Ötztaler Radmarathon 2026

Wie bereits 2025 war der Ötztaler Radmarathon eines der erklärten Saisonziele von Moritz und Heiko. Nach der positiven Erfahrung aus dem letzten Jahr mit den Startplätzen aus der Söldener Tourismusförderung wurde erneut ein Team aus sechs Fahrern zusammengestellt, um sich gemeinsam beim Radmarathon zu melden. Erneut dabei waren neben Moritz und Heiko ebenfalls Martin und Matthias. Zum ersten Mal dabei waren Stefan und Conny. Nachdem die letztjährige Unterkunft, das Felsenhäusl, für gut befunden wurde, machte sich Heiko gut vorbereitet daran, diese erneut zu buchen. Dies sollte trotz einer sehr chaotischen Anmeldephase erneut gelingen.

Stefan und Heiko entschieden sich für eine frühe Anreise am Dienstag, um sich noch etwas an die Höhe anpassen zu können. Vor Ort wurde dann professionell mit portablen Monitoren ein Homeoffice eingerichtet. Da vor dem Ötztaler Radmarathon Erholung angesagt war, stellte dies sowohl zeitlich als auch vom Stresslevel kein Problem dar. Die anderen reisten später an und hatten weitestgehend Urlaub. Hierdurch ergaben sich leicht unterschiedliche Vorbereitungen. Die Fahrt ins Venter Tal ist dabei aus Sölden die beliebteste Strecke zur Höhenanpassung und zum Tapering der Beine und wurde von den meisten Fahrern gegenüber anderen Strecken bevorzugt.

Stefan, Conny, Martin und Heiko hatten sich für den Prolog angemeldet, um wieder über die Tombola eine Chance auf einen Start in Startblock A zu ergattern. Moritz durfte ohnehin aus A starten und Matthias war mit einem Start hinten im Feld glücklich. Leider hatten die Fahrer wie im Vorjahr kein Losglück. Eine Qualifikation über die Zeit im Prolog wurde nach dem letzten Jahr ohnehin als unmöglich befunden. Heiko sparte sich den Prolog sogar komplett, da es regnete und man für die Tombola den Prolog nicht mal fahren muss.

Eine weitere Neuerung im Vergleich zu 2025 waren die selbst angemischten Sportgetränke. Dabei setzten Stefan, Heiko und Moritz auf verschiedene Konzentrationen der gleichen Mischung mit einem Fructose-Glucose-Verhältnis von 1:0,8. Insbesondere für die ambitionierten Fahrer war es das Ziel, möglichst viele Kohlenhydrate pro Stunde aufzunehmen. Heiko peilte 150 Gramm pro Stunde an. Dies sollte verhindern, dass er wie im letzten Jahr am Timmelsjoch krachen geht. Ebenfalls konnten die Fahrer des DGD-Racing-Teams mit Daniel Körnlein auf einen Helfer setzen, der ihnen ca. nach der Hälfte der Strecke in Thuins Verpflegung anreichen würde. Dies sollte als weiterer Faktor für eine bessere Verpflegung sorgen.

Für den Renntag war perfektes Wetter angekündigt. Am Start angenehme 8 Grad und leichte Bewölkung und im Laufe des Tages aufkommender Sonnenschein bei bis zu 25 Grad in St. Leonhard. Kein Vergleich zur klirrenden Kälte vom Start 2025 oder der Gluthitze von der Sommeredition 2023.

Rennen von Heiko:

Mit ca. 3 Kilo mehr Gewicht als im Vorjahr ging es Heiko bei der diesjährigen Austragung vor allem darum, die Kohlenhydrataufnahme zu optimieren und auch am Timmelsjoch noch halbwegs frische Beine zu haben. Ebenfalls wurde sich vorm Ötztaler nochmal dediziert mit langen Trainingseinheiten im Schwellenbereich vorbereitet. Leider fiel Heiko bei der letzten Testfahrt unglücklich auf die Hüfte. Zum Glück war diese nur geprellt. Das war zwar ärgerlich und tat auch während des Rennens noch weh, sollte aber eigentlich keinen Einfluss auf die Leistung haben.

