Rad am Ring 2015: DGD Racing Team startet im Zeitfahren

Um sich vor dem geplanten Jedermannrennen über 150km am Samstag noch einmal mit der Nordschleife vertraut zu machen, hatten Daniel und Moritz auch für das 22km-Zeitfahren am Freitag Abend gemeldet. Angesichts der Orkanwarnung (und dem der Ankündigung folgenden Orkan, der letztlich für eine Absage des Jedermannrennens sorgen sollte), wurde der Schlachtplan während der Anreise aber kurzer Hand über den Haufen geworfen und so hieß es nun: „All in“ im Zeitfahren.

Noch in der Startaufstellung begannen beide Fahrer am selbst gesetzten Ziel klar unter die ersten 20 zu fahren, zu zweifeln. Da das eigene Niveau bei der Anmeldung natürlich als „superschnell“ angegeben wurde (zur Auswahl standen auch die erniedrigenden „schnell“ und „sehr schnell“) befand man sich in einer Startgruppe voller Zeitfahrspezialisten mit voller Zeitfahrausrüstung. Lediglich die Racing Team Fahrer glänzten mit klassischem Bergrennrad ohne ein einziges auf Aerodynamik optimiertes Teil und genossen ihre Underdog-Rolle sichtlich.

Moritz ging mit der Startnummer 752 ins Rennen, 20 Sekunden vor Daniel und 20 weiteren Sekunden vor dem österreichischen „Drückerkönig“ Helmut Pitzl, der schon in der Startaufstellung als Favorit ausgemacht worden war. Letzterer flog an Daniel schon nach knappen 3 Minuten Rennzeit vorbei. Mit Moritz, der eine sehr gute Abfahrt erwischte und am tiefsten Punkt der Strecke bereits 36 Sekunden auf Daniel rausgeholt hatte, tat sich der Zeitfahrspezialist schwerer, bevor er im ersten Flachstück Richtung hohe Acht dann doch mit g’fiehlter Lichtg’schwindikoit davon zog. Bergauf teilten sich dann beide DGD Fahrer ihre Kräfte sehr gut ein, denn wer die Nordschleife kennt, der weiß, wie viel Zeit man nach der hohen Acht noch einbüßen/herausholen kann und das sollte sich auszahlen. Auf den Flachstücken und Gegenhängen konnten noch einige, stets in ihrer Aeroposition verharrenden vorher gestarteten Konkurrenten im für ein Zeitfahren natürlich optimalen Wiegetritt abkassiert werden.
Trotz harter Konkurrenz mit überlegenem Material konnten alle Ziele erreicht werden: Mit einer Zeit von 37:16 (35,1er Schnitt) reichte es für Moritz für Platz 15 und Daniel lag mit einer 38:15 (34,2er Schnitt) am Ende auf Platz 20.

Zum Schluss sei noch angemerkt, dass Helmut Pitzl mit einer riesen Zeit von 34:00 zwar der mit Abstand beste Jedermann im Teilnehmerfeld war, sich aber von zwei Profis vom Team Vorarlberg geschlagen geben musste, von denen einer 2011 im Zusammenhang mit einer internationalen Dopingaffäre von seinem damaligen Team suspendiert wurde. Die Frage, ob man solche Zugpferde unbedingt braucht, stellen wir einfach mal in den Raum…

Leggendaria Charly Gaul 2015

Nachdem die beiden Fahrer im Pool, in der Sauna und im Whirlpool regeneriert haben gibt es einen gscheiden Rennbericht: Bereits am Start um 8:00 Uhr morgens waren es in Trento mollige 24 Grad. Eine Hitzeschlacht deutete sich an.

Auf dem Flachstück bis zum ersten „Hügel“ (immerhin 450Hm mit 5,5% Steigung im Schnitt) konnten bereits ein paar Leute die aus Sponsoring- oder Gendergründen in einem vorderen Startblock waren überholt werden. Der erste kleine Anstieg war recht hektisch, das Feld war schließlich noch gemischt, die Hälfte der Fahrer fuhren nur den Mediofondo (nur einmal Bondone). Die Abfahrt war ebenfalls aufregend, es gab immer wieder Leute die unbedingt ein paar Meter machen wollten. Die Flachfahrt nach Aldeno war dann sehr gut, es gab eine recht zügige Gruppe.

