Trainingslager Mallorca 2022 : Dias 2

Nach dem gestrigen Regenchaos trauten sich die Fahrer des DGD Racing Teams erst wieder um 10:45 auf die mallorquinischen Straßen und es wurde der Track mit dem Namen „Mallorca2022_Ruhetag“ auf die Geräte geladen. Völlig zu unrecht, denn es sollte trocken und teilweise sonnig bleiben. Christian reiste in Rekordzeit aus Frankfurt an und komplettierte so die dritte Zweierreihe im Verband Richtung Cap de Formentor. 

Am ersten Anstieg raus aus Port de Pollensa gaben Moritz und Heiko Druck auf die Pedale und der Rest feuerte aus der Entfernung den hinterherfahrenden Fahrer an. Die Zurufe hatten aber einen scheinbar gegenteiligen Effekt, denn je lauter angefeuert wurde, um so größer wurde der Abstand auf den Sieger, der Strava-Tagesbestzeit fuhr. Zu Beginn der Stichstraße Richtung Leuchtturm wies ein Schild mehrsprachig darauf hin das (Vorsicht Konjunktiv) in 6km mit einem Weiterfahrtsverbot zu rechnen sei. Dort angekommen stand tatsächlich ein Bauzaun recht ungünstig quer über die Straße, da aber kein neuerliches Verbotsschild auszumachen war, entschied Moritz, dass die équipe française um den Zaun klettern und weiterfahren wird. Dieser schlossen sich nur der Bordelaise Sebastian und der Leihfranzose Daniel an. Schnell stellte sich heraus, dass es keinen offensichtlichen Grund für die Sperrung gab, denn bis zum Leuchtturm war die Straße frei und in einwandfreiem Zustand. Lediglich ein Bauarbeiter forderte die Fahrer zum Umkehren auf. Die Forderung wurde ohne Konsequenzen ignoriert. 

Auf der Rückfahrt hatte jener Bauarbeiter dann begonnen, die Absperrung zu verstärken und die aufgehaltenen Autos hatten sich in beide Richtungen komplett festgefahren. Beim Durchschieben der Räder brachte in energischer Amerikaner die Situation dann auf den Punkt: „We all need to work together, otherwise we’ll never gonna make it out of here!“ Wieder in Formentor angekommen, nutzten 2 von 6 Teamfahrern den Wiederaufstieg Richtung Port de Pollensa zu einem weiteren Formtest. Der geneigte Leser wird überrascht sein zu hören, dass einer der beiden der vor Motivation sprühende Sebastian B. war. 

In Port de Pollensa wurde diesmal die Bar Brisas getestet, die dem Team schon für das ausgefallene Trainingslager 2020 empfohlen worden war. Es wurden 3 verschiedene Paella-Pfannen bestellet: Calamar in der eigenen Tinte, Chorizo und Hühnchen und Verdure. Dies zog die Aufmerksamkeit einer Foodie-Urlauberin auf sich, die die Pfannen und Fahrer fotografieren und dann auf Insta stellen wollte. 5 von 6 Fahrer waren einverstanden. 

Danach teilte sich der Verband und niemand fuhr den geplanten Track zu Ende.

Daniel, Heiko und Moritz verlängerten den Tag kurzentschlossen und nahmen sich dem Coll de Femenia in gemütlichem und sehr gleichmäßigen Tempo an. Richtung Lluc wusste Moritz dann noch mit dem Spruch „Daniel, können wir noch ein bissel langsamer fahren?“ zu überraschen. Schließlich sollten keine unnötigen Körner auf den Zusatzkilometern verschwendet werden. Zur Belohnung hatten die drei zum ersten mal eine komplett freie Abfahrt Richtung Caimari. Der Rennradronnyberg wurde heute ausgelassen dafür gab es vor allem ab Sa Pobla ordentlich Gegenwind und das Alcudi war wurde mit 115km/1700Hm erreicht. 

Die anderen drei Fahrer ließen die abwechslungsreiche (und geplante) Rückfahrt durch die Gärten links liegen und entschieden sich erneut für die 8km lange Küstenstraße. Einer der drei erfand, ob eines immer dringender werdenden Kackbedürfnisses, kurzerhand neue Trainingsphilosophien („man muss mit ordentlich Laktat im Hotel ankommen“) was bei den anderen beiden für wenig Verständnis sorgte. Trotzdem kamen sie dem Hörensagen nach gemeinsam nach 63km/900Hm an und testeten das Mittelmeer vor dem ersten Saunagang.

 

Trainingslager Mallorca 2022: Etappe 1

Für den ersten Trainingstag hatte die Tourenplanung die traditionelle Auftaktetappe durchs mallorquinische Hinterland hervorgezaubert, bereichert um einige Zusatzkilometer über traumhaft kurvige Straßen rund um Lloret de Vistalegre.

