Trainingslager Südtirol 2018 – Königsetappe(n)

Joa da schau her – pünktlich zu den geplanten Königsetappen am Mittwoch ging der Bozener Ofen an und legte Südtirol unter stabiles Hochsommerwetter. Der Wecker klingelte pünktlich um 6:50 (einiger Fahrer waren überrascht, dass es um diese Zeit schon hell ist), und nach etwas mehr Frühstück als sonst brachen Sebastian, Daniel und Moritz in Richtung St. Leonard im Passeiertal auf. Der Tourenplaner Dr. Egert hatte direkt in Meran ein paar unnötige Zusatzhöhenmeter über Obermais eingeplant. So konnten sich alle schon mal daran gewöhnen, was noch kommen sollte. Nach dem ausgiebigen Einrollen, meist leicht ansteigend, durchs schöne Passeiertal übernahm Sebastian die Tempokontrolle am Jaufenpass. Dies hat zur Folge, dass alle den wunderschönen Anstieg (1411Hm) genießen konnten und nicht unnötig Körner liegen ließen. Nach 1:39 Kletterzeit konnte der erste Apfelstrudel des Tages genossen werden.

Auf eine holprige Abfahrt folgte dann ohne größeres Geeier der Anstieg zum Penserjoch, mit 2211m ü.n.N. das Dach des diesjährigen Trainingslagers. Vermöge einer präzisen Dreisatzrechnung hatte Daniel ermittelt, dass Sebastian mit 12min Vorsprung in den 14km langen Anstieg (1219Hm) geschickt werden müsse, damit alle oben ungefähr gleichzeitig ankommen. Zur Überraschung aller drei ging der Plan nicht auf: Sebastian hatte einen Sahnetag erwischt und verlor nur 6 Minuten auf den Teamchef, der eben falls deutlich schneller als 2015 war. Dass es trotzdem nicht den ersten Bergpreis für Sebastian zu bejubeln gab lag daran, dass Moritz mit 59:25 einen neuen teaminternen Rekord in den Asphalt brennen konnte. Der wohlverdiente Apfelstrudel fiel dann wie schon am Jaufenpass sehr mächtig aus — was bitter nötig war, denn der Trainingscomputer zeigte trotz gefahrenen 82km bereits 3100 Höhenmeter an.

Das Restprogramm hatte dann das von Sebastian bevorzugte Steigungsvorzeichen: Es ging fast 50km auf freien Straßen und neuen Tunneln bergab nach Bozen, wo den drei die Hitze entgegen schlug. Die Mur von Bolzano wurde diesmal fachmännisch ausgelassen, aber zur Umsetzung des ursprünglichen Plans, auch auf dem Fahrradweg zu „pimmeln“ konnte sich dann die für die Führungsarbeit verantwortlichen Fahrer doch nicht durchringen. Das hatte zur Folge, dass mit deutlich cleverer Renneinteilung fast das Tempo von 2015 gematcht werden konnte. Die Eckdaten: 152km / 3360Hm / 26er Schnitt.

Katies Königsetappe war die harte Auffahrt durchs malerische Ultental bis zum Weißbrunnsee und Rückfahrt auf der selben Strecke: 76km / 1900Hm / 18er Schnitt. Dank top Rennradform in diesem Sommer war sogar noch genug Power vorhanden, um nicht wie der Rest des Teams direkt bei der erstbesten Knödlmoidl einzukehren, sondern in der leicht höher gelegenen Weissbrunner Almhüttl, wo ein toller Blick auf den See und ein leckerer Strudel warteten:

Heidrun kletterte auf ihrer zweiten Bergtour ebenfalls durchs Ultental bis zum Stausee auf über 1100m ü.n.N. und hatte mit Weg zurück nach Lana 40km auf dem Tacho. Der Bergfloh war im Grundlagenbereich auf den spektakulären Highspeed-Radwegen im Etschtal unterwegs (69km / 452Hm).

Trainingslager Südtirol 2018 – Mölten

Nach dem hervorragenden kulinarischen Highlight, ein 5 Gänge Menü beim Oberwirt gesponsort von Detlef (der leider wegen leichter gesundheitlicher Probleme nur im Flachen rollen kann) ging es etwas humaner für Katie um 9:30 Uhr auf die Möltenrunde. Die drei Herren des DGD Racing Teams folgten nach sehr optimistischen 60 Minuten, geplant war sich beim Strudel in St. Ulrich zu treffen. Nach dem Ruhetag in der Therme Meran waren vor allem Daniels Beine etwas zäh. Um freie Sicht zu haben machte er vor dem Hauptanstieg (8km 800Hm) eine kurze Riegelpause und lies die anderen beiden Fahrer ziehen. Sebastian wurde erst bei Kilometer 4,5 wieder eingeholt, wie die Zeit im Vergleich zu Moritz war, konnte man erst im Quartier zu hause analysieren. Der Anstieg war angenehm kühl, es gab genug Wolken und erstmalig keine Hitzeschlacht. Daniel und Moritz konnten zu beider Überraschung ihre PBs verbessern, Sebastian verfehlte seine Vorjahreszeit nur um Sekunden. Damit Katie nicht zu lange auf ihren Strudel warten musste, fuhren die drei alsbald weiter. Die beiden Rampen > 15% waren natürlich mal wieder nicht allzu präsent, aber die Beine waren ja noch warm.

