ist identisch mit der Westanfahrt des Passo Rolle, der seinem Namen alle Ehre machte. Nach dem Abzweig auf die schmalere Valles Straße wurden von der Beschilderung noch 8km bis zur Passhöhe ausgelobt. Tatsächlich waren es nur 6,5km die gut zu Fahren waren, nur Daniel hatte leicht zu kämpfen, da die Spritzufuhr aufgrund einer sehr dünnen Pulvermischung am Trudener Brunnen leicht ins Stocken kam. Oben genehmigte man sich eine herzhafte Mahlzeit und beobachtete eine italienische Radgruppe, deren Anführer sich direkt an der Passhöhe eine Kippe anzündete.

Hauptspeise (Passo San Pellegrino)

Die Passhöhe bildete auch den Übergang vom Trentino in die Region Venezien, die für ihren räudigen Straßenbelag bekannt ist. Die Abfahrt machte dem Ruf alle Ehre und man beschloss (logischerweise), zügig zu fahren, um das Übel so kurz wie möglich zu halten. Die Abfahrt mündete direkt in eine Wand: „3km, 15%“ kündigten den Passo San Pellegrino (1918m) an, der eigentlich als Hauptschwierigkeit des Tages angedacht war. Weil man aber schon den Gruß aus der Küche in den Beinen hatte, fühlte sich alles halb so wild an, und nach nur 12km Fahrstrecke nach dem Mittagessen wurde noch eine Strudelpause eingelegt. Zu Beginn der Abfahrt durfte der Mannschaftsbus von Quick Step bewundert werden und auf halbem Weg nach Moena kam (höchstwahrscheinlich, es fehlt der Strava-Upload) Julian Alaphilippe entgegen.

Dessert (Karerpass)

Spektakulär waren sowohl die Ortseinfahrt nach Moena (180 Grad Wende am Kreisel, die aber nicht zu vermeiden ist) als auch der Radweg durch das Fassatal (unregelmäßig eingestreute 13% Rampen, teilweise auf Pavé), die zum letzten Pass des Tages führten. Bei wenig Verkehr und viel Sonne war dieser ein reinstes Vergnügen und die böse Überraschung drohte erst, als man an der Passhöhe linkerhand auf eine dunkle Wolkenwand blicken musste. Zum Glück war die Tour am Vorabend aber umgeplant worden — statt rechts den Karerpass nass herunter zu fahren, wurde links die trockene und völlig freie Nigerpassabfahrt gewählt. Unten traf man auf den sonnigen Radweg nach Bozen und das Ausrollen zurück ins Hotel verlief vollkommen trocken, wohingegen es am Karerpass nun heftig regnete. Man darf ja auch mal Glück haben 😉

Eckdaten der Tour: 168km, 3550Hm, 26,2er Schnitt.

Trainingslager Südtirol 2020 – Ultental

Sebastian machte sich in der Nacht auf Richtung Naturnser Hochwart um den Sonnenaufgang auf 2608m üNN zu genießen und holte den verpassten Schlaf am Vormittag nach.

Der aufmerksame Blogleser wird vermutlich schon bemerkt haben, dass das Ultental in dieser Trainingswoche noch nicht befahren wurde und – da schau her – Daniel und Moritz hatten pünktlich zum Durchbruch der Sonne durch die dichten Wolkenfelder just diesen Track auf ihr Wahoo geladen. Katie stieg in den Fabia und machte eine Höhenwanderung am Ende des Ultentals rund um den Weißbrunnsee und traf zum Mittagessen auf die Radfahrer.

Die Knödlmoidl war wegen eines Trauerfalls geschlossen aber aus einem alten Blogartikel war dem Team bereits bekannt, dass sich nur 100m weiter gen Talschluss die Weißbrunnhütte befindet. Dort gab es zwar keinen Apfelstrudel aber ein flauschiger Kaiserschmarrn ist ja auch nix schlechtes.