Ohne Druck stellte sich Heiko zusammen mit Conny und Stefan gegen 5:50 an den Start in Block B. Aufgrund des guten Wetters waren bereits ca. 2000 Fahrer vor den Fahrern in Block B. Dadurch fuhr Heiko erst um 6:36 Uhr über die Startlinie. Da im Startblock B die Nettozeit gilt, muss dies nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. Heiko pflügte sich diesmal alleine elegant mitten durch das Feld und erreichte nach gewohnt rasanter Fahrt nach knapp 35 Minuten den Anstieg zum Kühtai. Einen Tempomacher wie im Vorjahr gab es leider nicht. Nichtsdestotrotz konnte sich Heiko bis nach Ötz bis auf Platz 350 vorarbeiten.

Das Kühtai ging es dann streng nach Plan mit 280 Watt hoch (ca. 85 % Schwellenleistung). Auf dem Weg nach oben traf Heiko auf Ellen von MSM Coaching, die er dann in seinem Schlepptau bis nach oben zur ersten Verpflegung begleitete. Wie üblich bekamen die Fahrer um Heiko herum ihre Verpflegung angereicht, während Heiko an der Labestation anhalten musste. Hier wurde er aber auf F1-Niveau von den Helfern in deutlich unter einer Minute mit Gels und neuen Getränken versorgt. Auf der schnellen Abfahrt nach Innsbruck konnte Heiko die Fahrer, die ihn während der Pause überholt hatten, problemlos wieder einsammeln.

Bis Innsbruck sammelte sich ein großes Feld von ca. 60 Fahrern. Eigentlich perfekt, um bei dem leichten Gegenwind am Brenner ohne viel Aufwand bis nach Sterzing zu rollen. Leider war sich die Gruppe uneinig und der eine oder andere übermotivierte Fahrer versuchte, zu attackieren. Da dies bei Gegenwind absolut sinnlos ist und Heiko sich darüber ärgerte, fuhr er eine der Lücken höchstpersönlich wieder zu. Leider resultierte dies bis zum Brennerpass in einer deutlich langsameren Zeit als im Vorjahr. Am Brenner konnte das erste Mal auf Verpflegung verzichtet werden und so ging es direkt in die kurze Abfahrt nach Sterzing. Hier war Heiko in einer schnellen Gruppe, die bis zur scharfen Rechtskurve in die Ortsrampe von Sterzing gut Tempo machte. Dort fuhr Heiko diesmal mit gedrosseltem Tempo hoch, da er auf dem Feld zwischen Sterzing und Thuins die Verpflegung von Körni erwartete. Dieser stand ca. 100 Meter hinter der vereinbarten Position und reichte Heiko zwei neue Flaschen sowie Gels an. Nach einer kurzen Pinkelpause fuhr Heiko dann weiter in den Jaufenpass.

Am Jaufenpass waren die Beine noch deutlich besser als in den Jahren davor und Heiko konnte noch ziemlich genau im Plan mit 270 Watt den Jaufenpass hochfahren. Einzig die Oberschenkelrückseite machte Heiko muskulär langsam zu schaffen. Leider war dies abzusehen, da Heiko bei langen Fahrten auf dem Rad immer wieder einer vorzeitige Ermüdung feststellen konnte. Hier kann hoffentlich im Winter eine Nachjustierung der Position auf dem Rad Aushilfe schaffen. An der Labestation kurz unter dem Pass traf er dabei überraschenderweise auf Moritz. Dieser berichtete darüber, dass er sich krank fühle und sich nicht sicher sei, ob er weiterfahren solle. Heiko überlegte kurz und rechnete dann vor, dass man selbst bei langsamer Fahrt von hier mit dem Rad schneller im Ziel ist, als man auf den Besenwagen warten müsse. Dies überzeugte Moritz, gemeinsam weiterzufahren.