Nach einem der besten Strudel Südtirols (zumindest nach Meinung von 2/4 Fahrern) ging es in Richtung Meran, aber natürlich gab es vor der Abfahrt noch einiges an Gehubbel. Trotz Gegenwindes konnte die schnelle Abfahrtspace vom Vorjahr vom Trio noch um 16 Sekunden verbessern, solider Platz 4/686, 71er Schnitt auf 7 Kilometer. Im Tal wurden dann die proklamierten 10 Grad Termperaturdifferenz pro 1000 Meter verifiziert, es war sommerlich deutlich über 30 Grad. Eckdaten der Tour: 66km, 1500Hm, 26er Schnitt.

Überraschung am Reiterjoch

Um die Tour vor dem traditionellen Thermentag in Meran nicht unnötig leicht zu gestalten, hatte der Teamchef am Vorabend höchstpersönlich eine Passentjungferung ins Spiel gebracht. Die Passbeschreibung des Reiterjochs auf quäldich liest sich grausam und Sebastians Angstzustände ob der bevorstehenden Strapazen nahmen während des Abendessens bedenkliche Ausmaße an. Es sollte sich aber herausstellen, dass überraschenderweise gar nicht die steilste Variante über Eggen geplant war. Von Bozen (262m) geht es durch ein 3km langes Tunnelnetzwerk ins wunderschöne Eggental entlang der Karerpassstraße bis nach Birchabruck (860m) und dann in aller Ruhe bei 8% Durchschnittssteigung teilweise auf Almwegen bis zur Passhöhe (1996m). Der Gesamtanstieg kann es somit mit den ganz großen Alpenpässen aufnehmen.

Um den zweiten Weltmeistertitel der Franzosen nicht zu verpassen wurde die Abfahrtszeit mit 8:30 recht früh gewählt. Auf der Fahrradautobahn nach Bozen konnten die Beine mit einem 37er Schnitt warmgefahren werden (es beteiligten sich 2 von 3 Fahrern in der Führung) ehe oben beschriebener Anstieg begann. Moritz und Daniel fuhren fernab des roten Bereichs, denn beide glaubten fälschlicherweise, dass die Horrorrampen aus Sebastians Bericht noch auftauchen würden. Dieser wiederum war überrascht, dass die beiden anderen nicht auf die Mörderrampe nach Eggen abbogen. So kamen alle drei entweder einigermaßen entspannt oder positiv überrascht oben an. Und da die Straße ein Geheimtipp, die strava Rangliste also nicht zu prominent besetzt ist, konnte sich Moritz für den Hauptanstieg ab Birchabruck mit 58:24 sogar den KOM sichernlaugh

Nach einer Stärkung im Skiort Pampeago im obersten Teil der Abfahrt auf der anderen Bergflanke fuhr man auf teils überraschendem Belag (Schotter im Tunnel) in Richtung Val die Fiemme ab — ein kurzer Abstecher ins Revier der letzten Woche also, denn unweit entfernt beginnt ja schon die Nordauffahrt des Passo Manghens. Alles was am Reiterjoch an Steilstücken eingespart wurde, lieferte die etwas unterschätzte Gegenrampe (500Hm) zum Passo Lavaze nach.

Dort wurden die Flaschen mit dem "juten Pulwwer" aufgefüllt, der gepante Espresso Stop aber ans Ende der folgenden Abfahrt verlegt, da auf der Passhütte offenbar niemand daran Interesse hatte, Geld zu verdienen. Bei bestem Sonnenschein zog der unterer Teil der Abfahrt richtig runter und in Moritz Windschatten stellte Sebastian mit 96,8km/h einen neuen Topspeed Rekord fürs diesjährige Trainingslager auf. Bergab waren die Tunnel zu Beginn des Eggentals weniger eintönig und auf der Hügelstraße von Bozen nach Lana wurden die letzten Körner verpulvert.

Eckdaten der Tour: 118km / 2500Hm / 25,6er Schnitt.

In der Wohnung angekommen, konnten dann die Heldentaten der anderen bewundert werden. Heidrun nutzte das angenehm kühle Wetter am morgen für ihre Erstbefahrung eines Alpenpass. Schon in Mallorca wurde das große Ziel "Gampenpass" ausgegeben und mit Bravour bestanden: Ohne Pause direkt mit einer starken Zeit und dem Bergfloh als Begleiter für die letzten Kilometer vor der Kuppe.

Oben wartete bereits Katie, die den Gampenpass in starken 1:36 hochgekurbelt war und sich danach noch den Mendelpass als Nachschlag gönnte. Die Eckdaten ihrer Variante Due Passi: 86km / 1800Hm / 20,2er Schnitt.

