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Rollentrainingsguide

Wie sich mittlerweile herumgesprochen haben sollte, sind die Fahrer des DGD Racing Teams keine Freunde von kalten, nassen, dunklen Rennradtouren. Im Winter wird daher zumeist in geschlossenen Räumen trainiert. Nach zahlreichen Jahren im Spinning sind jetzt alle Fahrer mehr oder minder eifrige Nutzer von Rollen. Man hat den Vorteil auf dem eigenen Rad zu trainieren und man muss nicht vor die Tür.

Das wichtigste dabei: die Rolle. Als Einstieg in die Rollenwelt kann die Elite Novo Force empfohlen werden. Die Elite Rollen zeichnen sich generell durch Laufruhe und günstige Preise aus. Dazu empfiehlt sich ein abgenutzter Straßenreifen, die speziellen Rollenreifen von Schwalbe und Conti konnten das Team nie vollends überzeugen. (Der in Frankreich trainierende Teil des Teams schwört aber dieses Jahr aber auf den Vittoria Zaffiro Pro Home Trainer mit erfreulich wenig Gummiwutzeln hinter der Rolle.) Will  man mehr Rollenluxus bietet sich die Elite Turbo Muin Rolle mit Direct-Drive an, d.h. man hat kein Hinterrad auf der Rolle sondern direkt eine Kassette. Diese kann eine günstige 105er Kassette sein und es empfiehlt sich eine moderatere Spreizung, denn extreme Gänge benötigt man nicht. Für diese Rolle kann man einen Bluetooth/ANT+ Sensor nachrüsten (Misuro B+) oder noch schlauer, diesen gleich mitkaufen, nennt sich dann Elite Turbo Muin B+

Ersteres war das Vorgehen von Daniel und Sebastian. Der Sensor ist im handumdrehen nachgerüstet, man muss diesen jedoch öffnen und per Blinkcode (12 mal) für die o.g. Rolle konfigurieren. Für den PC empfiehlt sich ein USB-ANT+ Stick, da Sufferfest am PC leider noch kein Bluetooth unterstützt.

Warum der ganze Aufwand: Sufferfest – eine App mit sehr vielen Trainingsvideos ist der perfekte Motivator für Rollensessions. Es ist fast alles sehr hart, getreu dem Motto Intensität ist alles, dafür gibt es viele Einheiten die in einer Stunde bewältigt sind. (Kostprobe hier) Die Videos sind alle Radsportbezogen mit Passüberfahrten und Rennausschnitten, guter Musik und vor allem Trittfrequenz, Puls und Wattvorgaben. Mit Sensor hat man dann Soll-Ist Werte auf dem Display, was die Trainingssteuerung sehr granular macht. Die Wattwerte sind natürlich nicht geeicht, aber relativ zu den Werten der App konsistent. Ein Leistungstest (Full Frontal) sorgt für eine schmerzhafte Kalibrierung der Trainingsvorgaben. Die App ist für PC, Mac und iOS erhältlich und kostet im Monat 10 USD oder 99 USD pro Jahr. Weil die Begeisterung derart hoch ist, hat sich der Redakteur gerade das Jahresabo geklickt, denn vergleichbare Apps sind entweder teuerer, langweiliger (weil zu professionell) oder haben keine Videos.

Sonst noch ganz nett sind: Matte zum Unterlegen, Aufsatz fürs Vorderrad, Ventilator, Fenster im Raum, billige Bluetoothkopfhörer für den Sound, Mitmenschen die bei lautem Schreien nicht gleich panisch reagieren.

Trainingslager Südtirol 2017: Strada Del Menador

Den Hausberg Caldonazzo's, den Kaiserjägerweg (bzw. Strada Del Menador auf italienisch), die vielleicht schönste Passstraße Italiens, die 7,75 km und 763 Höhenmeter, ja die hatten sich die drei Fahrer des DGD Racing Teams bis zum letzten Tag des Trainingslagers aufgehoben. Um zu verhindern, dass die Beine nach fast zwei Wochen Pässe-Fahren zu Beginn des Anstiegs komplett hart sind, rollte man sich fachmännisch auf einer hügeligen Extraschleife über Levico ein. Sebastian konnte der Versuchung widerstehen, sein Velo direkt zurück in die Ferienwohnung zu manövrieren, und so kurbelten alle drei Fahrer in ihrem Lieblingsrhythmus den Berg hinauf ohne sich dabei so sehr zu verausgaben, dass die spektakuläre Aussicht nicht auch genossen werden konnte. Obwohl Moritz mit einer 1264er Steigleistung nochmal einen starken Wert ablieferte, hielt Sebastian auch diesmal den Rückstand im einstelligen Minutenbereich und war oben froh, den angeblich letzten Berg des diesjährigen Trainingslagers bezwungen zu haben. Wie sich der regelmäßige Blogleser denken kann, war dies natürlich nur die halbe Wahrheit. :p