Die nicht endend wollende Abfahrt am Jaufenpass wurde gekonnt am Hinterrad von Moritz bis nach St. Leonhard navigiert. Dann ging es das Timmelsjoch hoch. Heiko und Moritz entschieden sich dazu, weiterhin gemeinsam zu fahren. Dabei wurde stets aufeinander gewartet. Heikos Beine waren zwar zunehmend müde, 240 Watt im Schnitt konnte er aber immer noch aufbringen. Ohne die muskulären Probleme wäre bestimmt noch mehr drin gewesen. Verpflegungstechnisch lief diesmal alles nach Plan.

Auf der Abfahrt vom Timmelsjoch wurde nochmal gut Tempo gemacht und bis nach Sölden konnten sogar nochmal einige Fahrer überholt werden. Belohnung der Mühen war eine gemeinsame Zieleinfahrt nach Sölden nach einer Nettozeit von 8:11:19,7. Damit konnte sich Heiko bei besten Bedingungen im Vergleich zum Vorjahr nochmal um 12 Minuten steigern.

Verpflegungsstrategie:

AbschnittDauerMechanische Energie (lt. Strava)*VerpflegungZucker (in Gramm / kcal)**
Ferienwohnung → Sölden → Ötz → Kühtai2:30 h1570 kJ2 Flaschen mit 375 Gramm Zucker + 2 Gels mit je 25 Gramm Zucker425 Gramm / 1615 kcal
Kühtai → Thuins2:15 h1483 kJ2 Flaschen mit je 90 Gramm Zucker + 2 Gels mit je 25 Gramm Zucker230 Gramm / 874 kcal
Thuins → Jaufenpass1:00 h1011 kJ1 Flasche mit 125 Gramm Zucker +
2 Gels mit je 25 Gramm Zucker
175 Gramm / 665 kcal
Jaufenpass → Schönau1:40 h1177 kJ1 Flasche mit 125 Gramm + 4 Gels mit je 25 Gramm Zucker225 Gramm / 855 kcal
Schönau → Ziel1:25 h988 kJ1 Flasche mit 90 Gramm Zucker + 2 Gels mit je 25 Gramm Zucker140 Gramm / 532 kcal
Gesamt8:50 h6229 kJ1195 / 4541 kcal

*Annahme: 1 kJ mechanische Energie am Pedal entsprechen ca. 1 kcal metabolische Energie unter einer Annahme von 24 % Effizienz: 1 kJ ≈ 1 kcal

**Annahme: Zucker wird im Körper zu ca. 3,8 kcal/g metabolisiert.**

Rennen von Moritz:

Mit seiner Vorjahreszeit hatte Moritz sich für den ersten Startblock qualifiziert und sein Ziel war klar: Unter 8h fahren. Mit einer reibungslose Vorbereitung von 10.000 gut strukturierten Trainingskilometern bis zum Tag des Ötztalers standen die Zeichen so gut wie noch nie und Vergleiche mit den Leistungs- und Körperwerten des Vorjahres ließen eine Zeit um 7:50 realistisch erscheinen. Die Ernährungsstrategie war ebenfalls denkbar einfach: 1000g Race Carb in der hinteren Falsche (diesmal mit zusätzlichen Mineralien angereichert) stehen für 3150 Kcal und der Restbedarf sollte mit jeweils 2 Gels (25g Zucker) und einer gut trinkbaren Flasche Hausmischung bzw. Powerbargesöff des Veranstalters (60g Zucker) an den vier geplanten Verpflegungsstationen erarbeitet werden.

