Trainingslager Südtirol 2020 – Gampenpass und Hofmahd

Nach dem Entspannen in der Therme Meran hieß es wieder aufschwingen. Sebastian fuhr 7 Minuten vor Daniel und Moritz los um ungestört seine eigene Pace fahren zu können, wie im Vorjahr im Bergzeitfahrmodus. Moritz gab heute den Ton an, Daniel konnte trotz Muskelkater vom Vortag der 9/10 Speed folgen, und war  le lediglich fast enttäuscht, dass Moritz die 302W bis oben hielt (Gruß an den Wattmeister Heiko) und keine Finalattacke bot. Sebastian wurde erst 2 Kilometer vor dem Ziel eingeholt und war zu diesem Zeitpunkt etwas enttäuscht weil das Live Segment einen Rückstand auf seine Bestzeit von über 1 Minute anzeigte – dennoch kam eine gute Zeit raus. Der angekündigte Apfelstrudel auf dem Gampenpasse wurde aufgrund der Bewölkung gestrichen.

Die Abfahrt in Richtung Brezer Joch über Fondo kannten die drei noch gut, dieses Pässekleinod wurde aber rechts liegen gelassen und die Route führte an zwei Seen vorbei in Richtung Tonale. Im Tal gings dann in drei Stufen in Richtung Hofmahd Tunnel. Im Örtchen Mione ging es dann links ab in Richtung Nirgendwo auf einer Straße, die mit diversen Rampen Sebastians Laune verbesserten. Sie führte vorbei an sehr wenigen Häusen durch den Wald nach Proveis, und Sebastian blieb hinten bei Daniel um zu schauen dass keiner abfällt. Das verlassene Idyll wurde nur durch den einsetzenden leichten Regen getrübt, aber man kam recht trocken zur Mittagsrast (dem einzigen Gasthaus in Proveis) an.

Als die Straße wieder trocken war, verlor man noch flugs 100 Höhenmeter und war wieder auf der großen Straße in Richtung Hofmahd. Diese hatte nochmal einige Abschnitte von über 10% zu bieten, bis dann oben der erste von 2 langen Tunneln in Richtung Ultental kam. Die Straße war zum Teil in Rennstreckenbelag ausgebaut, obwohl sie nur zwei dünn besiedelte Täler verbindet, daher waren auch die Tunnel leer. Ins Ultental ging es dann sehr zügig, man konnte dank trockener Straße locker die 80km/h Marke knacken. Am Kofl Tunnel gab es dann wieder mal Baustelle und als die drei zur sehr schön zu fahrenden Abfahrt von St. Pankraz nach Lana kamen, kam noch ein wenig Wasser vom Himmel, aber nichts weltbewegendes.
Eckdaten der Tour: 98km 2700Hm

Trainingslager Südtirol – Gampenpass über Nals

Da Mittwoch traditionell Ruhetag ist, musste das Wetter am heutigen Dienstag entgegen der abendlichen Prognosen gut werden. Über Nacht hatte es geregnet und morgens hingen die Wolken noch tief, sodass das Ultental recht schnell aus der Diskussion war. Als Ersatzetappe hatte der Tourenplaner die allseits geschätzte Variante auf den Passo Gampo via Nals hervorgezaubert. Nach kurzem Beine (und Arsch im Falle des Teamchefs) frei fahren auf dem Highspeed Radweg  fanden sich Daniel, Sebastian und Moritz schneller als ihnen lieb war am Fuße der Rampe, die wunderbar in der Sonne lag. 

Moritz loggte 340 Watt auf seinem Velocomputer ein und fuhr in bester Chris Froome Manier extrem gleichmäßig zu einer neuen Bestzeit (43 Sekunden schneller als 2015). Die anderen beiden konnten der Strecke weniger abgewinnen und trafen weniger euphorisch am Fotopunkt ein.

Nach der flachen Ortsdurchfahrt übernahm alsbald Sebastian die Tempogestaltung und führte das Trio locker Richtung Passhöhe, bis eine Rennradlerin, die zuvor noch beim Pause machen beobachtet wurde, im Flachstück mit viel Einsatz vorbei zog. Die spannende Frage war also: wie würde die DGD Lokomotive darauf reagieren. Zunächst passierte überraschenderweise nichts, dann aber doch das zu Erwartende…

Die Passhöhe lag wie üblich in einer Wolke, sodass nicht lange rumgeeiert wurde und die flache Abfahrt Richtung Fondo direkt unter die Räder genommen wurde. Im Gegenanstieg auf den Mendelpass wählten dann nur zwei von drei Fahrern die landschaftlich reizvolle (aber mit mehr Höhenmetern gespickte Variante über Ruffre), der dritte konnte aufgrund der enormen Zentripetalkräfte nicht auf den entscheidenden Abzweig aus einer Linkskurve heraus einsteuern.