Was zuvor auf dem Rennrad passiert war wird den Leser überraschen.

(Clickbait Pause).

Im unteren Teil setzte Daniel den Plan, gesittet bergan zu pedalieren, mustergültig mit Moritz am Hinterrad um, im oberen Teil kehrte sich lediglich die Reihenfolge der Fahrer um. Da auch an der Endlos-Gerade nicht überpaced wurde, machte der Rest der Schlussrampe sogar Spaß und auch die Zeit war nur 1min langsamer als beim Bergzeitfahren 2014. (Die Strava Analyse ergab gar, dass man damals stark angefangen und dann stark nachgelassen hatte).

Auf der Abfahrt konnte man es gut laufen lassen (82km/h Topspeed auf dem engen oberen Teil), der untere Abschnitt war sogar komplett frei und diesmal trocken, lediglich die (vermutlich) noch frische Farbe auf der neu eingezeichneten Mittellinie ermahnte zu nicht all zu experimentellen Linienwahlen. 

Trainingslager Südtirol – Gampenpass über Nals

Da Mittwoch traditionell Ruhetag ist, musste das Wetter am heutigen Dienstag entgegen der abendlichen Prognosen gut werden. Über Nacht hatte es geregnet und morgens hingen die Wolken noch tief, sodass das Ultental recht schnell aus der Diskussion war. Als Ersatzetappe hatte der Tourenplaner die allseits geschätzte Variante auf den Passo Gampo via Nals hervorgezaubert. Nach kurzem Beine (und Arsch im Falle des Teamchefs) frei fahren auf dem Highspeed Radweg  fanden sich Daniel, Sebastian und Moritz schneller als ihnen lieb war am Fuße der Rampe, die wunderbar in der Sonne lag. 

Moritz loggte 340 Watt auf seinem Velocomputer ein und fuhr in bester Chris Froome Manier extrem gleichmäßig zu einer neuen Bestzeit (43 Sekunden schneller als 2015). Die anderen beiden konnten der Strecke weniger abgewinnen und trafen weniger euphorisch am Fotopunkt ein.

Nach der flachen Ortsdurchfahrt übernahm alsbald Sebastian die Tempogestaltung und führte das Trio locker Richtung Passhöhe, bis eine Rennradlerin, die zuvor noch beim Pause machen beobachtet wurde, im Flachstück mit viel Einsatz vorbei zog. Die spannende Frage war also: wie würde die DGD Lokomotive darauf reagieren. Zunächst passierte überraschenderweise nichts, dann aber doch das zu Erwartende…

Die Passhöhe lag wie üblich in einer Wolke, sodass nicht lange rumgeeiert wurde und die flache Abfahrt Richtung Fondo direkt unter die Räder genommen wurde. Im Gegenanstieg auf den Mendelpass wählten dann nur zwei von drei Fahrern die landschaftlich reizvolle (aber mit mehr Höhenmetern gespickte Variante über Ruffre), der dritte konnte aufgrund der enormen Zentripetalkräfte nicht auf den entscheidenden Abzweig aus einer Linkskurve heraus einsteuern.

Die Abfahrt war sehr windig aber dafür komplett frei, sodass es alle drei (wiederum mit Abstand) gut laufen lassen konnten. Der Wind half dann in den Apfelplantagen den Schnitt aufzubessern, nass wurde man natürlich, wie es sich für eine Mendelpassrunde gehört auch, aber nur weil der Wind das Wasser aus den Rasensprengern auf die Straße wehte.

Eckdaten der Tour: 92km, 1800Hm, 27er Schnitt.

Katie fuhr auch Richtung Nals, machte dort aber im Gegensatz zu den anderen das einzige vernünftige, nämlich schöne Fotos 😉

Event-Kalender 2020

Auch in diesem Jahr werden die Fahrer des DGD Racing Teams wieder bei verschiedensten Rennen in Deutschland, Frankreich und Italien am Start stehen. Die gemeinsame Vorbereitung in die heuer 11. Rennsaison beginnt wie immer im Trainingslager auf Mallorca und im traditionellen Trainingslager Südtirol soll der letzte Feinschliff für den Saisonhöhepunkt Giro Delle Dolomoti an der Pedalierform vorgenommen werden.