Da 7:50 immer noch einen Platz im hinteren Drittel des ersten Startblocks bedeuten, versuchte Moritz sich erst gar nicht, irgendwo in der Ausstellung zu platzieren sondern rollte zum quasi spätest möglichen Zeitpunkt um 6h13 in den Startblock. Das Rennen bis Ötz verlief so weit vorne natürlich sehr entspannt und auch, dass sich das Feld teilte und Moritz sich im hinteren Abschnitt befand, war kein Grund zur Aufregung. Am Kühtai fuhr Moritz dann streng nach Vorgabe (295W) und damit 3 Minuten schneller als im Vorjahr. Mit einer Gruppe, die später allesamt um die 7:40 finishen sollten, wurde die Passhöhe erreicht und Moritz nutzte, dem Anschein nach als einer der ersten Fahrer überhaupt, die offizielle Verpflegung. Für die Abfahrt war das dank guter Aerodynamik kein Problem und bis Mitte des Brenneranstiegs fühlten sich die Beine sensationell frisch an, im Kopf wich das ‚ob‘ die 8h unterboten werden würden dem ‚um wie viel‘ und wenn man überlegt, dass bis zu diesem Zeitpunkt 5min auf die Vorjahreszeit herausgefahren wurden und im Vorjahr hinten raus die Kraft fehlte, war das vielleicht sogar der Situation angemessen. Wie dem auch sei, es kam alles ganz anders.

Los ging es im letzten Steilstück zur Brennerhöhe, als Moritz plötzlich mit einer verstopften Nase und Husten zu kämpfen hatte. Um nach dem rechten zu sehen, wurde ungeplant die Verpflegung angefahren. Dabei machte sich auch eine zumindest ungewöhnlich warme Stirn bemerkbar. Nach kurzer Bedenkpause ging es weiter, an der Verpflegung bei Daniel Körnlein muss Moritz schon einen ziemlich erschöpften Eindruck gemacht haben und spätestens zur Mitte des Jaufenpass war klar, was eigentlich ja schon am Brenner klar war: Moritz war mit einer unentdeckt gebliebenen Erkältung an den Start gegangen, die nun zur Rennmitte durchgebrochen war. An der Verpflegungsstelle diskutierte Moritz verschiedene Optionen durch, inklusive Anruf zu Hause und dem Gedanken auszusteigen. Wozu er sich entschieden hat, steht schon in Heikos Bericht.

Was optimistisch stimmt: Mit 7:56 war die Nettozeit trotz allem sogar schneller als letztes Jahr. Den Abfahrtsskills sei Dank 😀

Rennen von Stefan und Conny:

Mit Arm- und Beinlingen ausgestattet stand Stefan mit Conny um 5:45 Uhr im Startblock B. Stefans Wattmesser entschied sich trotz Startschuss, nicht am Rennen teilzunehmen. Die vorher festgelegte Pacing-Strategie war demnach komplett nutzlos. Der Joker hieß Constantin Weihrauch, der auf der Abfahrt nach Ötz bei Stefan geblieben ist. Wobei ein Blick auf die Prolog-Ergebnisse Conny vs. Stefan (Zeit vs. Watt) auch nicht unbedingt auf eine hochpräzise Messung bei Conny schließen lässt. (Anm. d. Red.: Beide Fahrer sind gleich schwer.)

Am Kühtai gab es erstmal einen kleinen Stau – gefolgt von einer schnellen Pinkelpause. Die Stimmung war gut, lockere Gespräche und tolle Morgensonne ergänzten den gelungenen Start.
Wie geplant füllen oben beide ihre Flaschen auf. Die Abfahrt Richtung Brenner verlief unauffällig. Im Vorfeld wurde vor Weiderosten auf der Abfahrt gewarnt, diese konnten jedoch einfach mit > 70 km/h überfahren werden.

Im Bilderbuch-Leitfaden über Ötztaler-Pacing wird immer von guten Brennergruppen-Auffahrten geredet. Zielleistung wird für diesen Abschnitt in der genannten Literatur nicht definiert. Woran man eine gute Gruppe erkennt? Diese Frage ist abschließend nicht geklärt. Conny fuhr z. T. 280 Watt, um eine Lücke zu schließen. Nachdem die Gruppe wieder auseinandergefallen ist, fährt Stefan dieses Mal eine Lücke zu. Oben angekommen wird die Verpflegung geskippt – der Grund: Daniel K. steht als Edelhelfer nach der Brennerabfahrt in Sterzing und reicht neue Flaschen sowie ISO an. Stefan nutzte die Pause zusätzlich, um den naiven Versuch zu starten, den Wattmesser neu zu pairen … Natürlich ohne Erfolg.

