Südtirol 2021 – Redebus und Gastrotipps

Am letzten Tag am Lago in Calceranica wurde eine recht milde Etappe auf der Standardseite des Redebus Passes geplant. Trotz mehrerer Flüssigkeitsentleerungshalte kamen Daniel, Moritz und Sebastian entspannt bis zur letzten 180° Kehre kurz vorm Gipfel. Bis dahin gab es zwar zahlreiche Geraden aber keine Steigungen jenseits der 8 Prozent und sogar einige Flachstücke. Dank des Gewitters am Vorabend war die Luft wieder klar und es trübten nur wenige Wölkchen den Himmel. Die letzten 1,7 km nutze Moritz zu einem Formtest für die kommenden Giro-Sprints, mit sehr gutem Ergebnis. Daniel war dem Vorhaben nicht abgeneigt, aber die Schale Müsli vor drei Stunden war etwas zu mau um komplett mitgehen zu können – sodass nach 500m Piano gemacht wurde. Strudel gab es erst im nächsten Ort, am Passschild war das Lokal (noch) geschlossen. Es folgte die ultra steile Abfahrt mit diversen >15% Passagen mit schlechtem Belag und etwas erhöhtem Kiesanteil – dennoch mit 80+ km/h zu befahren. Aufgrund Daniels verquerem Anspruch nicht zu viel doppelt zu fahren, plante Moritz die Abfahrt nach Pergine um – gleiche Länge, besserer Belag und schneller zu fahren, aber auch ein paar (rote) Ampeln im Ort waren das Ergebnis. Eckdaten der Tour: 61km – 1100Hm.

Am Vorabend konnte das zweite kulinarische Highlight der Woche erkundet werden. Im Gegensatz zur besten Pizzeria Norditaliens (Da Albert in Trento) die noch die gleiche Karte wie vor drei Jahren hatte, gibt es beim Castel Pergine Neuerungen. Im Castel selbst ist das Restaurant zu einem Hotel und Eventlokal umgeändert wurden, dafür gibt es jetzt in einem historischen Pferdestall 40m unterhalb des Torbogens ein neues Lokal – Locando Ca’Stalla, geführt von einem sehr jungen und Sympatischen Inhaber Francesco. Alle Zutaten sind gemäß Slow-Food sehr lokal, selbst der Spumante kommt aus dem Nachbarort und die Karte sehr klein. Das Tagesmenü mit 4 Gängen war sehr lecker und mit 40€ auch nicht teuer. Die Kinderfreundlichkeit der Bedienung und der alten Dame am Nachbartisch (die Rosalie mit Italienisch regelrecht begeisterte) waren ebenfalls hervorragend. Abgerundet wurde das Dinner mit 15 Jahre altem Grappa aus dem Barrique. Die sonstigen Abendessen am See waren dieses Mal mit Schwerpunkt auf das Restaurant Europa (Qualität und Auswahl ist sowieso bei allen 3-4 Lokalen vor Ort ähnlich) gelegt, denn durch den neu mit Kunstrasen erschlossenen Außenbereich ist viel Platz zum Krabbeln.

 

Südtirol 2021 – Pannarotta

Weiter geht es mit neuen Strecken, dieses Mal wurde der dritte Anlauf gestartet den Hausberg von Pergine komplett zu fahren. Mit schmalerer Besetzung ging es erst für Katie solo los kurz nach halb neun in den noch nebligen Anstieg. Sie fuhr ihren zweitlängsten Anstieg der Radkarriere ohne Probleme hoch, es wurde lediglich von „es war schon anstrengend“ berichtet. Ohne Einkehr ging es dann wieder zurück zum Lago, an dem Sebastian ein Entspannungsründchen (mit 300 Hm) absolvierte. Moritz schlug zum Anstieg ein sehr moderates Plauschtempo an und dank ein paar umgefallener Bäumen hatte man auch eine gute Aussicht auf die Berge rundherum. Der Anstieg war etwas dankbarer als in der Erinnerung gespeichert, aber auch kein Rollerberg mit Steigungskilometern zwischen 7 und 9%. Die Eckdaten mit 15 km und 1200 Hm sprechen auch eine klare Sprache, der verlassene Hausberg mit schmalem Sträßchen braucht sich nicht vor den Pässen der Tour de France zu verstecken. Das Ziel war ein großer Parkplatz am Skilift, wo nach einem kleinen Fußmarsch die auch im Sommer geöffnete Skihütte erreicht wurde. Die Wahl der Verpflegung war sehr vielschichtig: heiße Schokolade mit Sachertorte und Gulaschsuppe mit Cola wurde gewählt, dazu dudelten absolute Welthits der Italo-Français-Discoszene aus den Außenlautsprechern.

Die Abfahrt war gut und zügig zu fahren, die beiden Autos machten freiwillig Platz. Lediglich ein Baumfäll-LKW der die rechte Spur okkupierte, kam ein wenig aus dem nichts. Eckdaten der Tour (48km 1400Hm).

