Elsass Wochenende

Hier sollte eigentlich der Rennbericht vom Alsacienne stehen, welches aber aus bekannten Gründen abgesagt wurde – wie es scheint sogar für immer weil viele Teilnehmer sich zu sehr über die Nicht-Rückerstattung der Gebühren echauffiert haben, sehr schade denn die meisten Leute werden sicher nicht ihr letztes Hemd dafür geopfert haben. Moritz, Sven, Heiko und Daniel beschlossen aber die Hotelreservierung beizubehalten und das Wochenende auf zwei Rennradtage auszudehnen.


Sven reiste mit nagelneuem Material an, sein neues Rose wurde erst vor wenigen Tagen geliefert und zwar vor dem bestätigten Liefertermin (29.6.). Es wurde vor dem „Einrollen“ fleißig geschraubt aber die Wolken verzogen sich sodass das Quartett bei Top-Bedingungen starten konnte. Die Vorgabe <90km konnte zwar nur mit weglassen des Hauptgipfels (+4km) erreicht werden und natürlich wurde nirgends gebummelt – aber man war ja nicht zum Spaß da.
Die Straßenverhältnisse waren insgesamt sehr passabel, sogar ein wirklich guter Radweg wurde von Moritz eingeplant. Die Tour war dann auch wegen der Hitze recht anstrengend aber das gute französische Essen inklusive überraschend schmackhaften lokalen Bier (sehr hopfig) sorgte für Entschädigung. Eckdaten: (1850Hm, 92km)

Der Sonntag sollte dann eine ähnliche Streckenführung wie das eigentliche Rennen haben, es wurde ein alternativer (und schöner) Anstieg auf den Grand Ballon gewählt um nicht 2mal das gleiche Stück zu fahren, dieser kam schon nach wenigen Einrollkilometern. Ein Triathlet fuhr mit seinem Race-Mountainbike große Teile des Anstiegs mit, obwohl kein wirkliches Bummeltempo (1000Hm/h) gefahren wurde – schließlich folgten noch ein paar Höhenmeter. In Gipfelnähe wurde die Bäume weniger was zu sehr zackigen Windböen führte, die fehlende Sonne lies die Kaffeepause dann klar nach Drinnen verlegen. Nach der Abfahrt und 2 Schippen Sand ging es dann auf den Petit Ballon. Im letzten Ort taten sich plötzlich ein paar Rampen auf, die Moritz und Daniel dazu verleiteten die Pace kurz anzuziehen um dann im Flachen auf die Möllers zu warten. Allerdings kam kein wirkliches Flachstück sodass recht bald klar wurde, dass erst am Gipfel ein Reunion stattfinden sollte. Daniel entschloss sich mangels Streckenkenntnis einen Gang runterzuschalten und lies Moritz ziehen. Oben konnte Heiko seine Windjacke aufgrund der Windböen kaum anziehen (Vorgang dauerte länger als die Tragezeit der Jacke) und man fuhr unterhalb des Gipfels in das geplante Mittagsessen-Quartier. Leider wurde die Bestellung vergessen, was zu diesem Zeitpunkt keinen so großen Unmut verbreitete denn man hatte ja fast alles geschafft und lag gut im Zeitplan. Die Abfahrt war dann etwas ruppiger und es gab sehr punktuell Windstöße. Damit alle zusammenblieben, fuhr Mr. Watt (Heiko) den letzten Berg von vorne, was zur Folge hatte dass in jedem Flachstück immer ordentlich Kette gegeben wurde (Konstante Leistung eben).