Der vorletzte Pass der Rundfahrt ist der Jaufenpass. Auch dieser wird vom Duo (Stefan/Conny) gemeinsam erklommen. Ca. 220 Watt als Durchschnittsleistung. Stefans Beine sind weiter gut, Conny beginnt, die 3.500 hm langsam zu spüren. Als der Berg erklommen ist, will Conny eine Windweste überziehen – es folgt die Aufforderung an Stefan: „Fahr alleine, ich kann nichts mehr für dich tun.“

Der letzte Anstieg ist das Timmelsjoch. Der aus YouTube bekannte Science-Coach (Lukas Löhr) reicht Stefan am Fuße des 1.800-hm-Passes ein Gel. Die Sonne brennt runter, der Puls geht auf 165 bpm. Ob das nun viel oder wenig ist, kann Stefan nicht einschätzen – es bleibt die Angst, krachenzugehen. Um sich etwas besser einzuschätzen, werden fremde Radfahrer auf Gewicht und aktuelle Watt-Angabe angesprochen. Als die Kehren beginnen, wird das Tempo verschärft – „Jetzt kann ja nichts mehr passieren“ –. Aufgrund der eher konservativen Pace zu Beginn sollte Stefan Recht behalten. Dutzende Radfahrer konnten überholt werden. Im fast unbeleuchteten Tunnel kommt es dank Sonnenbrille und Unfähigkeit eines SRAM-Schaltungs-Nutzers fast zur Kollision – als selbiger mitten auf der Straße auftaucht. Der Kommentar von Stefan, er stehe da sehr schlecht, wurde mit „Ich weiß, aber Kette ist unten“ gekontert. Eventuell nicht die beste Idee, im dunklen Tunnel unbedingt das Kettenblatt zu wechseln … Die Stimmung auf der Strecke ist ansonsten extrem gut. Sehr viele Zuschauer feuern einfach an. Und zwar jeden, der vorbeikommt. Der Radsport bleibt stabil!
Apropos stabil … Conny kämpfte ab 60 % des Timmelsjochs – kurz vor Ende war es so schlimm, dass er wegen eines Krampfes absteigen musste und nur durch Hilfe von einer Zuschauerin wieder aufs Rad gekommen ist. Die Auswertung ergibt später: Conny hat ca. 45 min auf Stefan verloren. Stark von ihm, sich so für Stefan aufzuopfern.

Deutschlandtour Heilbronn

Aufgrund nicht erneuter Teilnahme beim Ötztaler hatte Daniel Lust auf etwas Neues. Passend dazu wohnen Bekannte von Alex im Start/Zielort Heilbronn, sodass er die Startunterlagen für Daniel und für sich am Samstag abholen konnte. Start war 8:15 Uhr, es war gutes Wetter aber natürlich recht frisch um diese Uhrzeit. Gut positioniert in Reihe 3 im A-Block ging es durch die Stadt im Feld. Dabei ging es ein paar Reihen rückwärts, was aber durchaus kalkuliert war. Die Streckenteilung (km 15) war unproblematisch und bei km 19 kam direkt ein schmaler, steiler Anstieg, der das Feld auseinanderzog. Diverse Kettenabwürfe wurden gesichtet und natürlich ging eine Lücke auf der Kuppe auf, direkt vor Daniel. Der zum Schließen notwendige Sprint war leider schon aufgebraucht, sodass gewartet wurde. Es bildete sich eine recht große Gruppe, die an den folgenden „langen“ Anstiegen bis auf wenige (sinnlose) Attacken jeweils von Daniel angeführt wurden (fühlte sich zum Teil wie Sepp Kuss), um das Tempo für die sogenannten „Drücker“ möglichst hoch zu halten. Die Abfahrten fuhren sich recht entspannt, nur ein paar Locals konnten sich temporäre Vorsprünge erfahren. Vorne wurde einigermaßen sinnvoll gekreiselt, sodass zumindest von hinten keine weiteren Gruppen aufschließen konnten. Eine Schrecksekunde gab es beim vorletzten Hügel, als eine schwarze Katze auf die Straße sprang, gerade als Daniel ein letztes Gel inhalierte. Dementsprechend einhändig war das Ausweichmanöver ein wenig unkontrolliert, passiert ist aber nichts. Die Rennverpflegung (1 Riegel am Start, 3 Hydrogels und 2 Flaschen mit 90g) war knapp, aber ausreichend. Auf dem etwas flacheren Teil kurz vom Jägerhausanstieg (den die Profis dreimal fuhren) war etwas Schonung angebracht. Das Steilstück am Weinberg war dann wie erwartet hart, überraschend kam der Antritt über die flachere Kuppe von den beiden Drückern der Gruppe – Respekt. Auf der Abfahrt und der Zielanfahrt trauten sich keine Fahrer mehr Attacken zu, den Zielsprint schenkte sich Daniel wie fast immer. Die Gruppengröße war jedoch deutlich geschrumpft auf 12 Fahrer, mit dem Gruppenersten als Gesamtplatz 49. Die Strecke und das Rennen waren super, Alex konnte ebenfalls eine gute Leistung zeigen. Danach ging es zu seinen Bekannten duschen, Pizza essen und die Profis an der Strecke anfeuern. Stravalink 