Der vorläufige Renn- und Eventkalender umfasst unter anderem:

4.4. – 11.4 Trainingslager Mallorca

19.4. La Blé d’Or (Chartres)

26.4. Tour d’Energie (Göttingen)

1.5. Eschborn-Frankfurt

1.5. La Vélostar 91 (Breuillet)

24.5. Starkenburg RTF 222km (Darmstadt)

31.5. Rhön-Radmarathon 211km (Bimbach)

2.6. Rund um Köln

28.6. L’Alsacienne (Cernay)

11.7. – 18.7. Trainingslager Südtirol

19.7. – 25.7. Giro Delle Dolomiti

18.9 – 20.9  Riderman (Bad Dürrheim)

27.9. Les Bosses de Provence (Marseille)

Bis es losgeht, tobt natürlich noch der Winterpokal. In Abwesenheit des Seriensiegers scheint der ewige Zweite dort einem ungefährdeten Sieg entgegen zu rollen, aber im Kampf um Platz 2 ist neben Sebastian und Katie diesmal auch der Teamchef aktiv (hier klicken um heraus zu finden ob Daniel dieses Jahr mehr oder die anderen beiden weniger Punkte machen — die Antwort wird dich schockieren…).

SuperSix Evo 2020

Für die Saison 2020 wird es nach 7 Jahren eine neue Maschine für mich geben. Klar war schon länger, es sollen Scheibenbremsen sein. Darüber sollte Leichtbau nicht komplett im Vordergrund stehen. Bis vor einem Jahr hätte ich es nicht für möglich gehalten, diesen Satz so über die Lippen zu bringen. Diverse Simulationen in der einschlägigen Rennrad-Presse haben mich aber vollständig überzeugt, dass ein Mittelweg zwischen Gewichtsoptimierung und Aerodynamik auch im bergigen Terrain, beispielsweise einem Alpen Gran Fondo, am schnellsten zum Ziel führt. Nach wochenlangem Studium verschiedenster Testberichte fiel meine Entscheidung auf das komplett überarbeitete, neue Super Six Evo 2020. Die kurze Version dazu: Cannondale hat sich in den letzten Jahren als Marke bewährt, Preis x Leistung war stets super.

Die verlängerte Version der Entscheidung:

Rahmenset 

Vorangegangene Generationen des Supersix Evo haben stets mit überragender Steifigkeit, geringem Gewicht und (für Traditionalisten, aber nicht für mich, sehr wichtig) mit der klassischen Diamantform gepunktet. Das Re-Design für 2020 fiel radikal aus und bediente exakt meine Wünsche. Zunächst eine deutlich verbesserte Aerodynamik (Cannondale spricht von 30% weniger Luftwiderstand bei 48km/h; als Testgeschwindigkeit 48km/h in der Ebenen zu wählen finde ich sowieso schon grundsympathisch),  dann die Abkehr vom reinen Leichtbau-Konzept zum modernen Allrounder. Tests bestätigen aber, dass alle weiteren Charakteristiken der Vorgänger-Generationen beibehalten wurde. Schließlich, um Rainer von hibike zu zitieren, muss man“ beim Rennrad nicht schnell fahren sondern […] nur schnell aussehen“, womit wir bei der Lackierung wären.Die eher ungewöhnliche, olivgrün-glänzende Lackierung des hi-mod Dura Ace Modells traf bei mir (und am Unterrohr des Rahmens) komplett ins Schwarze! 