Der Ausblick von der Höhenstraße wurde erst von Rückenwind begünstigt, dann aber ungefähr 5km vor dem Gipfel (Grand Ballon zum 2.) zum skeptischen Blick auf die Wolken umfunktioniert. Wegen eines Helikoptereinsatzes mussten die vier Fahrer 45 (!) Minuten Zwangspause einlegen, selbst Moritz‘ Verhandlungskünste brachten keinen nennenswerten Vorteil, außer dass man als erstes wieder durchkam. Die finalen 150Hm wurden mit entsprechend kalten Beiden absolviert, aber immerhin blieb es trocken. Auf der Schlussabfahrt wurde einer Autokollonne Vorsprung gegeben, sodass man bei besserem Belag nochmal Stoff geben konnte.
Eckdaten der Tour (3500Hm – bei allen außer Daniel, 137km )

Stevens Prestige 2020 Disc Gravelbike

Nach dem Umzug nach Eberstadt wurde das Pendeln auf die Arbeit dank dort vorhandener Dusche auf die Agenda gesetzt. Schnell wurde die Idee mit dem Vuelta und Steckschutzblechen ad acta gelegt – es muss ein Pendelrad her. Die Schutzbleche hielten nicht gut (Gummis) und alles war dreckig. Marke ist natürlich Stevens, Schutzblechösen, Disc Brakes und 2-fach Kurbel standen im Pflichtenheft und der Preis sollte erträglich bleiben – also kam nur das Stevens Prestige in Frage. Bei der Probefahrt im Citybike Darmstadt gab es die erste Überraschung: die recht grob wirkenden Stollenreifen rollen auf Asphalt wirklich gut. Als Beleuchtung dienen die Selbstbaulichter aus den Rad-am-Ring Jahren sowie USB-ladbare Rücklichter von Lezeyne. Ein sehr kurzes Intermezzo auf Tubeless umzurüsten (zum Glück nur am Vorderrad) bewährte sich nicht, die Luft geht zwar nicht während der Fahrt aber während des Nicht-Fahrens zu schnell raus. Das Pendeln war somit wirklich super, das hohe Radgewicht (später mehr) von 10kg macht nur beim in-den-Keller-tragen etwas aus und durch die vollumfänglichen Schutzbleche wird auch nicht mehr soviel dreckig, beim normalen Pendeln ist die Kleidung sogar wirklich sauber – sehr alltagstauglich also.
An den Wochenenden wurde das Rad auch artgerechter ausgeführt, es gibt so viele gut fahrbare Wald- und Feldwege für die man kein e-Bike Fully braucht sondern ein normales Gravelbike ausreicht, immer gut am Lenker festhalten und los geht es. Bis vor ein paar Jahren hätte ich das Rad Crosser genannt, dazu würde ich aber heute maxima 33mm breite Reifen und Einfachkurbeln zählen – perfekt für Crosser (=Querfeldein) Wettkämpfe geeignet also. Für meinen Einsatz als Rennrad-MTB-Zwitter ist eine möglichst große Antriebsspreizung jedoch unabdingbar, viele lange und Steile Rampen wollen auch im Winter befahren werden. Fürs klassische Crosser fahren kann ich aber die 1-fach Konzepte verstehen, denn man minimiert Kettenblattwechsel.
Um die bereits sehr gute Range noch zu verbessern, und natürlich die einfachsten Gewichtsfauspax (0,5kg gespart) auszumerzen wurde das Rad direkt modifiziert. Es ist jetzt die komplette GRX Gruppe von Shimano verbaut, inkl. 48/31er Kurbel mit Umwerfer (musste neu da 2,5mm geänderte Kettenlinie). Das Schaltwerk besitzt einen Geländemodus, welches die Kette auf Spannung hält – MTB Technik am Gravelbike. Die Reifen sind im nassen Gelände natürlich irgendwann überfordert, kommen aber sehr gut durch Matsch und zumindest bis 35km/h rollt es auch auf der befestigten Fahrbahn gut. Insgesamt eine klare Empfehlung für alle die ihren Rennlenker lieben und auch mal Feldwege/Waldwege fahren wollen, oder einfach solide zur Arbeit fahren wollen. Auf mechanische Scheibenbremse sollte man nicht downgraden außer das Budget lässt nichts anderes zu und wie man weiß kann man auch mit Aluminium gut fahren. Last but not least, die Farbe ist deutlich greller und schöner als es alle Bilder vermuten lassen. Es gilt aber auch die n+1 Regel, n ist die Anzahl der Räder, die man besitzt 🙂