Südtirol 2021 – Monte Bondone

Trotz sehr schwerer Beine von der Wanderung am Vorvortag ging es für Sebastian als ersten den Hausberg von Calceranica hoch, die Einfahrstrecke wurde dankenswerterweise um Faktor zehn verlängert auf 3km. Daniel und Moritz versuchten kurz Daniels Trittfrequenzmesser nach gewechselter Batterie zu aktivieren (vergeblich die Knopfzelle war verpolt einbaut) was Sebastian einen Vorsprung verschaffte der bis oben reichen sollte – das war aber alles human und Einrolltempo. In Aldeno machten die beiden dann Riegelpause (1 von 2 Fahrern hatte welche dabei) und Daniel war überzeugt, dass 15 Minuten Vorsprung von Sebastian locker aufzuholen seien. Moritz gab die Pace vor, die aber nach der Pause für Daniel zu forsch war, gerade weil die ersten 3km eher über 10% Steigung hatten. Im Gegensatz zu Sebastian, der sich auf die wie immer äußerst präzisen Passbeschreibungen des Teams verlassen musste, kannten die anderen Fahrer den Anstieg sehr gut aus den Leggendaria-Rennen. Moritz fuhr dann auch nach 17/20 km an Sebastian vorbei, der Urheber der 15 Minuten Schätzung musste sich trotz guter Pace und eigentlich guten Beinen mit Platz 3 begnügen. Während Moritz 5 Minuten auf seinen PR fand, waren es bei Daniel „nur“ 1 Minute. Oben wurde dann der traditionelle Strudel mit Colabegleitung eingenommen, dann ging es weiter zum Passschild. Dort hatte Sebastian ein sehr spezielles Vorhaben – die Fanbase des DGD Racing Teams verlangte nach mehr Action – here we go:


Die Abfahrt wurde gestaffelt gefahren und es gab keinen störenden Verkehr. Entgegen kam u.a. ein Belgier der trotz Wohnanhänger eine der flacheren breiten Serpentinen schneiden wollte und klassisch aufsetze. Kurz vor Trento am Stoppschild zur Bundesstraße die man nur 500m fahren musste gab es den Teamzusammenschluss. Dort machte Sebastian die Erfahrung dass die Bremse Geschwindigkeit in Temperatur (Felge) umwandelt. Durch Trento ging es gut durch, die letzten 300 Höhenmeter des Tages wurden bei sehr sommerlicher Witterung gut hochpedaliert, selbst durch die (schwache) Attacke eines anderen Rennradlers konnte nicht einmal Daniel zum Racing provoziert werden. Im Hotel Tourismo in Pergine wurde noch ein Espressostopp eingelegt, die Besitzerin von 2013 leitet noch immer das Etablissement. Dank Google Translate konnte Moritz auch kommunizieren, dass das Team damals schon Hausgäste waren. Die drei Espressi wären sogar aufs Haus gegangen, aber das war dann doch nicht nötig. Eckdaten der Tour (85km 2200Hm).
Katie fuhr eine Tour aus dem reichlichen Tour-Fundus des Teams auf den Redebus (die Rollerbergvariante), dank sehr früher Abfahrtszeit waren die äußeren Bedingungen noch sehr mild und auch die steile Abfahrt lief dank gutem Material problemlos 🙂