Die Erwartungen an den Wettergott waren durchaus gedämpft, zumindest trocken sollte es aber bleiben. WeatherPro fabulierte gar von 6,3 Sonnenstunden (nach Sonnenuntergang korrigiert sich die Applikation auf 5,7 runter). Dazu später mehr. Die Vorgabe an alle Teamfahrer war locker und mit viel Souplesse zu pedalieren. Modulo Details konnten, angeführt von Daniel und Moritz in Zweierreihe, auch alle Vorgaben bis zur Mittagspause in San Llorenc umgesetzt werden. In der lokalen Bar Cafeteria Son Colom stand ein Menü rund um Calamar Relleno auf der Tageskarte. Für 12 Euro gab es neben Getränk und Hauptgang natürlich auch noch Nachtisch und Espresso.

Die zugetankte Energie war auch bitter nötig, denn auf der Rückfahrt begann die Außentemperatur in den tieferen einstelligen Bereich zu sinken (um genau zu sein: 5° Durchschnitt auf den letzten 35km) und ab Arta kam entlang der Küstenstraße auch noch Regen dazu. Keine Frage, dass der Abstecher nach Betlem ausgelassen wurde und heimkommen schnell das einzige anvisierte Ziel wurde. Letzteres wurde unter Einsatz unterschiedlich vieler Körner bei den einzelnen Fahrern erreicht und trotz des mauen Wetters konnte mit 125km/1200Hm/29,5er Schnitt eine top Trainigseinheit absolviert werden.

Zurück im Hotel war die Sauna für die ausgekühlten Fahrer deutlich zu kalt. Nachdem die Herren Klink und Bechtel einen 34 minütigen Schwitzgang eingelegt hatten und Heiko (erfolgreich und ohne Verbrennungen) versuchte, die Kohlen auf dem Saunaofen anzufassen, musste die Rezeption zum Nachjustieren gebeten werden. 


(Das Bild zeigt einen Teil des Teams mit dem Replay der Ronde van Vlaanderen; dort war es heute genauso warm wie auf Mallorca)

Trainingslager Mallorca 2022 – Einrollen

Nach zwei Jahren Abstinenz ging es endlich wieder los. Bei 0 Grad und Schnee im Rhein Main Gebiet fiel es leicht sich auf sonnige 12 Grad zu freuen. Traditionell war die Anreise kompliziert. Sebastian kam aus Frankreich, Florian war schon vor Ort und Daniel, Heiko und Moritz nahmen den 5 Uhr Flug. Beim Aussteigen wurde ein Passierstau hinter Reihe 45 erzeugt, weil die sehr deutschen Passagiere die Anweisung nach Reihen sortiert aufzustehen sehr wörtlich nahmen – was zu großem Erstaunen seitens Daniel und Moritz führte. Dank Privattransfer konnte das Frühstück im Hotel in Ruhe zu sich genommen werden. Die sonnig/frische Einrollrunde wurde erst gemütlich und in Annäherung des Erdbeerkuchens zügiger bestritten. Das Material und dessen fachmännischer Remontage gab kein Anlass zu unnötigen Stops.


Als sogar die Sauna auf hatte, Daniel erstmals mit Bademantel anreiste war der erste Tag sehr entspannt zu Ende, natürlich war ein üppiges Carboloading nötig für die anstehenden Etappen. Daten: 52km Schnitt über 30kmh.

Skoda Velotour Eschborn-Frankfurt 2021

Der 1. Mai war dieses Jahr am 19. September, zumindest aus der Sicht des Jedermannrennens mit Start und Ziel in Eschborn. Für das DGD Racing Team waren Daniel und erstmals seit 2014 wieder Moritz am Start. Überraschend unproblematische gestalteten sich diesmal die traditionellen Risikofaktoren der Veranstaltung: Beide Fahrer wurden sinnvollerweise in den ersten und knapp 700 Rahmensets umfassenden Startblock gesteckt und das Wetter versprach einen Sonnen-Wolken-Mix im Temperaturfenster zwischen 10 und 20 Grad. Um die anfängliche Hetzjagd durch die Frankfurter Innenstadt möglichst kraftsparend absolvieren zu können, reihten sich beide Fahrer ganz ganz vorne ein, direkt hinter den großen Teams Strassacker und Rheinhessen (Stichwort Ziehharmonika-Effekt). Ein weiterer Pluspunkt des frühen Aufschlagens an der Startlinie: Eine volle Stunde Gebabbel des norddeutsche Streckensprechers, der diverse Male beschwor, dass irgendwer oder irgendetwas „heiß wie Frittenfett“ sei. Bevor ein Trinkspiel draus werden konnte, ging es los. 