Rahmen + GabelAluminium SL 7005 – 56cm
BremsenShimano GRX 400
LaufräderFulcrum Racing 700 DB, DT Swiss Steckachsen
ReifenSchwalbe G-One Bite 35mm
KurbelShimano FC RX810 – 48/31 170mm
UmwerferShimano GRX FD-RX810
SchaltwerkShimano GRX RD-RX810
KassetteShimano 105, 11-32 11-fach
LenkerOxygen Scorpo Aero
VorbauProcraft 100mm 6°
SattelstützeProcraft PRC SP2 27,2mm
SattelBerk List oval
PedaleShimana A500 SPD

Les Bosses de Provence 2019

Am letzten Septemberwochenende, knapp 11 Monate nach Trainingsauftakt und mit 9800 Jahreskilometern in den Beinen, sollte sich auch für Moritz die Rennradsaison 2019 ihrem letzten Event nähern. Wie bereits im Vorjahr waren das die Bosses de Provence, zu deutsch Hügel der beliebten Kräutermischung (0,89 Euro bei Aldi) oder so ähnlich. In jedem Fall: 164km mit diesmal bei leicht veränderter Streckenführung 3000 Höhenmetern.

Pünktlich um 8h30 setzte sich der erste Startblock mit Moritz in Bewegung und vorne wurde von Beginn an Tempo gemacht, um das Feld am ersten Anstieg (0,0km Einrollen) in die Länge zu ziehen. Eine kurze Zwischenattacke kurz vor dem Gipfel war nötig, um der ca. 50 Mann starken Spitzengruppe zu folgen, als Belohnung gab es den Strava-KOM für die ersten 23km. Denn so schnell wie dieses Jahr war das Rennen zumindest in den letzten 10 Jahren nie gestartet. Und in der Tat gab es überhaupt keine Verschnaufpause, selbst im Flachen wurde komplett durchgezogen, und Moritz war froh, bis zum Beginn des längsten Anstiegs noch vorne mit dabei zu sein. Wie erwartet ließen die ersten Attacken nicht auf sich warten und der einzige DGD Racing Team Fahrer im Feld legte sein Hauptaugenmerk darauf, nicht den Moment zu verpassen, an dem sich eine größere Verfolgergruppe bilden würde.

Dieser Plan ging auch auf und auf dem Plateau nach der Bergwertung roch es erneut nach dem perfekten Rennen, gut geschützt an ca. 25. Position liegend. Nur, aber nur solange allerdings, bis mit knapp 70km zum Ziel ein erster Krampf durch Moritz Oberschenkel schoss und er notgedrungen die Gruppe ziehen lassen musste. Bis die nächste Gruppe kam, vergingen fast 35 Rennkilometer, wobei der Plan, erneutem Krampfen durch genügend Isogetränk-Aufnahme vorzubeugen, nur mittelgut verfolgt werden konnte, weil just beim Flaschenwechsel ein Schlagloch übersehen wurde und die noch volle Flasche aus der Hand in den Straßengraben katapultiert wurde. So war das nächste Zwicken nur eine Frage der Zeit und 30km vorm Ziel war erneut Solofahren angesagt, nur noch eine Gruppe und ein paar versprengte Einzelkämpfer weiter hinten im Renngeschehen.

Nach einer schnellen Abfahrt an den Fuß des letzten Anstiegs tauchten dann aber vor Moritz völlig überraschend noch deutlich mehr im Arsch befindliche Konkurrenten auf. Das alte Motto hatte sich wieder bewahrheitet: Der letzte Berg geht immer! Bis ins Ziel machte Moritz noch ein paar Plätze gut.