Südtirol 2021 – Passo Brocon und Rolle

Aufgrund der sehr guten Wetterprognose (14h Sonne) wurde entschieden, die einzig lange Tour des Trainingslagers auf Montag zu legen. Geplant war eine kurze Zugfahrt (30km) um dann nach 10km Einrollen in den ersten Pass zu starten. Der Zug stellte sich jedoch als Wechselbetrieb mit Bus heraus, sodass Moritz und Daniel die Rundtour komplettierten. Ein Espresso-Stopp und Rückenwind im Tal machte diese Planänderung zu einer leichten Entscheidung. Abzweigend vom Radweg ging es in unbekanntes Terrain – hinauf zum Passo di Brocon deren gefahrene Variante nicht einmal bei Qualdich.de beschrieben ist. Die Steigungen waren stets moderat (<10%) und der Verkehr war quasi nicht vorhanden. Ein weiterer Vorteil war der großzügige Schatten gerade im ersten Segment. Schilder ab Castello Tesino irritierten mit 36km zur Passhöhe ein wenig, jedoch waren die letzten 5km flach oder leicht abschüssig, so ähnlich wie beim Nigerpass. Nach reichlicher Stärkung mit Pasta Ragout ging es eine sehr schmale und technische Abfahrt hinunter ins Tal mit sagenhaften Ausblicken und wiederum fast keinem Verkehr. Schönheitswertung des Passes war ganz klar 5 Sterne – ein echtes Kleinod.
Um zum zweiten Anstieg des Tages zu gelangen musste noch eine Schippe Sand (230Hm Passo di Gobbera) überwunden werden, die große Straße verläuft nämlich komplett unter Tage. Hinauf zum Passo Rolle war der Wind zunächst Freund, denn er sorgte für einen zügigen Einstieg in den Berg. Der Verkehr ließ spürbar nach und der Pass machte seinem Namen alle Ehre, kein Kilometer war steiler als 7-8%, durchweg 6% war die Regel. Die Hitze und mangelnde Luftkühlung oder Schatten machten Daniel etwas zu schaffen, sodass der eigentlich dankbare Anstieg (erbaut 1820) nicht für beide Fahrer gleichermaßen ein Genuss waren. Als im oberen Teil die sehr regelmäßigen Serpentinen aufwarten war die Luft dann kühler und die letzten 2km Kilometer boten nurmehr 2% Steigung. Ravioli aus/mit Heidelbeeren und Speck sorgten hier für Stärkung. Es kamen wie zum Hohn beim Essen Wolken auf, die jetzt nicht mehr nötige Kühlung boten. Die Abfahrt nach Predazzo war durch Auto Verkehr etwas zäh, und die „False Flats“ bis kurz vor Molina waren jetzt dank Gegenwind ordentlich Arbeit. Der letzte Stopp lag in der Mittagspause des Gasthofes, bei dem es aber trotzdem (kleine) Strudel und (große) Cola gab – dafür wurden ortsunübliche 20€ abgerufen. Es folgten die letzten 500Hm, die sehr moderat auf einer neu asphaltierten Talstraße begannen, nach einer 180° Abbiegung jedoch mit 17% Steigungshinweis an Präsenz gewannen. Im Vergleich zu 2015 wurde eine Nebenstraße gewählt die jedoch kürzer und höhenmetereffizienter war, durch das verlassene Kaff Valcava. Die finale Abfahrt nach Pergine war trotz vieler Autos zügig zu befahren, es waren wohl nur ortskundige Locals unterwegs. Eckdaten der Tour: (208 km, 3630Hm)

Sebastian hatte ebenfalls einen harten Tag, die nicht vorhandenen oder von Baumfällarbeiten zerstörten Wanderwege und mangelnde Wasserquellen machten seine ohnehin schon ambitionierte 42km / 2500Hm Wanderung zu einer wirklich harten Aufgabe.
Katie fuhr mit Bernd den malerischen aber auch steilen Kaiserjägerweg und bewies am Berg, dass ihre Form deutlich stärker ist als in den Vorjahren.

 

Südtirol 2021 – Passo Coe

Aufgrund von leichtem Regen musste die Abfahrt auf 10:30 Uhr verzögert werden, Sebastian musste noch ein paar extra Meter fahren um seine Trinkflaschen mitzunehmen – Daniel wurde bei der Befüllaktion aller Räder abgelenkt, sodass es nur für 2 gereicht hat. Den direkt mit 11% Schild beginnenden Hausberg (<1km nach Start) kannte das Trio bestens und man fuhr zügig aber gesittet hoch. Auf dem Radweg im Tal nutzte Daniel den Rückenwind um die Führungsarbeit zu leisten, aber die 36-37km/h wurden als etwas zu schnell gewertet 😉 Am Anstieg zum Coe fuhr dann Sebastian seine Pace, die ersten zwei Drittel auf der heute stark befahren Straße waren dem Team schon aus dem Jahr 2017 bekannt. Dessen sehr ungleichmäßige Steigungen waren dennoch für alle überraschend und Sebastian investierte damit ungewollt mehr Körner als geplant. Neu war das Zwischenstück zum malerischen und verschlafenen Ort Serrada. Als es zunächst abwärts ging, schwante Sebastian böses, denn die Länge des Anstiegs sollte sich nicht von der Hauptvariante unterscheiden. Als dann ein Schild „4 Kehren 16%“ kam durften Daniel und Moritz ihr „eigenes“ Tempo fahren – was natürlich voll Stoff bis zum Ort bedeutete. Trotz neuem Notritzel in dieser Saison (34/32) war der Ofen aus und der Cheftourenplaner wurde oben gescholten, dass nicht über diese Rampe informiert wurde. Da der Anstieg in keinem klassischen Pässelexikon gelistet ist und der Tipp aus Komoot sich nur auf die Schönheit des Ortes bezog war die Informationslage dürftig.
Das Überbrückungsstück zum Anstieg war dann frischer Asphalt gesperrt für Autos – traumhaft. Das geplante Bergzeitfahren zum Gipfel (3km) wurde trotz des Zwischensprintes abgehalten, aber es war sehr Einseitig. Daniel musste sich früh Moritz geschlagen geben, und Sebastian fuhr gemütlich noch – nach mehrfacher Bekundung direkt zurück zu fahren war die Strudeleinladung dann doch zu lukrativ.
Auf der Abfahrt gab es dann leichten Regen und einen komplett leeren Reisebus der erst im Tunnel (flach) überholte um dann den Verkehr aufzuholen. Eckdaten der Tour (80km 2000Hm).


Katie war mit ihren Eltern und Rosalie auf einer Wanderung ab dem Teamquartier unterwegs – auch dort gab es ungeplante Abenteuer – der Weg war erst breit, dann schmal und dann ganz weg.