Der erste richtige Anstieg wurde von Daniel und Moritz wie im Training am Dienstag gefahren, also in 1:12:22 sehr zügig und in einem guten Rhythmus – aber eben ohne zu überpacen. Ganz oben waren die Trinkflaschen leer, es gab aber natürlich eine Auffüllstation auf der Passhöhe. Der herausgearbeitete Vorsprung auf die Leute dahinter war nötig, denn die meisten anderen hatten Helfer postiert die die Flaschen getauscht haben. Auf der Abfahrt bildete sich dann eine recht große Gruppe und es konnte eine Topspeed von 92,6 km/h erreicht werden. In Sichtweite gab es eine weitere, ca. 15-20 Mann (ja nur Männer) Gruppe. Keiner wollte aber unnötig Körner lassen sodass man, eskotiert von Begleitfahrzeugen, man war ja die dritte Gruppe in der Renn-Choreographie,  kein Tempobolzen im Flachen veranstaltete.

Am Vorberg des Schlussanstiegs verschärften Daniel und Moritz die Pace und führen schnell die Gruppe an – und überholten auch noch fast alle aus der nächsten Gruppe. Die letzte Abfahrt des Rennens führte durch einen sehr winkligen Ort wo zum Glück alle sehr gesittet fuhren.

Am Schlussanstieg bekam Daniel vom letzten Gel einen unangenehmen Reizhusten, der Rachen war wohl schon zu trocken. Nichtsdestotrotz fühlten sich die Beine gut an und es konnte noch über eine Zeit von 1:04h eine Steigleistung von 1120Hm/h dargeboten werden. Dass die beiden DGD Fahrer nicht ganz schlecht positioniert waren, zeigte sich schon, als ihnen Wasserflaschen aus einem Begleitfahrzeug gereicht wurden. Circa 4km vorm Ziel ging bei Daniel so langsam der Akku leer, aber keiner der beiden wollte sich die Blöße geben einen Gang runterzuschalten. So wurde bis zum Ende eine dicke Mühle gedrückt und beide kamen beide zeitgleich ins Ziel. Der Zielsprecher erzählte dabei auf italienisch irgendetwas von „Duo“ und „quarantaquattro“, was, weil es einfach zu unrealistisch klang, zunächst nicht mit der Platzierung in Verbindung gebracht werden konnte aber tatsächlich : Position 44/45.

Das selbst gesteckte Ziel den Schnitt um einen km/h zu verbessern wurde geschafft und zwar mit anderthalb Kilometern. Was wenig klingt, bedeutet ein Rückstand von 25 Minuten auf die Spitze vs. 53 Minuten im Jahr 2013, und das obwohl das Rennen heißer und insgesamt 5 Minuten langsamer war. Oben am Ziel konnte sich Moritz nicht mehr wirklich bewegen, sein Rücken war komplett verspannt und schon das hinsetzen bei der Pasta Party dauerte eine Ewigkeit – beide haben alles gegeben und lieferten eine sensationelle Performance ab.

Fun Fact: auf der Abfahrt zurück zum Hotel sah man ein Teamfahrzeug (mit Rädern auf dem Dach), allerdings war der entsprechende Fahrer hinter dem DGD Racing Team platziert. Garmindaten von Daniel. Wer nur Statistiken von Rennen ohne Bergankunft studiert: Der Gesamtschnitt inklusive Abfahrt nach Trento beträgt 29,1 km/h bei 160km und 3700 Höhenmetern 🙂

 

Trainingslager Südtirol 2015: Trento

Der Tag vor dem Rennen. Das Wetter hat sich nach ein paar Schauern wieder image

auf trocken/sonnig und heiß umgestellt. Im Gegensatz zum Teamhotel von Andre Greipel hat das Rennquartier AlberMonaco*** eine Klimaanlage auf dem Zimmer. Zudem gibt es Sauna, Pool, Whirlpoolimagedie gerade genutzt wurden. Die Räder sind rennfertig, die Trikots bis zum Rand gefüllt. Nachmittags waren die Fahrer beim Start eines historischen Radrennens, die Durchfahrt nach Trento wollten Daniel und Moritz auch noch anschauen, warteten aber in der Gluthitze 30min vergeblich um zu erfahren dass die Herren gerade bei einer ausgiebigen Verpflegungspause weilen. Wecker ist auf 5:45 gestellt, Start ist 8:00 und geplanter Zieleinlauf kurz nach 13:00.