Resultat: P35, zeitgleich mit P31, viel besser als zwischenzeitlich befürchtet und angesichts der suboptimalen Umstände ein sehr starker Saisonausklang! 🙂

 

 

 

Riderman 2019 – Raceday

Der nächste Teil der Dezimierung betraf den Rennsonntag, denn dieser konnte nicht bestritten werden, denn Stefan feierte am Samstagabend seinen 30. Geburtstag, also Vollgas am Samstag war angesagt. Das Wetter war perfekt, Sonne pur, die Strecke mit 120km und knapp 2000Hm nochmals schwerer als im Vorjahr. Daniel startete aus seiner eigenen Sicht leistungsgerecht in Block B, Heiko und Christian reihten sich vorne in C ein – aufgrund der konstant nicht erklärbaren Logik der Startblockeinteilung wäre für alle D (letzter Block) von der Rennleitung vorgesehen gewesen. Daniel konnte am ersten Feldweganstieg einige Plätze gutmachen, aber es ging eine kleine Lücke auf, die von nachfolgenden Fahrern aber rasch geschlossen wurde. Heiko lies es am Rennanfang etwas ruhiger angehen, die Renneinteilung also etwas konservativer. Daniel befand sich in einer riesigen Gruppe (>50 Fahrer), sodass es auf den Feldweg-Rampen (2 mehr als im Vorjahr) fast zu Staus kam, die Motorräder die immer genau an diesen Stellen überholen wollten, trugen nicht zur Entspannung der Situation bei. Aufgrund der vortags nicht perfekten Form, versuchte Daniel alles um taktisch zu fahren. Es gab nur einen kurzen, unerfolgreichen Sprint nach dem Hauptanstieg um eine Lücke zu schließen, welche letztlich mithilfe der Verpflegestelle von alleine zuging. Die Pace in dieser Gruppe war jedoch so hoch, dass auch am Berg alles gegeben werden musste. Trotzdem musste bei 2/3 des Rennens, am Berg, ein kleiner Teil des Feldes weggelassen werden.
Christian packte das Rennfieber, er gab am Anfang des Rennens Vollgas, wohl wissend dass er dafür wohl laut eigener Prognose später „eins, zwei Gruppen ziehen lassen werden müsste“. Bei Kilometer 45 war jedoch der Hinterreifen platt. Bis das Motorrad mit Mavic-Ersatzlaufrädern eintraf, waren deutlich mehr Gruppen weg, und er musste fast dem gesamten Feld nachjagen. Später konnte er einen weiteren Fahrer der auch Defekt hatte motivieren zusammen zu fahren. Diejenigen, die danach eingeholt wurden, stammten aus seiner ursprünglichen Gruppe und waren daher komplett „fertig“. Christians Zeit war daher natürlich nicht sonderlich gut, aber es gab keine Verletzungen und immerhin eine erste gute Rennstunde.
Heiko war in seiner Gruppe einer der stärksten Fahrer, es gab aber auch einige Experten die mehr diskutierten und moserten als fuhren, diese wurden jedoch bald zurückgelassen. An der letzten Verpflegung traf er auf einen kräftigeren Fahrer, der komplett unterzuckert nach Gels frage – dem konnte Heiko großzügig aushelfen. An der letzten Rampe des Rennens (10km vor dem Ziel) sprang seine Kette ab. Ohne Hektik zu verbreiten hielt er an, zog diese wieder auf und fuhr erstmal uneingeklickt die Rampe hoch. Das kostete zwar nur 20 Sekunden, aber die Gruppe war weg, dank guten Beine konnte der Rückstand im Ziel auf gut 1 Minute beschränkt werden.
Daniel nutze seine gesamten Getränke, Gels und Riegel um nach dem kleinen Einbruch von der jetzt nur 10 Fahrern großen Gruppe nicht abgehangen zu werden. Das Kreiseln auf der Abfahrt mit >60km forderte zusätzliche Qualen, sodass bei einer weiteren Rampe fast eine Lücke zum Rest aufging. Da die meisten anderen auch nicht mehr so frisch waren, konnten der Gruppe 2 Fahrer (jeweils einzeln) entfliehen – Respekt dafür. Im Ziel ging nicht der allerkleinste Entspurt und die Erkenntnis dass mit 3:32h eine sehr gute Zeit (und auch Platzierung – 152) erreicht werden konnte, mehr ging nicht.
Link zu den Ergebnissen, Strava: Heiko, Daniel, Christian