Trainingslager Südtirol 2026: Giro Della Marmolada

Schon seit einiger Zeit, präziser seit der 3. Etappe des Giro Delle Dolomiti 2019 mit Zeitfahren zum Passo di Fedeia, auf der seiner Zeit der express français seiner Zeit einen Ex-Profi kaputt fuhr, Sebastian Bechtel hier noch mit Begeisterung Rennberichte schrieb und auf der Felge gebremst wurde. Ok wie auch immer, dieser Satz ist nicht mehr zu retten. Jedenfalls, hatte Moritz seit 7 Jahren die Idee, die Marmolada in den Dolomiten zu umrunden.

Am gestrigen Donnerstag war es so weit: Als Langsstreckentraining machten sich die diesjährigen Ötzi-Starter Stefan, Heiko und Moritz bei allerbestem Sommerwetter um 8:15 auf den Weg zu 175km mit 4850 Höhenmetern. Startpunkt war ein kleiner Wanderparkplatz an der Nigerpass Straße unweit von Schloss Prösels den Stefan und Heiko von Lana gut mit den Auto erreichen konnten und Moritz in voller Abfahrt von seinem Quartier in Tiers bei 70km/h fast verpasste. Kurz wurde diskutiert, dass die Autofahrer ganz am Ende aufpassen müssen, hier nicht vorbei zu rauschen. Der offensichtliche Hinweis wurde vor allem von Stefan belächelt. Sollte sich rächen. Auf dem Passmenü standen die Pässe Pinei, Sella, Fedeia, San Pellegrino und Costalunga.

Bei bereits sommerlichen Temperaturen gab Stefan ein beachtliches Langstreckentempo am Passo Pinei vor. Nach kurzer Stärkung in Castelrotto wurde die Passhöhe erreicht und schnell fanden sich alle drei im Anstieg zum Sellajoch. Das von Jahr zu Jahr schlimmer werdende Autoproblem auf der Sellarunde konnte mit dem Wechsel auf die Sellajochstraße bestaunt werden: Stau. Zum Glück können Radfahrer auf den frisch ausgebauten Radweg wechseln und den schlimmsten Abschnitt bis Wolkenstein ungestört umfahren. Hoch zum Sellajoch ließ der Verkehr dann nach (wahrscheinlich steht in den englischsprachigen Touristenführen ‚enjoy Sellaronda in clockwise direction right from the driver’s seat‘) und alle drei fuhren ihr eigenes Tempo.

Oben auf 2218m wartete der zweite Strudel des Tages, bevor die schöne Abfahrt nach Canazei führte und sich am Passo die Fedeia das gleiche Spiel wiederholte: jeder im persönlichen Wohlfühltempo, oben Strudel, wobei Stefan auf den Geheimtipp Tiramisu wechselte. Wird nach übereinstimmender Einschätzung am Ende der Tour auch ein Geheimtipp bleiben.