Trainingslager Südtirol 2018 – Transfertag

Die Woche am Lago di Caldonazzo war flux vorbei, das Quartett verlies gegen 10:30 Uhr die Unterkunft um die ca. 80km gen Norden nach Lana zu fahren. Dort waren Detlef und Heidrun um diese Uhrzeit bereits angekommen, aufgrund der Stausituation wurde standesgemäß 3:30 Uhr losgefahren aus dem Headquarter Odenwald. Daniel brachte das Paket zur Post (die bis 12:35 Uhr offen hatte). Leider wurde die Annahme erst verweigert, es gäbe nicht abgeklebte Kanten am Karton. Im gegenüberliegenden Schreibwarenladen wurde Tape erworben und dann wirklich alles abgeklebt. Nachdem die Anschrift aufs falsche, dann aufs richtige Formular und dann mit Edding aufs Paket geschrieben wurde, und Expressfrachtgebühr von insgesamt 43€ gezahlt wurde, kam auch der schwarze Wagen an der Ferienwohnung an. Es wurde eingeladen, diverse Leute suchten diverse Dinge die sich beim Umpacken versteckt hatten.


Nach der Stärkung im Café Flora ging es auf eine wirklich fast flache Einrollrunde nach St.Michel (50km 360Hm). Moritz fuhr den kleinen Anstieg auf Attacke und konnte sich P37/2800 auf dem Segment sichern. Pünktlich zum Anpfiff, und nur durch ganz ganz wenige Schönwettertropfen (Mendelpass und Bergfloh sind hier die Stichworte) runtergekühlt, kamen alle fünf Fahrer in der sehr großzügig dimensionierten Ferienwohnung in Lana an.

Trainingslager Südtirol 2018 – Passo Manghen

Der letzte Tag in Calceranica ließ sich mit den profesionellen Praktikanten des öffentlich rechtlichen Fernsehens sowie der Erkenntnis, dass offenbar Larissa Marolt bei "Sturm der LIebe" angeheuert hat, sehr gemütlich an. Sowieso empfahl es sich nach den nächtlichen Gewittern nicht unnötig früh on track zu sein. Daniel, Sebastian und Moritz hatten sich einen der härtesten Pässe der Alpen bis zum Schluss aufgehoben, den Passo Manghen, samt Vorberg über Roncegno. Katie hatte eine etwas kürzere Runde mit Vorberg und zurück von Borgo auf dem Highspeed-Radweg auf ihr Gerät geladen. Davon, dass jener Vorberg zu flach sei, konnten alle vier Fahrer dann schnell Abstand nehmen. Drei Kilometer mit konstant 10% sprachen für sich. Man hätte natürlich auch einfach vorher den Bericht von Anno 2015 lesen können

Im 20km langen Hauptanstieg (1450Hm) angekommen wechselte Sebastian sofort in seinen eigenen Rhythmus. Die anderen beiden konnten sich, topographisch aufgeteilt, gut abwechseln: Daniel übernahm die Rampen, Moritz die Flachstücke. Dazwischen gab es sowieso nix. In der spektakulären Schlussrampe (8km, 800Hm) konnte nur noch Moritz einen hochfrequenten Rhythmus aufs Pedal bringen und blieb mit  1:16:42 nur eine Minuten über der 2015er Bestzeit. Daniel musste notgedrungen eine dicke Mühle treten, aber die Zeit von 1:19:40 war deutlich besser, als es sich angefühlt hatte. Sebastian kam nach 1:39:00 über die Kuppe, hatte aber als einziger ein Selfie mit einer der Kühe neben/auf der Strecke mit im Gepäck:

Nach den üblichen Ritualen stürzten sich alle drei in die Abfahrt zurück nach Borgo.

Diese nahm für den Teamchef schon in Kehre 3 ein jähes Ende: Ohne jegliches Anzeichen brachen beim Anbremsen gleich 4 Speichen aus der Nabe. An ein Weiterfahren war nicht zu denken. Zum Glück gab es keine weiteren Schäden und der Bus eines lokalen Nachwuchsteams transportierte Daniel ohne größe Wartezeit nach unten.

Dort wartete schon Katie mit dem Fabia. Die anderen beiden bekamen trotz mehrfachem Rufens von all dem nichts mit. Zu sehr hatten sie sich schon dem Rausch der Geschwindigkeit in der vollkommen freien Abfahrt hingegeben.

Eckdaten der Tour: 87km/2100Hm/26er Schnitt und 48km/700Hm/22,5er Schnitt für Katie.

Um für Rad am Ring optimales Material zur Verfügung zu haben, wurde direkt nach der Ankunft ein Laufradkarton organisiert. Bei Cicli Ghesla in Caldonazzo lag zwar gut sichtbar ein solcher rum, allerdings hielt man es nicht mal für nötig, sich danach umzudrehen. Freundlich und kostenlos Abhilfe geschaffen wurde bei Bici in Valsugana in Levico.