Die Abfahrt war sehr windig aber dafür komplett frei, sodass es alle drei (wiederum mit Abstand) gut laufen lassen konnten. Der Wind half dann in den Apfelplantagen den Schnitt aufzubessern, nass wurde man natürlich, wie es sich für eine Mendelpassrunde gehört auch, aber nur weil der Wind das Wasser aus den Rasensprengern auf die Straße wehte.

Eckdaten der Tour: 92km, 1800Hm, 27er Schnitt.

Katie fuhr auch Richtung Nals, machte dort aber im Gegensatz zu den anderen das einzige vernünftige, nämlich schöne Fotos 😉

Trainingslager Südtirol 2020 – Stilfser Joch

Episode zwei aus der Serie „die Guoadn foans von hier“ folgte recht spontan schon am zweiten echten Tag des Trainingslagers, das Wetter war sehr stabil gemeldet. Daniel wollte nach 6 Jahren mal wieder das Stilfser Joch fahren und Moritz kam tatsächlich mit einer fahrbaren Streckenplanung um die Ecke. Es wurde wie jedes Jahr der berühmte Vinschgauer Radweg als Grundlage benutzt, dieses Mal jedoch in Rekordlänge bis Prad. Dank Komoot und Google Streetview wurden zwei Schotterpassagen vom fachkundigen Tourenplaner direkt umschifft, auf dem Hinweg war das aber nur mit einer Todesgeraden (1,9km 200Hm) bei Sonne und Windstille möglich. Kurz nach Meran holten Daniel und Moritz einen weiteren Fahrer aus Hessen ein, gestartet in Darmstadt fuhr mit Gepäck eine durchaus ansprechende Alpenüberquerung mit 250km am Vortag. Er plante aus Meran die gleiche Runde und kündigte aber seine der Vorbelastung entsprechend müden Beine an, blieb daher im Windschatten bis zum Fuße des Stelvio.

Sebastian machte eine Mischung als Wanderung und Lauf auf einen der Hausberge von Lana (29km 1500Hm), wo er von der sehr beachtlichen Steilheit des Aufstiegs überrascht wurde (>30%) aber trotz minimaler Verpflegung (Powerzeug + Apfel + leere Powerbank) kam er fast zeitgleich mit den beiden anderen Fahrern zurück ins Quartier. Sein Plan, oben am Berg per Zoom Meeting der Verteidigung eines Uni-Kollegens beizuwohnen klappte hervorragend (Techniktipp: BT-Hotspot ist deutlich effizienter als Wlan-Hotspot).

Katie erkundete heute die Sehenswürdigkeiten von Lana mit einem Spaziergang durch die Gaulschlucht, eine Location die sich auch für sehr heiße Tage anbietet.

Um ein moderates Tempo am Stelvio zu erreichen, war geplant, dass Daniel die Pace am Anstieg machte — trotz fehlender Wattmessertechnik und Antworten auf die Frage „Fährst du nach Trippfrequenz oder Puls?“ wie „Nach Gefühl“ — war das Tempo moderat und gleichmäßig aber natürlich nicht vergleichbar mit Rekordversuchen vergangener Jahre. Die Streckenkenntnis beider Fahrer hatte aber nach dem halben Jahrzehnt merklich gelitten und so war der Anstieg doch deutlich steiler als im Gedächtnis, der erste Gang 36/32 bzw. 34/30 wurde durchaus oft hochgeleiert.

In Sichtweite des Ziels (6km entfernt) nahm Daniel eine kleinere Lücke hinter sich wahr, und da sich solche Gelegenheiten äußerst selten bieten, beschloss er einen Gang draufzulegen und bis oben voll zu fahren. Das gelang auch sehr gut, die Beine fühlten sich zum Glück nicht nur kurz gut an. Moritz hatte allerdings mit einen Hungerast und mit der ungewohnten Höhenluft zu kämpfen, sodass er komplett rausnahm und im Notritzel bei orthopädisch bedenklichen Trittfrequenzen den Pass erklamm.

Nach einer Stärkung und dem Passfoto begann das Neuland – die Abfahrt über den Umbrailpass. Dort war garnix los, lediglich vereinzelte Motorradfahrer und ein paar Profifahrer mit Begleitfahrzeug störten die Abfahrt auf der teils recht schmalen aber schön gelegten Straße. Die restliche Tour ging fast komplett bergab, allerdings bließ der Gegenwind fast durchgängig sodass schon ein paar Körner investiert werden mussten. Das Routing über den Radweg anstatt auf den Wirtschaftsstraßen lies aber ein etwas windgeschützeres Fahren zu. Eckdaten: (182km, 3100Hm)