Halbwegs gestärkt von einem kleinen, mittelmäßigen, aber immerhin erstmals getesteten Strudel in Gionghi und der vielleich größten Apfelschorle Italiens, stand zunächst die Rückseite des schon vorgestern bezwungenen Passo Sommo auf dem Programm. Der Plan, zu bummeln und nicht wie im Vorjahr zu racen, wurde von 2 von 3 Fahrern etwas halbherzig umgesetzt (9 Sekunden langsamer als 2016, Platz 107/1423 bei Strava). Es folgte die fast komplett freie und schnellen Abfahrt an die Etsch, nach Calliano, dann eine DGD Racing Team Erstbefahrung des Etschtalradwegs bis nach Trento und schließlich kam den Trentino-Experten noch die Erinnerung, dass die Schippe Sand nach Vigolo Vattaro von dieser Seite doch gute 500 Höhenmeter hat. Zu guter letzt wurde der Ortsschild Sprint in Bosentino wie jedes Jahr vom Teamchef gewonnen; die Silbermedaille ging an Sebastian.

Eckdaten: 80km, 1900Hm, 26er Schnitt.

Trainingslager Südtirol 2017: Rifugio Barricata

Gut gefüttert sowohl vom Frühstück mit Cornflakes, Müsli und italienischen Keksen (Marke "Mulino Bianco") als auch den neuesten Schlagzeilen aus der High Society, fachmännisch präsentiert vom zdf-Magazin "Volle Kanne", startete die heutige Tour mit einer spektakulären Premiere: Sebastian ging sofort in den Wind und fuhr die komplett neu geplante 135km-Runde von vorne an. Nach knapp 2km hatten seine beiden Edelhelfer ein einsehen und kümmerten sich wie üblich um die Führungsarbeit im Flachen. Der Plan, etwas lockerer zu fahren wurde tatsächlich umgesetzt, die Pace war dank Rückenwind und des sensationell ausgebauten Brenta-Radwegs ab Borgo Valsugana nicht minder schnell und nach 40km Einrollen waren die Beine am Fuße der heutigen Hauptschwierigkeit auch richtig locker.

Erstmals in der Geschichte des DGD Racing Teams nahm man sich die erst 2006 asphaltierte Rampe zum Rifugio Barricata vor: Mit Kehren im 8-2-8-2 Versmaß gespickt, überwindet die ehemalige Militärstraße auf spektakuläre Weise eine Steilwand. Die Eckdaten sind 999Hm auf 11,4km. Da das steilste Stück gleich zu Beginn kam, fuhren alle drei Fahrer solo ihren eigenen Rhythmus. Moritz (49:49) und Sebastian (56:10) wählten diesen sehr gleichmäßig während Daniel (51:54) mit einem brutalen Zwischensprint (1350Hm/h) in der zweiten 8er-Kehrengruppe überraschte. Oben angekommen, fand man sich völlig überraschend in einer Almen Landschaft wieder.

Der (natürlich) neu getestete Apfelstrudel überzeugte mit Karamelsauce auf der Sahne. Bei der Bestellung von zwei Apfelschorlen auf deutsch stieß ein nicht weiter spezifierter Fahrer zunächst auf taube Ohren bei der Dame hinterm Tresen, als ihm eine zweite Kellnerin zur Hilfe sprang und die genaue Zusammensetzung dieses Drinks auf italienische erklärte und dann wissen wollte, ob dies korrekt sei, sorgte er mit der Antwort "Oui, c'est ca" dann für die ultimative Verwirrung.

Auf breit aufgebauten aber sehr verkehrsarmen Straßen ging es bei einem Sonne-Wolken-Mix und vorbei an kuschelnden Kühen in den Zielort der letzten Bergetappe des diesjährigen Giros. Ab Foza strahlte die Sonne und während erstmals ein richtiger Rollerberg unter die Räde genommen wurde, war sogar ein Blick auf die Po-Ebene drin. Ob der aufziehenden dunkeln Wolken wurde der zweite Rollerberg (in Echt!) des Tages, der Passo die Vezzena, auf Zug gefahren und das zahlte sich aus: Nach schier endlosem Auf und Ab wurde der Gipfel des Hausbergs von Calceranica trocken auf über eine abwechslungsreiche und freie Abfahrt erreicht. Die letzten steilen 200Hm Abfahrt gaben dann schon mal den Vorgeschmack auf die morgige Etappe.

Eckdaten der Tour: 136km, 2200Hm, brutaler 29er Schnitt.

Anmerkung der Redaktion: Während des Schreiben dieses Artikels verlor Daniel 2 IQ-Punkte an die Fensterbank :p