Danach stand Neuland auf dem Programm, denn bei allen früheren Besuchen am Fedeia-See war man stets umgedreht und wieder zurück nach Canazei gefahren. Diesmal gönnten sich alle drei aber die rasante Abfahrt nach Caprile. Dort wurde im oberen Teil F1 Belag aufgetragen und mit zwei Baustellenampeln Einbahnstraßenverkehr eingerichtet. Natürlich war die Ampel auf Rot und um den Rest der Abfahrt nicht von hinten bedrängelt zu werden, schlug Heiko vor, den ebenfalls wartenden Motorradclub vorzulassen. Womit niemand gerechnet hatte war aber, dass es auf der 14% steilen Endlosgerade im mittleren Teil der Abfahrt den Clubmitgliedern ein wenig an Mut fehlte, genauer gesagt blockierten sie mit ihrer 95km/h-Trödelei die heranrauschenden Moritz und Heiko und nur der letztgenannte konnte im Windschatten die 100km/h Marke übertreffen. Im Val Cordevole (man befand sich nun in den südlichen Dolomiten; Provinz Belluno) setzte Moritz als Lokomotive dem Gegenwind zum Teil mehr Watt entgegen, als in den Anstiegen, aber dafür konnte, mit einem langen Tunnel als Ouverture (selbstredend waren alle Lichter leer, weil sie nach den Eingangstunneln vor Castelrotto nicht ausgeschaltet wurde), die Hitzeschlacht am Passo San Pellegrino schneller als gedacht begonnen werden.

Bevor die Frage hier aufkommt, hier schon mal die Antwort: Hat nix mit einer Submarke von Nestlé zu tun – San Pellegrino Terme liegt in Nähe von Bergamo. Von Cencenighe Agordino aus überwindet der Pass immerhin 1065Hm, ist dabei im unteren Teil nicht übermäßig steil, was sich aber spätestens am Schild ‚15% – 3km‘ am Abzweig zum Passo Valles ändert. Dort war bei der DGD Erstbefahrung des Pellegrinos anno 2020 der Startpunkt. Heiko und Moritz testeten, ob zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Tour die Beine noch klar über 300W hergeben können, was dank guter Verpflegung bejaht werden konnte. Stefan setzte sein Langstreckentempo fort und machte an der Passhöhe die 4000Hm voll – PB noch vor der Befahrung des Passo Costalunga.

Der letzte Pass bei einer so langen Tour ist natürlich immer etwas ganz besonderes und wird in diesem Artikel mit ähnlich vielen Worten bedacht wie während der Auffahrt gewechselt wurden. Der Übergang zum Nigerpass war dann wieder wohlbekanntes Terrain und während Moritz in Tiers schon Feierabend hatte (die 130Hm hoch zum Thalerhof mal ausgenommen) rollten Heiko und Stefan weiter bergab, verpassten natürlich in voller Abfahrt den Parkplatz und gönnten sich deshalb auch noch kanpp 150 Bonushöhenmeter.

Trainingslager Südtirol 2026 – Mendelpass

Mit dem inzwischen traditionellen Zwischenstopp beim Holländer in Berwang waren Stefan und Daniel bereits kurz nach 9 in Bozen beim Decathlon und um 10:00 mal wieder im Günzelgut in Lana. Kurz danach kam Heiko, dieses Mal auch direkt aus Darmstadt angereist. Die Egert Family macht in der ersten Woche einen separaten Urlaub am Fuße des Nigerpasses, mit weniger Radsportfokus. Ganz klassisch wurde der Track aus 2015 aus dem Repertoire gezogen. Am Vorberg nach St. Pauls musste jedoch noch eine neue Rampe nach Missian gefahren werden – Straßensperrung explizit auch für Radfahrer. Der Mendelpass wurde dann komplett ab der Straße in Angriff genommen. Geplant waren z.T. Intervalle, aber keiner der Fahrer wollte oder konnte diese wirklich umsetzen. Oben gab es dann einen neuen Strudel in der „neu“ eröffneten Bar gleich rechts hinter dem Passschild. Zum Gampenpass wurde gemütlich pedaliert, die Abfahrt war frei, es gab lediglich ganz oben und kurz vor Lana eine Baustellenampel. Dann ging es in den schön gestalteten Pool vom Nachbarhotel (legal!) und ein sehr ungefährdeter Pedersen Sieg kam bei der Tour.