Die knapp 30km bis Oberursel verliefen dank gutem Auf-Position-Fahrens unaufgeregt. Nach einem kurzen Pavé-Intermezzo am Marktplatz von Oberursel setzten sich zwei Fahrer ab. Auf leicht ansteigender Straße, aber noch vor dem offiziellen Beginn des Feldberges, sprangen vereinzelte Fahrer nach und das DGD Racing Teams ließ es sich nicht nehmen, mit einer Doppelspitze kurzzeitig die Nachführarbeit zu organisieren. Eine kleine Kraftverschwendung für die Sponsoren von der ein Bild geil wäre (leider unwahrscheinlich). So bekam man auch live mit, wie in einer taktischen Besprechung der Strassackerfahrer entschieden wurde, die Gruppe zurück zu holen (O-Ton: „Ist zu groß“) und das eigentliche Rennen begann. Dabei verloren sich Daniel und Moritz alsbald außer Augen und der Rest des Berichtes erfolgt getrennt aus unterschiedlicher Erzählperspektive. 

Moritz: Am Saisonabschluss habe ich beschlossen, nicht vernünftig zu fahren, sondern einfach vorne dranzubleiben und in Kauf zu nehmen, frühzeitig komplett einzugehen. Das Tempo ist zunächst gleichmäßig, ab der langen Kehre wechseln sind kurze Tempoverschärfungen mit gefühltem Leerlauf und auf den letzte 3 Kilometern folgen diverse Attacken. Irgendwann sehe ich 520W auf meinem Wahoo. Egal, ich gehe mit und komme ganz hinten in einer Perlenkette von 20 Fahrern über die Passhöhe. Später stellt sich heraus, dass ich den Anstieg in 25:33 hochgefahren bin, schneller als jemals zuvor. Nach nicht UCI-legaler Abfahrt läuft die Gruppe im ersten Gegenhang wieder zusammen. Im weiteren Verlauf schließen weitere 10 Fahrer auf. Der Ruppertshainer, bei meiner letzten Teilnahme vor 7 Jahren noch die letzte Möglichkeit zur Attacke am Berg, wird schnell aber nicht super schnell hochgefahren, genau wie eine überraschende Rampe in Kelkheim auf eher unterdurchschnittlichem Belag, und alles konzentriert sich auf den Showdown in Mammolshain. In der berüchtigten Rampe fahre ich erstmals nach Wattmesser und nehme in Kauf, einige Positionen zu verlieren, um Didi hautnah bewundern zu dürfen, aber vor allem um auf dem nachfolgenden flachen Bergaufkilometer einfach auf dem Gas bleiben zu können. Das habe ich dieses Jahr unzählige Male trainiert und heute zahlt es sich aus: an den ersten Gegnern fliege ich gefühlt vorbei, komme dann langsam an den deutschen Meister von 2006, Dirk Müller (radroo Team), und zwei weitere Fahrer heran, die ich mit meinem gleichmäßigen Tempo langsam an die vorausfahrende Gruppe heranziehe. In der Abfahrt wechseln wir uns vorbildlich ab. In einer Rechtskurve verschätzt sich ein Konkurrent und steht plötzlich auf einem 20cm hohen Bordstein, von dem er nicht mehr runterkommt. Wir anderen schaffen den Anschluss an, was sich als erste Gruppe hinter 3 Ausreißern herausstellen sollte. Es geht also mit 22 Mann im Sprint um Platz 4. Eigentlich bin ich vor der letzten Kurve gar nicht schlecht platziert, lasse mich dann aber doch kurz abdrängen, komme kurz aus dem Konzept und werde 17. Eines meiner besten Jedermannrennen. Was will man mehr. Ein perfekter Saisonabschluss 😇

Daniel fuhr im Pulk am Feldberg vor der großen Serpentine die Eröffnung der zweiten Gruppe, die Pace ganz vorne erschien zu hoch. Alsbald kam eine ca. 20 Mann starke Gruppe oben an, Daniel konnte dort ohne größere Probleme mitfahren. Ein Fahrer schwenkte nach der Bergwertung noch in die Stichstraße zum Gipfel aber sonst gab es keine Vorkommnisse. Auf der Abfahrt gab es ein paar riskante Fahrmanöver von Fahrern des Sebamed Teams, und das Glück ließ keinen weiteren Fahrer mehr von hinten kommen, sodass Daniel am ersten Gegenhang eine 100m Lücke zufahren musste. Oben am Rupertshainer wurde Stephan K. noch begrüßt und für die Sponsoren die Gruppe von vorne in die Abfahrt geführt. Im Flachen bei Gegenwind lief die Gruppe nur mäßig, keiner wollte sich vor dem Schlussanstieg verausgaben. Das Steilstück vom Mammothainer (23%) fuhr Daniel dank Streckenkenntnis nicht am Limit, sodass beim weiteren Steigungskilometer im vorderen Drittel der Gruppe gefahren werden konnte. Lediglich fünf Leute kamen ein wenig weg, aber die konnten im Flachen (5km) ohne weiteres gestellt werden. Da es um nichts mehr ging, wurde auf einen Zielsprint verzichtet, Platz 31 war zu vergeben und Daniel konnte mit dem 41. eine gute Platzierung erreichten – mehr wäre nicht gegangen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es auch schonmal besser lief, aber es wird auch keiner jünger.

Stravadaten von Daniel (37km/h) und Moritz (38km/h)