Technik

Shimano mag nicht sexy sein, aber die Funktionalität der mechanischen Dura Ace Gruppen ist unübertroffen. Cannondale geizt (sinnloserweise in dieser Preisklasse) mit gruppenreiner Ausstattung und verbaut Ultegra Bremsscheiben und Kasetten. Dank Treuebonus im Radladen des Vertrauens konnte aber kostenneutral upgegradet werden. Eine Ausnahme bildet die Kurbel: Dort kommt die hauseigene Hollowgram SL Kurbel mit FSA Kettenblättern und vorinstalliertem (aber für 400 Euro zu aktivierenden) Leistungsmesser von power2max zum Einsatz. Als „alter Leierer“ (Zitat Teamchef) ließ ich natürlich direkt auf Kompaktkurbel umbauen und wählte das 11-30er Ritzel, was, im Gegensatz zur Version mit Rettungsring, mit einer 3-Zähne-Abstufung im oberen Bereich gefällt. 

Ein zusätzlicher Chip von meinen Freunden von Garmin ist am Vorderrad vorinstalliert und erlaubt, neben der Geschwindigkeit bei GPS Verlust, auch ganze Touren per App aufzuzeichnen (kann nicht schaden, falls man sein Wahoo mal vergessen hat).

Komponenten

Wer den Selbstaufbau Comet Custom: Disc meets Campa verfolgt hat, wird schnell merken, dass ich hier dabei bin, das exakte Gegenteil zu tun. Sowieso hatte ich keine Wahl, denn das Super Six Evo kommt nur noch als Komplettrad mit einem Maximum an auf einander abgestimmten Komponenten, die von der Aero-Maschine System Six übernommen wurden. Diese System-Integration sorgt wie bei den Direktversendern natürlich für einen sehr cleanen Look, bedeutet aber auch, dass alle Komponenten von Haus aus passen müssen, wenn man nicht noch mehr Euronen verballern will, als der Listenpreis von 6499. Der wichtigste Punkt für mich in dieser Hinsicht: Laufräder. Die von HED gefertigten Knot45 Laufräder mit DT Naben wurden aber (mit leichten Abzügen bei der Steifigkeit) sehr gut bewertet, die Aerodynamik stimmt und das Set-Gewicht von 1560g kostet mich auch nur 120g gegenüber Daniels Bestien (Vorsicht: wordly oversetting). Imposant ist die Felgenbreite von 32mm, die aerodynamische Vorteile bringen soll und über die tubeless montierten 25er GP 5000 hinausragt.

Unnötig zu erwähnen, wie zäh das natürlich die Montage macht. Die teilweise innen verlegten Züge sorgen für ein sehr aufgeräumtes Cockpit. Eine tolle Detaillösung dabei ist, dass Vorbau und Lenker dennoch voneinander trennbar sind — die untere Hälfte des Vorbaus ist abnehmbar.

Der große Pluspunkt: Vorbaulänge und Lenkerwinkel bleiben variabel, was auch Wartung und Transport um einiges erleichtert. Der kleine Minuspunkt: Konstruktionsbedingt bringt der 110er Vorbau bleierne 208g Gewicht auf die Waage. Interessant wird auch sein zu sehen, wie sich der extrem kurze Prologo Sattel in der Praxis schlägt. Was schon nach 200m Testfahrt auf einem französischen Parkplatz begeisterte, war der Komfort am Heck: hier sorgt die D-förmige Stütze für einen Tag zu Nacht Unterschied im Vergleich zu meinem alten CAAD10. Zum schwebenden Fahreindruck passt auch sehr konsequent, dass der Freilauf fast nicht hörbar ist. Daran muss ich mich aber erst gewöhnen („ein guter Freilauf ersetzt jede Klingel“).

Das Rad bringt fahrfertig 7,66kg in Größe 58 auf die Waage. Ziemlich genau das Gewicht meines CAAD10 also, aber mit Scheibenbremsen, Aero-Cockpit und -Laufradsatz. Falls die Laborwerte stimmen, sollte ich also 2020 in allen Belangen schneller sein! 😀 Ein Testbericht sowie eine Specs-Tabelle folgen natürlich bald.