Strava

Trainingslager Mallorca 2026 – Valldemossa

Die innovative Tourenplanung setzte sich fort. Der Küstenklassiker wird wieder komplett aber erstmals gegen den Uhrzeigersinn gefahren und daher wurde eine neue Etappe aus dem Hut gezaubert. Flach und mit Rückenwind durch die Gärten in Richtung Westen ging es zu sechst los. Die Wolken waren recht tief und sahen bedrohlich aus – entgegen der Wetterprognose vom Vortag. Auf Heikos Schulter machte sich eine Wespe bequem, die Sebastian fachmännisch mit einer Luftpumpe entfernte.

Der Espresso wurde nach 38 km in einer einheimischen Lokalität in Santa Maria del Cami eingenommen, wo am Vorabend der Bär steppte – zumindest war noch viel Geschirr auf allen Tischen verteilt. Stefan musste aufgrund einer Kniereizung umdrehen, es waren also nur noch fünf. Auf einer Streckenerstbefahrung nach Valldemossa ging es dann weiter, es war nur überraschend viel Verkehr. Heiko nutzte die moderate Pace zu einem kurzen beruflichen Call, Conny konnte seine filmografischen Künste (Zusammenschnitt folgt noch) in Szene setzen. In der Gastronomie im Port de Valldemossa musste drinnen der Kuchen verspeist werden, die Wellen waren dafür sehenswert. Moritz wärmte die Beine schonmal an, die anderen vier fuhren Sebastians Bummeltempo die schmale Stichstraße wieder hoch. Mittagspause gab es in einem echten Hipster Café in Deia. Gut, langsam und nicht günstig, dafür gut besucht – die Gerichte bedurften jedoch auch eine gewisse Zubereitungszeit. Der Trubel in Soller wurde damit geschickt eingespart, dazu konnte Mallorcas Hauptanstieg erstmalig vollständig bezwungen werden.

Sebastian passierte das untere Schild als erster, mit dem Vorsatz sehr gemütlich zu fahren und kam damit als vorletzter am Treffpunkt (Kiosk) an – es wurde am Ende dann noch zügiger. Moritz und Daniel pedalierten zusammen hoch, Daniel übernahm auf den flachen Stücken die Führungsarbeit (es war Gegenwind) und versicherte auch oben nicht vorbeizufahren – es wurde zügig aber nicht am Limit gepaced. Heiko machte sein eigenes Tempo knapp dahinter, er holte eine Rennradlerin ein, die dann aber eine harte Attacke lancierte. Die sonstigen Radfahrer waren eher touristisch unterwegs, trotz Begleitfahrzeugen. Conny musste sich aufgrund des heimgekehrten Pacemakers auf sein Gefühl verlassen, und machte aufgrund seiner hohen Felgen auf der windigen und sehr kalten Abfahrt ruhig. Am Kiosk wurden nicht ganz günstige dafür aber heiße Heiße Schokolade getrunken. Die Windböen blieben danach aus, es war aber weiterhin kühl. Die Abfahrt nach Caimari wurde durch einen Reisebus blockiert, nur Sebastian konnte per Max Verstappen Manöver vorbeistechen.

Der letzte Kaffee und Kuchen/Keks Stopp war dann wieder Hipster Style – dank früher Abfahrtzeit ganz locker vor Ladenschluss. Es kam für die letzten 25 km die Sonne heraus, der Wind kam dafür wieder stramm von vorne. Dank guter Ernährung, ein Dank an den Teamalchimisten, konnte aber solide zu Ende gefahren werden. Stravalink

  • IMG_1457
  • IMG_1459
  • PXL_20260331_083133330